Darf aktive Sterbehilfe legalisiert werden??

Norbert Hoerster: Sterbehilfe als Konsequenz der Selbstbestimmung

  • Inhalt eines Textes erschliessen:
N. Hoerster verlangt eine gesetzliche Regelung der Euthanasie, da bis heute Sterbehilfe abhängig von der moralischen Weltanschauung des behandelnden Arztes ist.
Er schlägt folgende Regelung vor:
Passive Sterbehilfe: Verzicht auf jegliche ärztliche Behandlung. Diese ist legal, falls der Patient eine ärztliche Behandlung verweigert oder eine passive Sterbehilfe ausdrücklich wünscht. Aktive Sterbehilfe: Sterbehilfe durch „aktives Handeln“. Darf nur zugelassen werden, falls der Betroffene einer schweren, unheilbaren Krankheit ausgesetzt ist, er den Tod selbst nach langer und reiflicher Überlegung wünscht und sie durch einen Arzt ausgeführt wird.

  • Eine Inhaltsangabe verfassen:

Norbert Hoerster verlangt die Legalisierung der Sterbehilfe in bestimmten Fällen, damit die Selbstbestimmung jedes Einzelnen grösser wird.

Damit Sterbehilfe nicht der Willkür des behandelnden Arztes ausgesetzt ist, verlangt er eine gesetzliche Regelung der Euthanasie. Hoerster unterscheidet klar den Normalfall vom Speziellen: Normalerweise hat das Individuum selbst ein Interesse daran, dass sein Leben durch das Gesetz geschützt ist, wenn sich ein gesunder Mensch bloss in einer Depression oder in einer Lebensmüdigkeit befindet, die bei langfristiger Betrachtung als irrational erscheinen muss. Laut Hoerster muss der Spezialfall, aber anders geregelt werden. Er unterscheidet dabei passive und aktive Sterbehilfe. Passive Sterbehilfe ist laut Hoerster immer dann zulässig, wenn der Patient eine ärztliche, lebensrettende Massnahme verweigert, oder ausdrücklich eine passive Sterbehilfe wünscht, da in unserer Gesellschaft der Grundsatz verankert ist, dass jedes Individuum Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung hat. Komplizierter wird es bei der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe: Hoerster setzt drei Bedingungen voraus, dass aktive Sterbehilfe legalisiert werden kann: der Betroffenen leidet an einer schweren, unheilbaren Krankheit, der Betroffene wünscht nach reiflicher Überlegung in einem aufgeklärten Zustand ausdrücklich eine aktive Sterbehilfe und sie muss durch einen Arzt ausgeführt werden. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, spricht Hoerster von Tötung, die auf Verlangen strafrechtlich verfolgt werden müsse. In diesem speziellen Fall des Sterbewunsches, entspricht es keineswegs dem Interesse des Betroffenen, dass sein Leben durch das Gesetz geschützt ist, es untergräbt viel mehr sein Recht auf Autonomie. Nach Hoersters Meinung nimmt die Anzahl aktiver Sterbehilfen durch deren Legalisierung entgegen den Befürchtungen einzelner Gegner der Legalisierung der Euthanasie aber nicht zu.

  • Kontext erschliessen:

Die Forderung der gesetzlichen Regelung von Norbert Hoerster ist nach wie vor brandaktuell. Ich denke zum Beispiel an die kürzlich verstorbene Komapatientin Schiavo in Amerika. Das Anliegen ihres Ehemannes, die künstliche Ernährung seiner Frau einzustellen, damit sie, soweit dies möglich ist, in Würde sterben kann, wurde von ihrer Familie heftig bekämpft. Dieser eigentlich private Kampf um Terri Schiavo entwickelte sich zu einer politischen Debatte. Einflussreiche Personen lieferten sich erbitterte Kämpfe um das Leben der Wachkomapatientin. Dennoch kann man diesen Fall nicht genau mit Norbert Hoersters Forderung in Verbindung bringen, da Schiavo nicht ausdrücklich um eine Sterbehilfe gebeten hat. Man erkennt aber, wie brisant das Thema dennoch ist.

Peter Singer unterscheidet im Gegensatz zu Hoerster drei Formen von Euthanasie: Freiwille Euthanasie, unfreiwillige Euthanasie und die nicht freiwillige Euthanasie. Laut Singer gehören zur freiwilligen Euthanasie die von Hoerster definierte passive und aktive Sterbehilfe. Das heisst, der Patient wünscht ausdrücklich seinen Tod, ist aber eventuell nicht mehr in der Lage, sich selbst zu töten. Für Singer ist eine unfreiwillige Euthanasie, wenn der Patient seine Zustimmung zur Sterbehilfe nicht gibt, weil er nicht gefragt wurde, oder er ausdrücklich wünscht, weiterzuleben. Durch diese zwei Formen der Sterbehilfe entsteht eine Dritte: die nicht freiwillige Euthanasie. Singer versteht darunter, wenn ein unheilbar kranker Patient aufgrund seines Alters (zum Beispiel ein Säugling) oder seines Geisteszustandes nicht (mehr) in der Lage ist, der Sterbehilfe zuzustimmen. Dieser Fall der Euthanasie wirft immer wieder heftige Diskussionen auf. Hier füge ich nochmals den Fall Schiavo aus den USA an. Bei ihr handelt es sich genau um eine nicht freiwillige Euthanasie.

Singers Meinung unterscheidet sich also nicht von deren Hoersters. Singer unterteilt Euthanasie aber nach dem Wunsch des Patienten.

  • Geltungsanspruch und Erklärungsleistung beurteilen

Untersuchung des Textes: Norbert Hoerster verlangt eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe, da die Entscheidung, wie er sagt, von der moralischen Weltanschauung des behandelnden Arztes abhängig ist. Er fordert die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe im Spezialfall und stellt dazu drei Bedingungen auf, die im Spezialfall erfüllt sein müssen, welche ich bereits oben erläutert habe.

Hoerster toleriert die aktive Sterbehilfe, falls der Patient einem schweren, unheilbaren Leiden ausgesetzt ist. Er erklärt aber nicht, was für ihn schweres Leiden ist. Ab wann kann einem Kranken nicht mehr zugemutet werden, dass er weiterleben muss? Welche Krankheit, macht ein Leben nicht mehr lebenswert? Hoerster geht darauf in diesem Text nicht ein. Ebenfalls spricht er von einem „aufgeklärten Zustand“. Dabei geht er davon aus, dass sich ein Mensch, frei von allen Wünschen, Gedanken und Leiden objektiv für oder gegen das Leben entscheiden kann. Da er aber nirgends in diesem Text erklärt, was dieser transzendentale Zustand ist, werfen seine Forderungen neue Probleme und offene Fragen auf. Geht man davon aus, dass der Mensch nicht objektive Entscheidungen über sein Leben treffen kann, ist seine dritte Bedingung nicht mehr gültig. Das heisst, der Arzt kann nicht sicher sein, ob der Patient wirklich sterben will, oder es nur sagt. Das bedeutet wiederum aktive Sterbehilfe darf nicht legalisiert werden.

Durch Hoersters Text ergibt sich die Konsequenz, dass die aktive Sterbehilfe legalisiert werden muss. Da er aber, sowohl Lücken in seinem Text hat, wie auch stillschweigende Voraussetzungen macht, darf die aktive Sterbehilfe nicht nur wegen diesem Text legalisiert werden. Man müsste genau definieren, was ein aufgeklärter Zustand oder ein grosses Leiden ist, damit es keine Grauzonen mehr gibt. Hoerster macht aber einen guten ersten Schritt zur Legalisierung. Ich denke, er spricht vielen Betroffenen aus der Seele, da er das Problem der aktiven Sterbehilfe beinahe plastisch zeigt.

Euthanasie ist sehr komplex. Hoerster hat zwar viele gute Ideen und Lösungsansätze, klärt aber nicht alle Probleme, die sich aus diesem Thema ergeben. Deshalb finde ich, dass der Text der Komplexität der Sterbehilfe nicht ganz gerecht wird, obwohl Hoerster gute Ideen hat. Er klärt aber nicht alle Probleme und sein Text liefert wiederum neue ungeklärte Probleme.

Mein Standpunkt zur Euthanasie: Grundsätzlich bin ich für eine Sterbehilfe. Ich finde es unmenschlich, wenn man einem Patienten seinen Wunsch verweigert, ihm beim Sterben zu helfen. Meiner Meinung kann man aktive Sterbehilfe auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten nicht mit Tötung oder sogar Mord gleichstellen. Doch wer entscheidet, ob der Patient zurechnungsfähig ist? Hier kann man nicht allgemein gültige Bedingungen aufstellen, da jeder Fall anders ist. Die Familie und die behandelnden Ärzte müssen in jedem Fall neu entscheiden, ob der Sterbewunsch des Patienten wirklich ernst gemeint ist, oder ob sich der Kranke in einer Depression befindet oder nur vorübergehend lebensmüde ist. Da Hoerster nicht definiert, was ein schweres unheilbares Leiden ist, stimme ich nicht ganz mit seiner Meinung überein, da dieser Zustand zentral in seiner Forderung ist. Ich finde seine Vorstellung von Sterbehilfe zu utopisch. Hoerster geht davon aus, dass es den transzendentalen Zustand des Menschen gibt. Da er diesen aber weder definiert noch beweist, stimme ich auch hier nicht mit Hoerster überein. Die Konsequenzen, die ich aus der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ziehe, sind, dass immer noch eine grosse Grauzone besteht. Denn wer entscheidet, ab wann man dem Patienten nicht mehr zumuten kann, weiter leben zu müssen, oder wer bestimmt, ob sich der Patient im Moment seines Wunsches in einem aufgeklärten Zustand befindet? Trotz diesen für mich grossen Lücken, finde ich Hoersters Text dennoch gut, da er einen ersten Versuch wagt, aktive Sterbehilfe auf eine legale Ebene zu bringen. Ich teile Hoersters Meinung, dass die Autonomie des Einzelnen untergraben wird, wenn man seinen Wunsch zu sterben nicht respektiert, da ich finde, dass jeder Mensch alleine über sein Leben entscheiden darf.

  • Essay

Darf aktive Sterbehilfe legalisiert werden?

Sterbehilfe ist ein heikles und äußerst kontrovers diskutiertes Thema. Vor allem ist es schwer, objektiv und ohne Emotionen darüber zu diskutieren. Sterbehilfe von einem "neutralen" Standpunkt aus zu beurteilen, ist etwas ganz anderes, als wenn man selbst persönlich betroffen ist, sei es als schwer kranker Patient oder als Angehöriger eines solchen.

In den letzten paar Wochen berichteten die Medien sehr viel über den Fall „Terri Schiavo“. Sie liegt seit mehreren Jahren im Wachkoma. Ihr Mann verlangt nun, dass man die künstliche Ernährung einstellt, also auf lebenserhaltende Massnahmen verzichtet. Bei diesem Fall handelt es sich um passive Sterbehilfe. Diese ist sowohl in den USA wie auch in der Schweiz legal. Da Terri Schiavo sich aber nicht äussern kann, ob sie sterben will oder nicht, begann eine heftige Diskussion unter den Angehörigen, den Ärzten und den Politikern. Schlussendlich hat der Ehemann gewonnen und die künstliche Ernährung wurde eingestellt. Im Folgenden setze auch ich mit der Diskussion auseinander, wann eine Sterbehilfe gerechtfertig ist.

Begriffsdefinition und Rechtslage in der Schweiz

Der Begriff "Euthanasie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "sanfter" oder "schöner Tod". Der Begriff Euthanasie bezog sich auf die ethische Pflicht des Arztes, Kranken den Tod durch schmerzlindernde Medikamente zu erleichtern. Gemeinhin lässt sich Euthanasie in passive und aktive Sterbehilfe unterteilen. Passive Sterbehilfe bedeutet, lebenserhaltende Massnahmen oder Behandlungen aufgrund des Wunsches des Patienten zu unterlassen. Aktive Sterbehilfe wird mit „aktiven Tun“ gleichgesetzt. Konkret kann dies heissen, der Arzt verabreicht dem unheilbarkranken Patienten ein Mittel, welches ihm das Sterben ermöglicht. Da nicht in jedem Fall der Patient gefragt werden kann, ob er sterben will oder nicht unterscheidet man drei verschiedene Arten von Euthanasie. Verlangt der Patient ausdrücklich eine Sterbehilfe, spricht man von einer freiwilligen Euthanasie. Im Gegensatz dazu steht die unfreiwillige Euthanasie, die sich durchaus mit Tötung vergleichen lässt. Oftmals kann man aber den Patienten nicht fragen. Hier spricht man von der nicht freiwilligen Euthanasie. In der Schweiz ist die aktive Sterbehilfe im Gegensatz zur passiven Sterbehilfe verboten . Aktive Sterbehilfe ist nur in den Niederlanden erlaubt. Doch die Diskussion in der Bevölkerung wird immer heftiger, ob man aktive Sterbehilfe in speziellen Fällen nicht doch legalisieren soll.

Formulierung des Problems

Immer mehr Leute weisen darauf hin, dass unsere gesetzliche Regelung der Sterbehilfe ungenügend ist, da bis heute nur passive Sterbehilfe zugelassen ist. Sie verlangen die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. Die Diskussion hat begonnen, ob man nicht auch aktive Sterbehilfe zulassen soll. Verschiedene Philosophen haben bereits Lösungsvorschläge für eine gesetzliche Regelung entworfen . Doch sowohl die Gegner wie auch die Befürworter der Sterbehilfe sind von ihrem Standpunkt sehr überzeigt, was jede versöhnende Diskussion erschwert.

Die Argumente der Gegner

Egal ob man krank oder gesund ist, der Mensch hat immer Menschenwürde. Dieser Eigenwert besteht immer, egal wie würdig man sich fühlt. So begründen Gegner ihre Position. Ausserdem vertreten sie die Ansicht, dass die Willensfreiheit des unheilbar Kranken und schwer Leidenden eine Illusion ist. Durch eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe könnte die Anzahl des unfreiwilligen Sterbens massiv zunehmen. Die Ärzte könnten nach ihrem Gutdünken über Leben oder Tod entscheiden. Viele Gegner haben grosse Angst davor. Ihr Hauptargument ist meistens, dass der Mensch nicht „Gott spielen“ darf. Der Mensch darf nicht über Leben und Tod entscheiden.

Befürwortende Argumente

Das Hauptargument der Befürworter der Euthanasie ist die Selbstbestimmung des Patienten. In unserer Gesellschaft schätzt man die Autonomie jedes Individuums sehr. Doch wünscht ein Mensch seinen eigenen Tod, wehren sich viele Leute dagegen. Kein Arzt und kein Gesetz darf diese Freiheit des Einzelnen beschränken. Aktive Sterbehilfe muss keine Flucht vor dem Leid sein, sondern kann ein Ende eines bewusst gestalteten Abschieds vom Leben und von den Angehörigen sein. Jeder Mensch sollte das Recht auf solch einen Abschied bei klarem Verstand haben und nicht dahinsiechen müssen. So lange man den todkranken Patienten zwingt mit seinem grossen Leiden weiterzuleben, handelt man menschenunwürdig.

Fazit

In Fall Schiavo kann man sagen, dass es humaner gewesen wäre, man hätte Terri ein Gift verabreicht, mit dem sie im Schlaf sterben kann, als die künstliche Ernährung einzustellen, damit sie verhungert. Doch das wäre eine aktive Sterbehilfe gewesen, welche ja in den USA verboten ist. In diesem Fall hat nach meiner Meinung das Gesetz seinen Sinn nicht erreicht, dass jedem Individuum seine grösstmögliche Freiheit garantiert wird. Eigentlich bin ich für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. Ich finde aber, dass man keine allgemein gültigen Kriterien aufstellen kann, für eine Gesetzesvorlage, wie sie zum Beispiel Norbert Hoerster aufgestellt hat. Meiner Meinung muss man in jedem Fall neu entscheiden, es soll aber die Möglichkeit für eine aktive Sterbehilfe offen stehen. Es darf nicht sein, dass ein Arzt strafrechtlich verfolgt wird, wenn er einem Patienten hilft, sich von seinem Leiden zu befreien. Meiner Meinung nach nehmen die Todesfälle durch Euthanasie nach deren Legalisierung nicht zu. Im Gegenteil; ich denke, dass man durch die Legalisierung viel mehr Kontrolle hat. Denn obwohl heute aktive Sterbehilfe immer noch verboten ist, gibt es sie. Durch die Beihilfe zum Sterben finde ich wird dem Patienten nicht seine Menschenwürde genommen. Vielmehr finde ich, dass er durch seinen selbstbestimmten, bewussten Tod viel an Menschenwürde gewinnt. Ich denke auch, dass die Willensfreiheit des unheilbar Kranken nur eine Illusion ist. Er will aber in diesem Moment und in diesem Zustand nicht mehr weiterleben. Da sich an seinem Zustand mit grösster Wahrscheinlichkeit nichts ändern wird, ist seinen Todeswunsch nicht vorübergehend, sondern muss sehr ernst genommen werden.