You are here: NKSA » TWikiUsers » AnneFlueckiger

Komm süsser Tod

Innerer Monolog

Als ich zur Tür des Golden Heart stolpere, sehe vor mir Nicoles braune Haare. Schöne Haare, wirklich schöne Haare. Die Tür sehe ich doppelt. Vielleicht hatte ich einen oder zwei zuviel. Ich glaube, zurzeit bin ich wirklich nicht trinkfest. Die doppelte Tür verschwindet plötzlich, Nicole hat sie geöffnet. Mir weht frische Nachtluft um die Nase. Es ist kühl. Soll ich hinausgehen? Nicole ist schon draussen. Dann also los, hinter ihr her. Mal sehen wo das heute noch hinführt. Nicole ist schon ziemlich sympathisch. Und hübsch ist sie auch. Aber sie ist halt eine von der Blutbank, die sind alle ein bisschen komisch. Sie steht da vorne und lächelt mir zu. Ich glaube, sie ist auch nicht mehr ganz nüchtern. Sie hat so einen verklärten Blick. Aber sie lächelt mir zu. Ich gehe zu ihr, soll ich ihre Hand nehmen? Sie hat recht kleine Hände. Da hakt sich die Nicole schon bei mir unter und zieht mich mit sich. Na gut, gehen wir mit. Sie ist ziemlich klein, aber vielleicht liegt das an meinem Rausch. Vielleicht ist sie viel grösser als ich meine. Ich weiss nicht, heute in der Blutbank, war sie da grösser? Es ist ziemlich düster in der Strasse, ich glaube es wird regnen heute. Soll es halt regnen. Da vorne steht etwas Grosses. Ein Bus? Nein, ein Lastwagen. Nicole plappert auf mich ein, sie lallt leicht, aber ich höre ihr sowieso nicht zu. Gehe ich gerade? Ich habe nicht den Eindruck. Die Lastwagentür öffnet sich, der Kerl schaut ziemlich massig aus. Neben ihm taucht plötzlich ein zweiter auf. Ich kenne beide nicht. Aber sie kommen genau auf mich zu. Oder auf Nicole. Kennt sie sie vielleicht? Sie guckt aber ziemlich verschüchtert. Es sieht nicht so aus, als würde sie die beiden kennen. Oder einen von beiden. Der erste zischt etwas, das nach „schleich dich“ klingt, und die Nicole löst sich ganz hastig von mir. Ich will nach ihr rufen, dass sie doch bleiben soll, aber da ist sie schon hinter einer dunklen Ecke verschwunden. Ich zucke die Schulter und blicke zu den beiden Männern. Und dann saust eine Faust auf mich zu. Und ich kann gar nicht richtig reagieren, weil im nächsten Moment spüre ich, wie mein Gesicht explodiert, und für einen Moment wird alles noch schwärzer als es eh schon war. Liege ich am Boden? Ich glaube schon. Es ist hart und kalt. Ich will mich nicht bewegen. Da höre ich Sirenen, die ich kenne. Sie klingen nicht nach unseren, sondern nach den Rettungsbündlern. Schicken die etwa die Rettunsbündler nach mir? Die Sirenen hören auf, ich glaube, neben mir hat ein Wagen angehalten. Ich werde hochgehoben und wieder abgelegt. Irgendwo rein verfrachtet. Plötzlich wird es hell hinter meinen Augenlidern. Von irgendwoher kommt Licht. Ich kann entfernt irgendwo Gejohle und Gelächter hören und ich glaube, der Wagen fährt schon wieder. Ja, muss wohl gefahren sein, denn jetzt hält er an. Mit einem ziemlich unsanften Ruck. Und die Türen werden geöffnet und wieder raus mit mir. Ich öffne Versuchsweise die Augen, und sehe ein paar bekannte Köpfe von den Kreuzrittern, die ihm Hof stehen und mich ansehen. Es ist wohl besser, wenn ich die Augen wieder schliesse.

Erlebte Rede

Als er zur Tür des Golden Heart stolperte, sah er vor sich Nicoles braune Haare. Schöne Haare, wirklich schöne Haare. Die Tür sah er doppelt. Vielleicht hatte er einen oder zwei zuviel getrunken. Er dachte, dass er zurzeit wirklich nicht sehr trinkfest war. Die doppelte Tür verschwand plötzlich, Nicole hatte sie geöffnet. Ihm wehte frische Nachtluft um die Nase. Es war kühl. Sollte er hinausgehen? Nicole war schon draussen. Dann also los, hinter ihr her. Mal sehen wo das noch hinführen würde. Nicole war schon ziemlich sympathisch. Und hübsch war sie auch. Aber sie war halt eine von der Blutbank, die sind alle ein bisschen komisch. Sie stand da vorne und lächelte ihm zu. Er dachte, dass sie wohl auch nicht mehr ganz nüchtern war. Sie hatte so einen verklärten Blick. Aber sie lächelte ihm zu. Er ging zu ihr, sollte er ihre Hand nehmen? Sie hatte recht kleine Hände. Da hakte sich die Nicole schon bei ihm unter und zog ihn mit sich. Na gut, ging er halt mit. Sie war ziemlich klein, aber vielleicht lag das an seinem Rausch. Vielleicht war sie viel grösser als er meinte. Er wusste es nicht, heute in der Blutbank, war sie da grösser gewesen? Es war ziemlich düster in der Strasse, er dachte, dass es wohl noch regnen würde. Sollte es halt regnen. Da vorne stand etwas Grosses. Ein Bus? Nein, ein Lastwagen. Nicole plapperte auf ihn ein, sie lallte leicht, aber er hörte ihr sowieso nicht zu. Ging er gerade? Er hatte nicht den Eindruck. Die Lastwagentür öffnete sich, der Kerl schaute ziemlich massig aus. Neben ihm tauchte plötzlich ein zweiter auf. Er kannte beide nicht. Aber sie kamen genau auf ihn zu. Oder auf Nicole. Kannte sie sie vielleicht? Sie guckte aber ziemlich verschüchtert. Es sah nicht so aus, als würde sie die beiden kennen. Oder einen von beiden. Der erste zischte etwas, das nach „schleich dich“ klang, und die Nicole löste sich ganz hastig von ihm. Er wollte nach ihr rufen, dass sie doch bleiben sollte, aber da war sie schon hinter einer dunklen Ecke verschwunden. Er zuckte die Schultern und blickte zu den beiden Männern. Und dann sauste eine Faust auf ihn zu. Und er konnte gar nicht richtig reagieren, weil im nächsten Moment spürte er, wie sein Gesicht explodierte, und für einen Moment wurde alles noch schwärzer als es eh schon gewesen war. Lag er am Boden? Er glaubte es schon. Es war hart und kalt. Er wollte sich nicht bewegen. Da hörte er Sirenen, die er kannte. Sie klangen nicht nach seinen, sondern nach den Rettungsbündlern. Schickten die etwa die Rettunsbündler nach ihm? Die Sirenen hörten auf, er glaubte, neben ihm hätte ein Wagen angehalten. Er wurde hochgehoben und wieder abgelegt. Irgendwo rein verfrachtet. Plötzlich wurde es hell hinter seinen Augenlidern. Von irgendwoher kam Licht. Er konnte entfernt irgendwo Gejohle und Gelächter hören und er glaubte, der Wagen fuhr schon wieder. Ja, muss wohl gefahren sein, denn jetzt hielt er an. Mit einem ziemlich unsanften Ruck. Und die Türen wurden geöffnet und wieder raus mit ihm. Er öffnete versuchsweise die Augen, und sah ein paar bekannte Köpfe von den Kreuzrittern, die ihm Hof standen und ihn ansahen. Es war wohl besser, wenn er die Augen wieder schloss.

Auktoriales Erzählverhalten

Er sah ziemlich bescheuert aus, als er zur Tür stolperte. Stockbesoffen, schwankend. Nicole merkte es nicht, denn sie selber war auch nicht wirklich nüchtern. Ihn störte es nicht. Er hatte schon wieder nur Augen für Nicoles Haar, das ihm sosehr gefiel. Obwohl es jetzt, nach dem langen Abend im Golden Heart, ziemlich trocken und leicht strohig aussah. Aber das fiel Brenner nicht auf, so betrunken, wie er war. Nicole öffnete die Tür, was Brenner wohl allein nicht geschafft hätte. Als ihm die frische Luft um die Nase wehte, verzog er leicht die Nase. Nicole stand schon weiter vorne und beobachtete ihn. Sie konnte ihn gut leiden, auch wenn er manchmal ein bisschen komisch war. Als sie sah, wie er kurz schauderte, weil es recht kühl war, lächelte sie sanft. Brenner kam zu ihr und fragte sich einen Moment, ob er ihre Hand nehmen sollte. Er tat es nicht, denn Nicole hakte sich schon bei ihm unter. Sie mochte es, so zu gehen, und Brenner schien ihr auch in betrunkenem Zustand ein guter Beschützer zu sein. Als sie nebeneinander hergingen, fragte sich Brenner plötzlich, ob Nicole schon immer so klein gewesen war. In der Blutbank war sie ihm grösser vorgekommen, was bei Brenner aber nichts heissen musste. Manchmal war er einfach zu abwesend, um einen Menschen wirklich zu sehen. Er schwankte ganz schön, Nicole schwankte mit, aber nicht ganz so stark. Sie spürte schon jetzt ein leichtes Brummen im Kopf, schüttelte ihn leicht. Sie würde am nächsten Tag einen ganz schönen Kater haben. Zum Glück war es ihr freier Tag. Brenner und Nicole sahen den Lastwagen beide gleichzeitig, aber beide dachten sich erstmal nichts dabei. Ein Lastwagen in Wien ist nun mal nichts Spezielles. Und die beiden konnten auch nicht ahnen, was in den nächsten Minuten mit ihnen geschehen würde. Als sich die Lastwagentür öffnete, versteifte sich Nicole ein wenig, redete sich aber ein, dass es kein Grund zur Sorge gebe und sie sich ganz schön lächerlich mache. Als die beiden Männer, die ausgestiegen waren, auf sie zukamen, war sie sich dessen allerdings nicht mehr so sicher. Sie und Brenner waren stehen geblieben, beiden war nicht wohl in ihrer Haut. Eine Gefahr wird einem auch klar, wenn man betrunken ist. Nicole warf Brenner einen leicht verängstigten Blick zu, aber er nahm ihn nicht wirklich wahr, denn er wusste selber nicht, was er tun sollte. Als einer der Männer, er war etwas grösser als der andere und hatte im Team auch meistens das Sagen, Nicole sagte, dass sie sich verziehen sollte, wagte sie keinen Moment, daran zu zweifeln. Sie ging sofort. Brenner wollte sie zurückrufen, aber Nicole wäre so oder so nicht zurückgekommen. Sie wollte sich nicht in eine Schlägerei verwickeln lassen, und auf einen Diebstahl war sie eigentlich auch nicht aus. Zwar tat ihr Brenner einen kurzen Moment leid, aber das verging schnell. Der Brenner zuckte die Schultern. Das tat er ziemlich oft, auch wenn es bei ihm eher linkisch aussah. Es war so eine Geste, die er sich einmal angewöhnt hat, und nicht mehr loswurde. Es sah etwas lächerlich aus. Die beiden Männer aus dem Lastwagen zögerten nicht lange. Der Grosse schloss seine Hand zur Faust und im nächsten Moment lag Brenner am Boden. Sein Gesicht war blutüberströmt und sah schlimm aus. Die Männer verzogen sich auf schnellstem Wege, grinsten sich kurz an und riefen dann den Rettungsbund. Der Wagen fuhr mit Blaulicht und Sirene und hielt nur Millimeter neben Brenner, aber das begriff der gar nicht. Er war immer noch völlig weg wegen dem Schlag, den er abbekommen hatte. Die Rettungsbündler erkannten den Brenner natürlich sofort. Einer von ihnen hatte eine Weile bei den Kreuzrettern gearbeitet und kannte Brenner ziemlich gut. Er fing als erster an zu lachen und erklärte seinem Beifahrer, dass sie einen Kreuzretter abschleppen würden. Das Gejohle klang ziemlich tierisch, wie wenn die beiden grosse Beute gemacht hätten. Sie würden am nächsten Tag eine schöne Geschichte zu erzählen haben. Als die Rettungsbündler in den Kreuzretterhof eingefahren kamen, rannten die Freiwilligen ziemlich aufgescheucht hinaus. Der Brenner wurde ausgeladen und öffnete kurz die Augen, eines war blutunterlaufen und zugeschwollen, deswegen brachte er es kaum auf. Aus seiner Nase lief eine schmales Blutrinnsal. Als er die Gesichter seiner Kameraden sah, schloss er die Augen gleich wieder, was wohl auch besser war so. Sonst hätte er gesehen, wie viele den Kopf schüttelten und wäre er nicht gleich weggeschlafen, hätte er die Witze gehört, die schon kurz nach seiner Einlieferung über ihn gerissen wurden.

Schluss im Haas-Stil

Als der Brenner am nächsten Morgen in die Zentrale kam, allgemeines Grinsen. Dem Brenner natürlich sofort aufgefallen, weil Hochkonzentration und so. Dabei hat er gar nicht gewusst, warum dieses Grinsen. Er hatte ja nichts angestellt. Aber Grinsen meistens ein schlechtes Zeichen. Das war schon immer so. Wenn Leute grinsen, ist ein dings im Busch. Weil Gerüchte und so. Aber jetzt hat der Brenner nicht gewusst, was da für Gerüchte sein könnten. Er hatte ja wirklich nichts angestellt. Und das was er wusste gar nicht zum Grinsen. Eher erschreckend. Aber da: allgemeines Grinsen. Natürlich. Immer ganz unpassend zu dem, was beim Brenner grade am Laufen war. Schon immer. Und wie er da das Grinsen gesehen hat, hatte er gar keine Lust mehr auf arbeiten. Am Morgen schon nicht. Weil Mörderblut geleckt. Detektivarbeit. Da schien im das Kreuzretterleben plötzlich langweilig. Aber klar: um Arbeit drücken ist nicht. Also hat er sich seinen Arbeitsplan angesehen. Nichts interessantes. Viel Zeit zum Denken. Und Brenner immer noch auf Hochkonzentration. Weil ja noch letztes Puzzlestück. Fehlt nicht mehr viel. Brenner sofort wieder am Denken. Weil seine Einteilung hat ihn sofort dazu angeregt. Und jetzt: denken. Detektivarbeit im Kreuzretterwagen. Und plötzlich wieder Freude dran. Weil Langeweile und so, und Detektiv sein wollte er schon als Kind. Weil Traumberuf und Verbrecherjagen. Wollen doch alle. Ich hab da mal einen Aufsatz geschrieben. Da war ich noch klein. Ich könnte euch das jetzt erzählen, ist eine lustige Geschichte. Aber zu lange. Geht ja jetzt um den Brenner auf Hochkonzentration. Wie der da so gefahren ist und seinem Beifahrer gar nicht zugehört hat, obwohl der von seinem Hawaii-Urlaub erzählt hat. Da ist ihm nämlich eine Idee gekommen. Ein Einfall. Einfach so, vielleicht wegen Unterbewusstsein. Soll ja ganz viel damit zu tun haben. Alle schwören darauf. Intuition und sowas. Aber beim Brenner wahrscheinlich keine Intuition. Weil Brenner nicht sehr intuitiv. Aber Einfall halt trotzdem. Und dann: Lösung.

Filmhaas Alain Schiffmann Anne Flückiger

"Komm süsser Tod", 2000, Regie: Wolfgang Murnberger. In der Hauptrollen: BRENNER Josef Hader ANGELIKA LANZ Nina Proll BERTI Simon Schwarz GROSS Bernd Michael Lade JUNIOR Michael Schönborn KLARA Barbara Rudnik JÄGER Karl Markovics MUNZ Reinhard Nowak

Nach dem gleichnamigen Roman von Wolf Haas (erschienen im rororo Verlag, 1998)

"Der zweite Weltkrieg ist vorbei, Brenner!". Der schon. Aber der zwischen den Rettungsbündlern und den Kreuzrettern noch lange nicht. Im Film von Wolfgang Murnberger wird, genauso wie im Roman, eine komplizierte Geschichte rund um die beiden Rettungsdienste Wiens gestrickt. Dabei kommt es zu komplizierten Verwirrungen, einigen Handgreiflichkeiten und nicht zuletzt zu körperlicher Aus- äh.. Anziehung.

Hörspiele

Träume

Ich denke, das Hörspiel Träume soll zeigen, wie man nach dem Krieg einfach vergessen hat, was vorher war. Man war irgendwie stumpfsinnig, sass in dem Zug, in dem man schon immer gesessen hatte, und die Geschichten von früher klangen so märchenhaft, dass ihnen niemand glauben schenken sollte. Ausserdem zeigt "Träume" eine Mögliche Ansicht der Menschheit; selbstverliebt und immer darauf bedacht, den grössten Nutzen für sich selber aus jeder Sache zu ziehen. Jeder der Träume lässt sich auf sehr unterschiedliche Weisen interpretieren, aber meiner Meinung nach sollen alle eine Eigenschaft der Menschen darstellen.. das man mit dem Strom schwimmt und nicht daran glaubt, was früher war, sich nicht dafür interessiert, Angst hat vor dem unbekannten, dass man, wie oben erwähnt, nur an sich selber denkt, das man alles immer beschönigt.. möglicherweise erklärt das auch die Reaktion der Hörerinnen von "Träume". Es ist schon nicht ganz einfach, wenn man selber mitten drin steckt, alle diese Eigenschaften hat, und sie dann so aufgelistet bekommt.

Draussen vor der Tür

Dieses Hörspiel, zumindest der Teil davon, wen wir schon gehört haben, ist um einiges interessanter als zb das Verhör des Lukullus. Obwohl es nicht offiziell als Biografie beschrieben ist, könnte ich mir doch vorstellen, dass es eine ist, denn es scheint mir die Tragik, die Wolfgang Borchert durchlebt hat in seinem Leben, durchaus auf den Punkt zu bringen. Darüber hinaus macht es einem klar, wie schlimm der Krieg gewesen ist, wie schlimm Krieg immer sein muss.. man kommt nach Hause, und plötzlich ist da nichts mehr. Als man die Heimatstadt verlassen hat war sie vielleicht noch so, wie man sie kannte, man hatte während der Kämpfe keine Ahnung was zuhause passiert, hofft, alles wieder so vorzufinden wie man es verlassen hat, und dann ist alles zerstört. Nicht nur materiell; Die Frau bei einem anderen, möglicherweise die Familie bei Bombenangriffen gestorben.. Das ist nicht einfach etwas Erfundenes, das man sich nicht vorstellen kann, hat nichts mehr mit den Kriegen zu tun, von denen man in Geschichte hört, die man einfach auswendig lernen muss als wäre es ein Strategie-Spiel. In diesem Hörspiel, das überzeugendste, auch von der Aussage her duetlichste bisher, wird all dieser Schmerz, die Angst plötzlich lebendig, man kann sie nachvollziehen. "Draussen vor der Tür" lässt einem zurückschrecken vor dem Krieg. Ich denke, es lehrt uns, Angst zu haben, nicht zu provozieren. Möglicherweise ist das tatsächlich die einzige Möglichkeit, unserer Generation beizubringen, dass Krieg falsch, grausam und schlecht ist.

Textbeschreibung

Man kann sich den ganzen Text ein bisschen wie ein Theater mit verschiedenen Bühnenbildern vorstellen, von denen einige nur kurze Zwischenspiele sind, andere hingegen sehr wichtig. Im grossen und ganzen kann man sagen, dass jede Szene sich mit einer anderen Art befasst, wie Beckmann die Vergangenheit akzeptieren, bzw. die Zukunft gestalten lernen will. Zuerst versucht er, sich zu ertränken, quasi als einfachste und schnellste Lösung sowohl für Vergangenheit als auch Zukunft. Er selber hält sich davon ab und es beginnt das Gespräch mit "dem Anderen", seinem Gewissen, vielleicht demjenigen, der er vor dem Krieg war. Dies ist nun eher eine Zwischenszene, die Beckmann hilft, zusammen mit der Mahnung der Elbe, einen Ausweg zu suchen. Das Mädchen, dass in der nächsten Szene scheinbar aus dem Nichts auftaucht, bildet ein Ziel in Beckmanns Leben, doch es wird zerstört, als er begreift, dass sie auf ihren Mann gewartet hätte, treu gewesen ist, der nicht zurückkam aus dem Krieg. Beckmann flieht in Panik vor diesem Weg, zu akzeptieren. Schliesslich versucht er, die Verantwortung für all die Toten abzugeben, sein Gewissen zu beruhige. Wird allerdings nicht ernst genommen. Wie ein Blatt im Wind unternimmt Beckmann einen verzweifelten Versuch, mit einem Beruf weiter zu kommen, nochmal vorne anzufangen, aber niemand scheint zu verstehen, wie schlimm es um ihn steht. Die wahrscheinlich eindrücklichste Szene ist die, in der Beckmann sein Elternhaus aufsucht und erfährt, dass seine Eltern nicht mehr leben. Hier wird wahrscheinlich am deutlichsten gezeigt, dass ein Soldat wirklich nach Hause kommt und eventuell niemanden mehr hat, sehr wahrscheinlich sogar niemanden mehr hat. Beckmann wurde vom Tod seiner Eltern nicht informiert, kommt einfach Heim und steht vor einem Trümmerhaufen. Der Spannungsbogen hört meiner Meinung nach ungefähr in der Mitte langsam aus, sich zu dehnen; Sobald man sich an Beckmanns Panik, seine Angst und seine Verzweiflung gewöhnt hat, ist die Spannung weg, nicht aber die Dramatik. Dennoch zieht sich die Verzweiflung des Soldaten bald in die Länge, die Versuche, aus der Zwischenwelt, in der man sich befindet, zurück zur Realität zu kommen, reissen nicht mehr wirklich mit. Fast wünscht man sich, dass Beckmann endlich erlöst werden möge durch Suizid. Interessant fand ich die Tatsache, dass die Geschichte im Grunde genommen nie wirklich in einen bestimmten Zeitraum gestellt wird, man weiss einfach, dass es sich um Nachkriegszeit handelt. Ausserdem ist die zeitliche Abfolge innerhalb des Hörspiels - Tag, Nacht etwa - nicht klar. Man kommt sich vor als würde man selber durch diese zappendustere Welt wandeln, völlig egal ob die Sonne scheint oder der Mond, es ist einfach trüb und freudlos. Man weiss nicht, während wievielen Tagen oder Stunden man Beckmanns leider verfolgt. Die Figuren, alle bis auf Beckmann und den Anderen, sind ziemlich flüchtig und werden kaum näher erläutert. Mittel zum Zweck. So dargestellt, wie auch Beckmann selbst sie wahrscheinlich wahrnimmt, ohne Gesicht, geisterhaft. Man darf rätseln wer "der Andere" ist, kommt zeitweise zum Schluss dass Beckmann Spuren von Schizophrenie trägt.

Textanalyse

Die wahrscheinlich naheliegendste Analyse ist hier sicher die biographische; Borchert lebte in Kriegszeiten, hat selber schon viel zu jung die Schrecken des Krieges hautnah miterleben müssen. Ich denke dass "Draussen vor der Tür" durchaus seine persönliche Suche ist nach einem Sinn hinter dem Krieg, dass er selber, genau wie Beckmann, eine Variante gesucht hat, mit der Vergangenheit fertig zu werden. Er schreibt zwar nicht direkt über seine genauen Erlebnisse, aber ich denke, das Gefühl, dass er beschreibt, ist durchaus dasjenige, welches ihn belastet hat. Leere, Einsamkeit, Dunkelheit.

Des weiteren lässt sich ein literatursoziologischer Zusammenhang leicht erkennen; "Draussen vor der Tür" soll den Nonsens von Krieg an die Öffentlichkeit tragen, abschrecken, aufwecken. Es ist keine strahlende Botschaft von Frieden, die üblicherweise eingesetzt werden um Krieg auszulöschen, es sind in Worte gefasste Schreckensbilder aus dem Leben eines Soldaten, was bei den Hörern viel den grösseren Respekt weckt.

bei der geistesgeschichtlichen Analyse zeigt sich, dass zu dieser Zeit der Krieg allgegenwärtig war. Borchert war davon geprägt, genauso wie viele andere Künstler auch. Man schrieb über den Krieg, malte den Krieg, spielte den Krieg. Der Einfluss kam von überall her, und es wäre ein Wunder gewesen, wenn der Soldat Borchert nicht auch darüber geschrieben hätte.