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Rahel Meile // François Diday

Chemin du Grimsel à la Handeck

14 Jan 2005 - 00:25 | Version 3 |

François Diday (Genf 1802-1877) Chemin du Grimsel à la Handeck 1873 Öl auf Leinwand Depositum Musée d’art et d’histoire de la ville de Genève 2003

Bevor ich mich auf die Arbeit stürzte, habe ich mich gefragt, wie wirkt das Bild? Welche Ideen, Gefühle löst es bei mir aus? So habe ich mich einmal in aller Ruhe hingesetzt und meine ersten Gedanken zu Papier gebracht.

Das Bild wirkt auf mich einerseits beängstigend, andererseits aber auch friedlich und freundlich. Die dunkelgrauen, dichten Wolken erzeugen eine seltsame Stimmung. Sie nehmen dem Sonnenlicht den Platz weg und breiten sich drohend aus; so als ob sie wütend wären. Um dies zu verstärken ist am linken Bildrand ein Gewitter dargestellt. Dies löst bei mir ein Gefühl von Bedrohung aus, jedoch hebt sich diese Stimmung mit der rechten Hälfte des Bildes wieder auf. Das kleine Loch am Himmel, wo die Sonne mit all ihrer Energie hindurch scheinen kann, stellt für mich eine Quelle der Kraft und Entspannung dar. Das kommt wahrscheinlich daher, dass mir der Spruch: „Die Stille ernährt, der Lärm verbraucht“ in den Sinn gekommen ist. Der Lärm wird für mich durch das aufziehende Gewitter symbolisiert, welches alles beherrschen möchte. Mit der Stille bringe ich die Sonne in Verbindung, da sie eine beruhigende Wirkung hat.

Eine zweite, aber ebenso wichtige Frage war für mich: „Was sehe ich auf meinem Bild, was für eine Geschichte erzählt es mir?“ Die Szene spielt sich in den Bergen ab. Die Berge sind kalt und grau, nur blanke Felsen, auf denen praktisch nichts mehr gedeihen kann. Am linken Bildrand zieht langsam ein Gewitter auf. Ein klarer Bergbach bahnt sich seinen Weg durch die Landschaft. Sein Flussbett ist von den schnell wechselnden Witterungen in den Bergen gezeichnet. Der Weg des Wassers führt über viele grosse Steine und Felsbrocken. Eine kleine, aus Holz angefertigte Brücke ermöglicht eine Überquerung des tosenden Baches. Sie wird zum Teil von dunkelgrünen Tannen verdeckt. Das Gewitter hat erst einen Drittel des Bildes in seine bedrohlichen, schweren Wolken eingehüllt. Im linken oberen Bildrand hängen die Wolken in die Tiefe. Sie sehen so aus, als ob sie jeden Moment dem Druck des Regens nicht mehr standhalten würden, und seinem Gewicht nachgeben müssten. Die Berggipfel sind schon in diesem grauen Käfig gefangen, und in der Ferne sind nur noch ihre Umrisse zu sehen. Das Gewitter droht auch noch den Rest des Bildes in seinen Bann zu ziehen. Jedoch versuchen die Sonnenstrahlen im oberen rechten Bildrand dem zu entkommen, in dem sie einen Weg suchen, die Wolken zu vertreiben. Die Wiesen sind grün, beinhalten jedoch einige hellbraune Flecken.

Kurz vor der Brücke wandern zwei Männer mit ihrem ganzen Hab und Gut über das Strässchen. Begleitet werden sie von einem hellbraunen Pferd und einem kleinen, gefleckten Hündchen. Eine zentrale Frage war für mich, weshalb wählen die Männer dieses Abenteuer? Wieso scheinen sie so entschlossen? Bei genauerer Betrachtung bemerkt man, dass sie sich um nichts in der Welt von ihrem Vorhaben abbringen lassen, was durch ihre aufrechte Haltung zur Geltung gebracht wird. Sie neigen den Kopf dem Boden zu, so als ob sie sagen: „Egal, ob es stürmt, schneit oder die Sonne scheint, wir werden unser Ziel erreichen!“

Wenn sie aber die Holzbrücke überquert haben, müssen sie sich für einen der drei weiterführenden Wege entscheiden. Welchen werden sie nehmen? Denjenigen, der sich der Sonne entgegen schlängelt, oder die Wege, welche sie ins Gewitter führen? Egal, welchen Pfad sie schlussendlich nehmen, er wird sie mit allen Hindernissen an sein eigenes Ziel führen!

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