Wie kann man Tierversuche rechtfertigen?

Diese Frage ist zur Zeit in den Medien sehr aktuell (Artikel). Die Tierschützer beantworten diese Frage mit einem klaren Nein, die Ärzte hingegen befürworten das Durchführen von Tierversuchen. Ich persönlich kann mich keiner Gruppe zuordnen, da ich dieser Frage noch nie differenziert nachgegangen bin. Ausserdem stellen sich bei der Beantwortung der oben gestellten Frage wiederum Fragen:

  • Sind Handlungen gegenüber Tieren rechtfertigungsbedürftig?
  • Sind Tierversuche ethisch korrekt?
  • Wie viel Gesundheit können wir auf ethisch zulässige Weise erzeugen?
  • Wie viel Gesundheit können wir maximal erzeugen?
  • Darf der Mensch Tiere für seine Interessen nutzen?
  • Hat das Tier weniger Wert wie der Mensch?
  • Sind Empfindungen wie Schmerz bei Tieren die gleichen wie bei Menschen?
  • Wo liegt der moralisch entscheidende Unterschied zwischen Mensch und Tier?
  • Wären diese Versuche auch dann zu rechtfertigen, wenn sie nicht an Tieren, sondern an Menschen durchgeführt würden?
  • Ist der Nutzen eines Tierversuches für den Menschen so gross, dass die Leiden der Tiere nichtig sind?
  • Ist es legitim, über die blosse Ernährung hinaus, Tiere für einen bestimmten Zweck zu missbrauchen?

Im Weiteren werde ich versuchen, auf die aufgelisteten Fragen einzugehen. Dazu ziehe ich folgende Texte als Hilfe hinzu:

1. Text: Gerhard Zbinden: Warum Tierversuche vertretbar sind

2. Text: Albert Schweitzer: Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben

Vorverständnis / Vorwissen

Im sechsten Abschnitt des Tierschutzgesetzes ist begründet, wann und unter welchen Umständen ein Tierversuch gerechtfertigt ist. Es ist zum Beispiel festgehalten, dass Tierversuche, welche dem Tier Schmerzen zufügen, auf das unerlässliche Mass zu beschränken sind. Doch wo liegt dabei die Grenze?

Alle Institutionen müssen die Tierversuche anmelden und eine Bewilligung beantragen. Ausserdem sind sie verpflichtet, bei der Durchführung von Tierversuchen die Vorschriften zu befolgen.

Eine eidgenössische Komission beurteilt, ob ein Tierversuch von Nutzen ist oder nicht. Sobald ein Tierversuch nicht einen Zweck verfolgt, ist er laut dem Gesetz verwerflich. Das Gesetzt stützt sich demnach auf den Utilitarismus.

Utilitarismus

Als Utilitarismus bezeichnet man das Nützlichkeitsstreben (lat. utilitas = Nützlichkeit). Unter Nutzen verstehen die meisten Vertreter des Utilitarismus das, was das Vergnügen oder die Glückseligkeit der Menschen fördert. Der Utilitarismus läst sich als Verbindung zweier Prinzipien verstehen. Insofern es ihm um das Vergnügen oder die Glückseligkeit der Menschen geht, greift er das hedonistische bzw. eudämonistische Prinzip auf. Was ihn vom Hedonismus bzw. Eudämonismus unterscheidet, ist das Sozialprinzip, demzufolge er nicht bloss den Handelnden selbst, sondern alle von der Handlung Betroffenen in den Blick nimmt.

Gerhard Zbinden

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GERHARD ZBINDEN wurde 1975 zum Direktor des Toxikologischen Institutes der Eidgenössischen Technischen Hochschule und der Universität Zürich berufen. 1974 wurde die Abteilung für Neuropathologie gegründet, die von 1974 – 1978 durch REINHARD FRIEDE, als Extraordinarius, ab 1978 als Ordinarius geleitet wurde. 1981 wurde REINHARD FRIEDE nach Göttingen berufen. Seine Nachfolge übernahm PAUL KLEIHUES 1983, als Ordinarius für Neuropathologie.

Albert Schweitzer

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Albert Schweizer ist 1875 im Elsass geboren.Sein Lebensweg ist so einzigartig, dass er sich kaum mit dem eines anderen Menschen unserer Zeit vergleichen lässt.Als Kind erhielt Schweitzer eine sorgfältige musikalische Ausbildung, die die Grundlage für sein späteres hervorragendes Orgelspiel und für seine Kenntnisse im Orgelbau bildeten. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Deutschland und Frankreich wirkte er zunächst ab 1902 als Privatdozent für Theologie an der Universität Straßburg. Ab 1905 studierte er Medizin, um in Afrika zu arbeiten. 1913 machte er sein ärztliches Staatsexamen und ging im selben Jahr als Missionsarzt in das damalige französische Äquatorial-Afrika und gründete im kleinen Urwaldort Lambaréné am Ogowofluss eine Leprastation1917 wurde er infolge des ersten Weltkrieges als Deutscher von den Franzosen interniert und konnte erst 1924 nach Lambaréné zurückkehren, wo er 1927 ein neues, großes Missionshospital auf eigenem Grund in Betrieb nehmen konnte. Hier wirke er bis zu seinem Tode im Jahre 1965.Schweitzer war ein radikaler Denker im humanistischen Sinne. Mittelpunkt seines Lebens und Wirkens ist die Ehrfurcht vor dem Leben aber auch das Recht zum Leben - zu jedem Leben: "Es gibt keinen Unterschied zwischen wertvollen und weniger wertvollen Leben", sagte er einmal. Und so wie er sich in Lambaréné um das körperliche und seelische Wohl der schwarzen Einwohner mühte, kämpfte er sein Leben lang darum, dass der Mensch seinen Geist nicht zur Vernichtung von Leben benutzt, sondern im Sinne einer praktischen Ethik zu vernünftigen Zwecken. Seine Philosophie lehnt sich stark an die Grundthesen Arthur Schopenhauers (1788-1860) und die Friedrich W. Nietzsches (1844-1900) an, ist aber auch von stoischem Gedankengut geprägt.

-- ChantaleWilhelm - 02 Apr 2005