VORNAME NAME (Geburtsjahr-Todesjahr): Gedichttitel (Entstehungsjahr)

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Gedichttext hinauf

Joseph von Eichendorff
Abschied

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt'ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft'ge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben
Ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Tun und Lieben,
Und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte, schlicht und wahr,
Und durch mein ganzes Wesen
Wards unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde gehn,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
Wird deines Ernsts Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt.

Quelle:
http://www.gedichte.com/showthread.php?threadid=24302

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Joseph von, Eichendorff
Titel: Abschied
Thema: Aufbruch in die Ferne
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1810
Zeilen: z.B. 14
Link: hier
Rezensent/in: Fabienne Gretener
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Angaben zu Autor/in und Entstehung
Interpretation:

Eichendorff, im Jahre 1788 auf dem Schloss Lubowitz bei Ratibor geboren und 1857 in Neisse verstorben, gilt als herausragender Vertreter der deutschen Romantik. Das Gedicht „Abschied“ entstand zur Zeit der Romantik und weist Epochenmerkmale wie das Motiv des Zusammenspiels der Natur und den Gefühlen und das Wandermotiv auf. Dieses vierstrophige Gedicht schrieb Eichendorff im Oktober 1810, als er von Lubowitz nach Wien zog. Er machte sich damals, nach einem Aufenthalt in seiner Heimat, auf in die Ferne, um sein Studium zu beenden. Das lyrische Ich ist also identisch mit dem Autor.
Der Inhalt des Gedichts handelt von der offenen, weiten Natur, womit das Gefühl der Freiheit verbunden ist. Das redende, reflektierende lyrische ich macht sich auf den Weg in die industrialisierte/verstädterte Welt. Als Folge des Aufbruchs in die Ferne hat es sich von der idyllischen Natur (lyrisches Du) zu verabschieden, was ihm schwer fällt. Am Schluss vermag das lyrische Du, die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der Natur zumindest einwenig erträglicher zu machen und wird als Retter der Welt dargestellt.
Bereits in den Zeilen fünf und sechs wird die bedrohliche („stets betrogen“ Z. 5) Geschäftswelt („geschäft’ge Welt“ Z. 6) kurz angedeutet, zu der sich das lyrische Ich auf den Weg macht und bietet so die Einführung in die Problematik des Textes. Es folgt der Abschied von der Natur („schlag noch einmal“ Z. 7); Es scheint als wolle das lyrische Ich sich noch stärker an die Natur klammern („schlang; Bogen“ Z. 7/8). Die zweite Strophe schildert noch einmal einen sorglosen idyllischen Morgen in der Natur. Diesmal spricht ein Aussenstehender Sprecher dem lyrischen Ich Trost zu. Diese Strophe beinhaltet eine Verkündigung an das lyrische Ich, dass die trübe Welt überwunden werden kann („vergehen/verwehen“ Z. 13). Die Hauptaussage der dritten Strophe ist, dass die Natur („im Walde“ Z. 17) dem Menschen („des Menschen“, Z. 20) eine Nachricht („ein stilles, ernstes Wort“, Z. 18) vermitteln kann. Dass das lyrische Ich diese Botschaft begriffen hat, zeigen die letzen Verse der Strophe drei. Mit der Erinnerung an die Herkunft ist schliesslich auch das Überleben in der Fremde gewährleistet (Z. 32) und macht den Abschied schliesslich in Strophe vier doch noch erträglich.
Das Gedicht ist einfach zu lesen. Es besteht aus vier Strophen zu acht Versen, die in Kreuzreimen geschrieben sind. Beim Metrum handelt es sich um einen dreifüssigen Jambus, der abwechselnd auf betont oder unbetont endet.
Verfasser/in Fabienne Gretener
max. 2501 Zeichen inkl. Leerzeichen

Verfasser/in hinauf

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Quellen & Links hinauf

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