Arnold Böcklin, «Die Ruine am Meer» - eine Bildbeschreiung


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Durchstossen des Menschens Pein

Die Natur, das verächtlich Mächtige

zerstört allen Menschens Schein

Oh Zypresse, sie beschwichtige.

Die strenge Formgebung gesprengt

Erlöset des Menschens stumme Qual

Zurückerobernd, ins Innere gezwängt

Mahnend des Himmels greller Strahl.

Nils Grehn, Mai 04

Sanfte Wogen spiegeln des Himmels grelle Streifen. Sie werden bis an Land getragen und setzen sich in der Folge auf dem erodierten Gestein fort. Ginster wächst am Fusse der verfallenen Macht. Rund der Bogen ins Verlassene. Gesteinsbrocken versperren dem Letzen den Weg ins Freie. Folterhaken in den Wänden.

Ein beschwerlicher Weg bis auf den Vorsprung; den Vögeln nach, dem grauen Horizont entgegen. Spinnweben in den Rändern. Unvergesslich der träumende Blick des edlen Fräuleins, festgefressen im Mörtel. Hinunter, Vorsicht Stufe. Geröll. Allerlei Koniferen, harziger Geruch. Was war das? Ein Ächzen. Vorbei an der Scharte, den Vögeln entgegen. Kniehohes Gras wächst zwischen Eisen und Stein. Möwen! Überall Möwen.

Ein Karnickel auf der Suche nach Nahrung. Ein steiler Abgrund. Steine, die sich lösen und in den tosenden Wogen versinken. Licht dringt durch den Fensterbogen. Eine Treppe. Schon wieder dieses Licht. Es lässt erblinden.

Gräser im Winde. Die Klauenhand. Zypressen lassen alles Andere so klein wirken. Sie haben sich ihren Weg erklommen. Immer schon wurden sie zurückgehalten, verachtet. Sie greifen ins Innere. Sie nehmen bedrohliche Ausmasse ein, alles Andere haben sie bereits überflügelt. Das Wurzelwerk unterhöhlt die Konzentration von Macht, von vergangener Macht Sie hat sich selbst zu Grunde gerichtet. Ist das ein Lichtschimmer im Bogen? Es prallen Gewalten aufeinander. Fügung, Eingeständnis, der Natur nach. Götterzürnen. In Angesicht der trotzenden Macht. Ein letzter Hauch; walle walle, dass zum Zwecke Wasser fliesse.