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VORNAME NAME (Geburtsjahr-Todesjahr): Gedichttitel (Entstehungsjahr)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Unbekannt Grausige Moritat von Kurt, dem mörderischen Kellner

Ich bin so brav, fast wie ein Schaf,

Doch in der Nacht nehmt euch in Acht,

Da wird aus mir ein böses Tier.

Bin ein Beißer, Gurgelreißer,

Bin ein Ritzer, Bauchaufschlitzer.

Vergesst es nie: Ich bin ein Vieh!

Meine Schuhe gut geputzt,

Hose frisch gebügelt,

Auch mein Bart ist fein gestutzt

Und das Haar gestriegelt.

Stets zu Diensten bin ich,

Dienstbar und devot,

Freundlich, flink und willig,

Bringe ich das Brot.

Ist die Suppe wem zu kalt,

Muss ich es ertragen,

Ist das Brot zu alt,

Darf man mich anklagen.

Hör es speien, hör es schreien,

All das fressende Gelichter,

Und ich muss mein Ohr ihm leihen,

Doch ich merk' mir die Gesichter.

Wartet nur, ihr Bande,

Kommt ins Sündenbuch!

Wenn die Nacht schleicht in die Lande,

Dann trifft euch der Fluch.

Tags bei Speck und Brot gesessen,

Steak und Bier und Ei-Salat,

Und sich dick und satt gefressen.

Wartet! Denn die Rache naht!

Unser Doktor von Tisch Vier,

Stammgast jeden Abend,

Der gab heut' kein Trinkgeld mir,

War wohl zu erhaben.

Doch die Rechnung, die kriegst du,

Nun serviert, mein Lieber!

Wenn du schläfst, in stiller Ruh',

Brech' ich dir die Glieder.

Damenrunde erster Tisch,

Machte dumme Scherze,

Angetrunken man verglich,

Mich mit einer Kerze.

Aber noch in dieser Nacht,

Naht sich das Verderben,

Bald hab ich euch kalt gemacht,

Alle müsst ihr sterben!

Und der stille Fresser,

Heute vom Tisch Drei,

Nannte sich Professor,

Sah mich als Lakai.

Doch in finstrer Nacht,

Wird mein Messer blitzen,

Kaum ist er erwacht,

Werd' ich ihn aufschlitzen.

Und dem Herrn am zweiten Tisch,

Ward die Suppe kalt,

Ha, du Wurm, nun höre mich!

Du wirst nicht mehr alt!

In den Schlund gieß ich dir Blei,

Heiß und voller Feuer,

Gellend hallt er dann, dein Schrei,

Denn der Schmerz ist ungeheuer.

So treib ich in jeder Nacht,

Morden und Entsetzen.

Frevler werden umgebracht,

Da fliegen die Fetzen.

Mord und Totschlag gönn' ich mir,

Ohne zuviel Reue,

Stirbt der Gast dann, wie ein Tier,

den Tod der Tausend Schreie.

Ach, wie heftig werd' ich strafen,

Alle, die mich tags geplagt,

Dann kann ich beruhigt schlafen,

Nach der wilden Menschenjagd.

Kellner Kurt, mit viel Behagen,

Wälzt sich rum, in seinem Bett.

Erschlägt im Traume weit're Plagen

Und ist am Morgen wieder nett.

Quelle:
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Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Anonym
Titel: Grausige Moritat von Kurt, dem mörderischen Kellnerl
Thema: Mord
Gedichtform: Gedicht
Erscheinungsjahr: unbekannt
Zeilen: 78
Link: hier
Rezensent/in: LisaEigenmann
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Eiskalter Mord verpackt in einem Gedicht

Unbekannt Grausige Moritat von Kurt, dem mörderischen Kellner

Das Gedicht stammt von einem anonymen Zeitgenossen. Über den Autor lässt sich nichts herausfinden, aber das Erscheinungsdatum des Gedichtes ist um 2000 herum zu platzieren. Der moderne Schreibstil weisst eindeutig darauf hin.

Die Atmosphäre, die die Ballade verbreitet, ist düster und bedrohlich, aber auch sarkastisch. Das sehr explizite lyrische Ich, Kurt, der Kellner, führt ein ganz normales Alltagsleben, verbringt seine Nächte aber als gnadenloser Serienkiller. Dies jedoch in einer Weise, dass der Leser seine Gedanken aufs Genauste nachvollziehen und in seinem eigenen Leben wieder finden kann.

Die Ballade ist eher lang und weißt eine klare äussere Gliederung auf. Der Refrain besteht aus einem Paarreim, der Rest des Werkes ist in Kreuzreimen geschrieben. Ein Jambus ist durchgehendes Metrum. Diese Geordnetheit spiegelt das Kurts Alltagsleben, und in gewisser Weise auch sein mörderisches Nachtleben, wieder. „Ich bin so brav, fast wie ein Schaf“, heisst es etwa in Zeile eins. Und in den folgenden Zeilen: „Doch in der Nacht nehmt euch in Acht, da wird aus mir ein böses Tier“ Abweichungen von diesem Schema gibt es keine, genau so wie es in Kurts Leben keine Abweichungen gibt. Am Tag ist er ein Durchschnittsbürger, in der Nacht ein Mörder.

Die Form des Gedichtes, ohne Abschnitte, ohne Abweichungen wirkt beinahe unmenschlich und unnatürlich. Genau so wird auch die Hauptperson dargestellt. Im fehlt jede Art von menschlichem Mitgefühl und er geniesst die Monotonie seiner Morde.

Doch trotz seiner Kälte und Brutalität spiegelt sich im Gedicht etwas wieder, was jeder Leser kennt: Das Gefühl, aus seinem ganz gewöhnlichen Alltagsleben ausbrechen, und sämtliche Mitmenschen für einmal ruhig stellen zu wollen.

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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