TextAnalyse

Was ist das Böse?

Der Wille als Ursprung des Bösen (Arthur Schopenhauer)

Die Motivation dieses Thema zu wählen, liegt in den alltäglichen Fragen:

Was treibt den Menschen dazu, Böses zu tun?

Warum können wir nicht in Frieden zusammenleben, ohne einander zu zerstören?

Die Konfrontation mit diesem Thema beginnt schon morgens, wenn man den Radio einschaltet und Nachrichten hört. Manchmal wird diese unbeantwortete Frage unerträglich und man sucht nach einer Begründung. Doch gibt es eine wahre Begründung? Oder ist die Suche danach unergründlich?

Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer (1788-1860) war Begründer des metaphysischen Pessimismus, welchen er in "Die Welt als Wille und Vorstellung" erläutert. Denkanstösse geben ihm Platon und Kant. Sein Grundsatz ist, dass für den erkennenden Menschen die ihn umgebende Welt nur als Vorstellung gegeben ist, d.h. dass der Mensch sich alles selbst vorstellt. "Die Welt ist meine Vorstellung" (Arthur Schopenhauer) Die genannten Vorstellungen bilden die äussere Seite der Welt. Das innere Wesen der Welt offenbart sich in der Selbstoffenbarung des Subjektes (Welt ist zerfallen in Objekte und Subjekte, Objekt durch Subjekte bedingt). Die Erfahrung unseres Leibes ist einerseits die Erfahrung als Objekt (Vorstellung) und andererseits als Wille. Die körperlichen Äusserungen sind objektivierte Willensakte, dies gilt bei allen Erscheinungen. Man kann sie als Objektivationen des Willens, welcher der Grund der Welt ist, ansehen.

Die Welt als Wille und Vorstellung - eine Erläuterung:

Wille (Ding an sich) >> Objektivierung >> Ideen (Vorbild der Einzeldinge) >> Individuationsprinzip >> Vorstellungen

Wann nennen wir einen Menschen böse?

Ein Mensch, welcher Unrecht tut, sobald ihn keine äussere Macht davon abhält und wenn Veranlassung dazu da ist. Diese äussere Macht könnte man als Umwelt verstehen.

Was ist Unrecht?

Jeder Mensch trägt in sich den Willen zum Leben. Tut er Unrecht, geht er über die Grenzen dieses lebensbejahenden Willens hinaus und verweigert anderen Individuen ihren eigenen Willen. Dabei verlangt er, dass sie ihre Kräfte zu seinem Nutzen, im Sinne seines Willens einsetzen. Falls sie seinem Willen entgegenhalten, versucht er ihr Leben zu vernichten. Man kann einen unrechten Menschen auch als Egoisten bezeichen.

In diesem Essay zeigt Schopenhauer zwei Grundelemente des bösen Charakters auf.

  • Der Mensch sucht seine Zufridenheit, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen, denn er kennt sie/ihr Wesen nicht.
  • Im Menschen herrscht ein grosser Wille, welcher lebensbejahend ist, d.h. nicht nur zu seinem eigenen Leben, sondern zum Leben allgemein.

Doch das Böse im Menschen ist nicht nur durch seinen Egoismus zu erklären, falls man davon ausgeht, dass das Böse nicht nur zur Verwirklichung des eigenen Willens dient, sondern auch Freude am Leiden der anderen Individuen erzeugt. Das fremde Leiden als Zweck ist deshalb auch abzugrenzen vom Zweck des eigenen Willens.

Wie definiert sich das Böse nun aus dieser Ansicht?

Um diese Frage verständlich zu erläutern, muss zuerst die Ansicht Schopenhauers über den Grund der Welt erläutern. Schopenhauer geht davon aus, dass der blinde Wille der Grund des Menschen und der Welt ist. Dieser kann sich, ohne Zweck und Sinn, von der blossen Materie bis hin zum menschlichen Erkenntnisvermögen entfalten. Die Vernunft ist nach Schopenhauer in der Begründung der Welt vollständig zu vernachlässigen. Der Mensch ista slo eine Erscheinung des Willens. Er misst die wirkliche Befriedigung seines Willens gegen die Mögliche ab. Die mögliche Befridigung wird ihm von seiner Erkenntnis aufgezeigt, was ihn zu Neid veranlasst. Die Entbehrung dieser möglichen Befridigung wird gesteigert, falls Fremde sie erhalten, aber auch verringert, wenn man erkennt, dass auch andere sie entbehren müssen. Die Erinnerung an schlimmere Leiden anderer, lindert die eigene Entbehrung. Nun kann es aber zu einem starken Willensdrang kommen, welcher den innneren Egoismus stillen möchte. Der Mensch wird gierig und möchte alles Begehrte erhalten. Dabei erkennt er, dass die Befriedigung nur scheinbar ist und dass was man hat, nie dem Begehrten entspricht. Das Begehrte wäre hier die Stillung des oben genannten Willensdranges. Das Begehrte/ der Wunsch ändert immer seine Gestalt und wird quälend. Der Willensdrang bleibt ohne Motiv, lässt den Menschen eine ewige Unruhe und innere Qual spüren und der Schmerz wächst, bis er unheilbar ist. NUn ist der Willensdrang zur Bosheit geworden, denn der Mensch sucht nun die Linderung seiner Qualen, seines Schmerzens in den Leiden andrer. Er erkennt den Anblick fremden Leidnes als die Macht, sich zu heilen. Das fremde Leiden hat nun einen Zweck und die Erscheinung der Grausamkeit bekommt ein Gesicht, welches in der Geschichte schon oft zum Vorschein kam.

Jeder Wunsch kommt aus einem Mangel, Leiden. Ist er erfüllt, folgt kein positives Gut, sondern nur ein Schmerz, welcher gelindert wurde. Die Wünsche sind nunmehr in Wahrheit negatver Natur und höchstens das Ende eines einzigen Leidens. Auch Taten, welche auf Anhieb gut erscheinen, werden nur zur Linderung des Leidens und durch die Erkenntnis des fremden Leidens vollbracht. Die Liebe ist demnach Mitleid.

-- CorinaG - 10 Mar 2005