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Franzisca Merkofer // Franz Gertsch // Kranenburg

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Hallo, Sie! Ja, genau Sie, Sie meine ich! Sie da vor diesem Bild. Schauen Sie her, beachten Sie doch auch mich! Warum stehen Sie denn gerade vor diesem Bild und betrachten es? Ist es die Vertrautheit und die Verbundenheit, die Sie mit diesen Menschen fühlen? Sind es nicht Menschen wie Sie und ich in einer alltäglichen Situation? Man könnte meinen, sie machen sich gemeinsam auf einen Weg. Ziel: Unbekannt! Doch gehen die Personen wirklich oder stehen sie still? Könnte man sie nicht auch beim Zeitungslesen Spielen erwischt haben? Sie wissen schon: „Ziiitigläse-Stopp!“ - klick, ein „Fotoschnappschuss“ entsteht! - Man muss wie auf Kommando zu einer Salzsäule erstarren und möglichst keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Die Atmung und die Körperhaltung total unter Kontrolle. Irgendwie unnatürlich! Scheint diese Unnatürlichkeit nicht auch ein wenig auf das Bild abzufärben? Alles scheint so real, so vertraut, so echt und doch nicht! Macht Sie diese Realität, die echter ist als die Realität, nicht stutzig? Wie kann es sein, dass Sie die Dinge im Hintergrund noch genau so scharf sehen können wie die Dinge im Vordergrund?! Das ist doch nicht möglich, denken Sie sich und schauen noch einmal genau hin! Ja, das Schild, das die Parkmöglichkeiten anzeigt, erkennen Sie noch in voller Schärfe. Ihre Blicke wandern weiter über dieses Bild und nun fallen Ihnen sicher noch andere kleine Schönheitsfehler auf. Die Schatten als Beispiel! Erscheinen Sie Ihnen nicht doch ein wenig künstlich, man könnte sogar sagen, frei erfunden aufgemalt? Sie versuchen Ihre Vorstellungskraft anzuregen und Vergleiche zu ziehen, wie Ihr Schatten und der ihrer Mitmenschen in den Sommertagen auf dem heissen Asphalt aussehen, und plötzlich werden in Ihnen Erinnerungen wach, die Sie an die Schattenspiele erinnern, die Sie doch so gerne in Ihrer Kindheit spielten. Haben Sie da nicht ein wenig Mitleid mit den Personen auf dem Bild. Sie scheinen in Bewegung zu sein und doch stehen sie still und unbewegt da! Ist es nicht so? Sind die Menschen nicht nur eine Momentaufnahme, die von Franz Gertsch, dem Künstler, eingefangen wurde? Aus einem Foto entstand also ein beeindruckendes und überlebensgrosses Bild, das unsere Phantasie anregt und uns zum Nachdenken bewegt. Aus der Realität entstand ein Foto und aus Foto entstand Fotorealismus. Lustig, nicht?! Howard Kanovitz würde an dieser Stelle wohl sagen:“ Alles ist, wie es ist, und doch ist es anders, als es scheint!“ Doch was bleibt, ist der Moment! Der Moment, eingefangen von Franz Gertsch!