Ist Organtransplantation moralisch vertretbar?

Text: Dieter Birnbacher, Organtransplantation - Stand der ethischen Debatte

Inhaltsangabe

Dieter Birnbacher spricht in seinem Text einige Beispiele für die „richtigen“ Entnahmebedingungen bei einer Organtransplantation an. Er kommt aber zum Schluss, dass es die „richtige“ Bedingung nicht gibt, sondern dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was ihn am meisten anspricht. Dieter Birnbacher nennt zwei Prinzipien, die bei einer Organtransplantation von grosser Bedeutung sind – das Prinzip der Hilfeleistung und das Prinzip der Respektierung der individuellen Selbstbestimmung. Nach Dieter Birnbacher können diese beiden Prinzipien aber nicht gleichzeitig mit der gleichgewichtig berücksichtigt werden. Wenn dem Prinzip der Selbstbestimmung das Schwergewicht gegeben wird, kann ein Organ bei einem verstorbenen Menschen nur entnommen werden, wenn dieser vor seinem Tod eingewilligt hat, so Birnbacher. Wenn jedoch vor allem das Prinzip der Hilfeleistung beachtet wird, sagt Birnbacher, kann eine Entnahme nur dann ausgeschlossen werden, wenn der Verstorbene vor seinem Tod dies ausdrücklich so gewünscht hat. Nach Dieter Birnbacher ist keine Lösung zu finden, die besagt, welche der beiden Varianten besser und sinnvoller ist. Dieter Birnbacher kann nicht einsehen, warum das Prinzip der Hilfeleistung viel mehr umstritten ist, als das Prinzip des Selbstbestimmungsrechts. Um sich die Lösung, die das Prinzip des Selbstbestimmungsrechts rechtfertigt veranschaulichen zu können hat Brinbacher einen Vergleich aufgestellt. Er meint, wenn man darüber bestimmen kann, was nach dem Tod mit dem eigenen Geld geschehen wird, sollte man auch bestimmen können, was mit dem eigenen Körper passieren wird. Aber auch für die andere Seite, das Prinzip der Hilfeleistung kann Dieter Birnbacher ein Beispiel einbringen. Er ist der Meinung, dass wenn der Körper eines Verstorbenen ohne Einwilligung weder von diesem Menschen selbst, noch von Verwandten für Obduktionen freigegeben werden kann, sollte er auch zur Organentnahme zur Verfügung stehen können. Schliesslich könne man mit einer Organentnahme das Leben eines anderen Menschen verbessern oder sogar retten, während eine Obduktion nur dazu dienen kann, ein Verbrechen aufzuklären.

Argumentations- und Erkenntnisziele

In seinem Text kommt hervor, dass Dieter Birnbacher das Prinzip der Hilfeleistung als sinnvoller erachtet als das Prinzip des Selbstbestimmungsrechtes, welches jedoch auch als wichtig betrachtet wird. Diese beiden Prinzipien stehen aber im Widerspruch zueinander. Man muss sich für eines dieser Prinzipien entscheiden. Ausserdem soll für einen Menschen das Wohl anderer Menschen wichtiger sein, als das Geschehen mit seinem toten Körper, wenn sein Leben zu Ende ist.

Argumentationszusammenhang

Im Text von Dieter Birnbacher sind einige Fehlschlüsse zu finden. Er sagt von Anfang an, dass es nur zwei Prinzipien gibt. Es wird überhaupt nicht nach anderen Prinzipien gesucht oder weiter darüber reflektiert. Dieter Birnbacher sagt, dass sich diese zwei Prinzipien widersprechen. Warum das so ist, können wir aber aus dem Text nicht herauslesen. In seinem Text geht Dieter Birnbacher davon aus, dass Körper für einen Menschen wichtiger ist als sein Vermögen, ohne dies begründet und bewiesen zu haben. Ausserdem nimmt Dieter Birnbacher an, dass Verbrechen aufdecken keine Leben retten kann. Dies wäre aber zum Beispiel nicht richtig, wenn dadurch ein Massenmörder gefasst werden könnte und der somit keine weiteren Morde begehen kann.

Konsequenzen / Anwendungsmöglichkeiten

Nach Dieter Birnbacher sollte man das Prinzip der Hilfeleistung wählen. Er legt grossen Wert darauf, dass die Menschen ihre Organe nach dem Tod zum Spenden freigeben. Er fordert uns also eigentlich auf, dass wir alle unseren Körper nach dem Tod für die Organtransplantation zur Verfügung stellen.

Komplexität

Meiner Meinung nach spricht der Autor des Textes zu wenig Argumente an, um die Organtransplantation, oder besser gesagt eines der zwei aufgestellten Prinzipien zu rechtfertigen oder zu widerlegen. Er müsste mehrere Argumente bringen, da man aufgrund eines Argumentes nicht entscheiden kann, welche Bedingungen für eine Organtransplantation die richtigen sind. Für die beiden Prinzipien werden aber nützliche Beispiele gegeben, sodass man diese Prinzipien gut nachvollziehen kann. Zu Beginn des Textes sagt Dieter Birnbacher, dass man nicht sagen kann, welches der beiden Prinzipien besser ist. Im Verlauf des Textes ist aber die Tendenz zum Prinzip der Hilfeleistung durch die Argumentationen des Autors klar ersichtlich.

Vom eigenen Standpunkt aus zum Lösungs- bzw. Vertiefungsbeitrag des Textes Stellung nehmen

Ich stimme der Meinung von Dieter Birnbacher zu. Ich finde es auch wichtig, dass man seine Organe nach dem Tod für andere Menschen zur Verfügung stellt. Mir erscheint es sehr sinnvoll, dadurch anderen Menschen zu helfen, oder sogar ihre Leben zu retten. Schliesslich ist der Körper nach dem Tod nur noch eine Hülle und von überhaupt keiner Bedeutung mehr. Die Seele lebt weiter, der Körper jedoch nicht. Wenn ich mir vorstelle, dass es viel zu wenig Spenderorgane gibt, ist es für mich klar, dass ich meine Organe auch spenden würde. Diejenigen, welche ihre Organe nur für eine Obduktion freigeben wollen, kann ich überhaupt nicht verstehen. Meiner Meinung nach verläuft eine Obduktion viel hässlicher ab als eine Organentnahme.

-- AngelaGraeni - 5 Apr 2005