ANDREAS GRYPHIUS(1616-1664): Ebenbild unseres Lebens (1630)

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Gedichttext hinauf

Andreas Gryphius
Ebenbild unseres Lebens

Der Mensch, das Spiel der Zeit, spielt, weil er allhie lebt
im Schauplatz dieser Welt; er sitzt, und doch nicht feste.
Der steigt, und jener fällt, der suchet die Paläste
und der ein schlechtes Dach; der herrscht, und jener webt.

Was gestern war, ist hin; was itzt das Glück erhebt,
wird morgen untergehn; die vorhin grüne Äste
sind nunmehr dürr und tot; wir Armen sind nur Gäste,
ob den' ein scharfes Schwert an zarter Seide schwebt.

Wir sind zwar gleich am Fleisch, doch nicht vom gleichem Stande:
Der trägt ein Purpurkleid, und jener gräbt im Sande,
bis nach entraubtem Schmuck der Tod uns gleiche macht.

Spielt denn dies ernste Spiel, weil es die Zeit noch leidet,
und lernt, dass wenn man vom Bankett des Lebens scheidet,
Kron, Weisheit, Stärk und Gut sei eine leere Pracht!

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Gryphius, Andreas
Titel: Ebenbild unseres Lebens
Thema: Vergänglichkeit
Erscheinungsjahr: 1637
Zeilen: 14
Link: hier
Rezensent/in: Julie Moreau
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Andreas Gryphius war der wohl bedeutendste Lyriker und Dramatiker des Barocks. Er wurde am 2.Oktober 1616 in Glogau geboren und starb am selben Ort am 16.Juli 1664. Andreas Gryphius thematisierte in seinen Tragödien und Gedichten das Leid und den moralischen Verfall während der Zeit der Kriege (Dreissigjähriger Krieg) sowie die Unruhe, Einsamkeit und Zerrissenheit der Menschen. Daneben findet sich in seinen Werken der wiederholte Hinweis auf Eitelkeit und Vergänglichkeit allen menschlichen Schaffens und Strebens. Mit seinem Gedicht „Ebenbild unseres Lebens“ gestaltet Andreas Gryphius ein typisches Thema der Barocklyrik. Verschiedene Gedanken umkreisen die Problematik der Vergänglichkeit allen irdischen Daseins und richten den Blick des Lesers auf die Unausweichlichkeit des Todes. In Form eines Sonetts, bestehend aus zwei Quartetten und zwei Terzetten, und im Versmaß eines sechshebigen Jambus entfaltet das lyrische Ich in zahlreichen Bildern den für barockes Lebensgefühl typischen Gegensatz von Sein und Schein, von Glück und Vergänglichkeit. Er mündet ein in die Aufforderung nach Lebensgenuss einerseits und in die am Jenseits orientierte Mahnung, sich stets der eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein. Das Gedicht entwickelt diese Gedanken mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten in seinen vier Strophen, die nach dem für das Sonett typische Reimschema , nämlich der Paar- und umarmende Reim, aufgebaut sind (abba – abba – cce – ddc). Der stets verwendete Alexandrinervers gibt dem Gedicht etwas Nachdrückliches und Hinweisendes. Dieses Gedicht richtet sich vor allem an die Adeligen, um sich ihres Verhaltens und ihres Lebens bewusst zu machen. In seinem Gedicht "Ebenbild unseres Lebens" beschreibt Andreas Gryphius die Unterschiede des Menschen und wie diese damit umgehen. Zuerst stellt Andreas Gryphius die Position des Menschen in der Welt und im Leben dar, wobei auch der Gegensatz zwischen Reich und Arm, die jeweiligen Wohngelegenheiten und die verschiedene Auffassungen vom Leben genannt werden. Folglich wird stark auf die Vergänglichkeit jedes Lebewesens und anderer Dinge eingegangen. Am Ende zeigt er nochmals den Unterschied von arm und reich, wobei auch gesagt wird, dass nach dem Tode alle gleich sind. Schlussendlich wird ein Ratschlag und eine Aufforderung ausgesprochen, wobei wieder auf die Vergänglichkeit des Lebens und andere Dinge, wie Weisheit hingewiesen wird.

Schlagworte

Bühnen Dasein
Gesellschaftsordnung
Umkehrung Mensch und Zeit

Verfasser/in hinauf

Julie Moreau , Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

-- JulieMoreau - 8 Juni 2007