-- SharonBerger - 11 May 2007

Berthold Brecht (1898-1956): Der abgerissen Strick (1934)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Berthold Brecht

Der abgerissen Strick
Der abgerissene Strick
kann wieder geknotet werden
er hält wieder, aber
er ist zerrissen.

Vielleicht begegnen
wir uns wieder,
aber da,
wo du mich verlassen hast
triffst du mich
nicht wieder.

Quelle:
hier klicken

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Brecht Bertolt
Titel: Der abgerissen Strick
Thema: Trennung
Erscheinungsjahr: 1934
Zeilen: 10
Link: hier
Rezensent/in: Sharon Berger
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht ist im Jahr 1934 erschienen. Brecht lebte zu dieser Zeit im Exil. Es ist somit der Exilliteratur zuzuordnen. Es thematisiert das Ende einer Beziehung zwischen dem Lyrischen Ich und dessen Partner.

Das Gedicht „Der Abgerissen Strick“ besteht aus zwei Strophen. Die erste besteht aus vier, die zweite aus sechs Versen. Auffällig ist, dass dieses Gedicht sich nicht reimt. Es hat viele Enjambements, jeder Vers muss somit im Kontext betrachtet werden. Diese Zeilensprünge passen jedoch sehr gut zum Inhalt des Gedichts, denn sie verbildlichen sozusagen den abgerissenen Strick. Sie stellen die Punkte dar, an denen der Strick zusammengeknotet wurde. Was zeigt, dass auch wenn der Strick wieder intakt ist, bleiben doch Spuren, die man nicht verdrängen kann. Brecht hält sich nicht an vorgegebene Muster, dies macht jedoch auch den Reiz des Gedichtes aus. Das Wort „wieder“ wird drei Mal wiederholt.

Das Gedicht thematisiert das Ende einer Beziehung. Der Strick steht für das Band, welches das Lyrische ich mit einer anderen Person verbindet. Dieser ist jedoch zerrissen, die zwei gehen nun getrennte Wege. Es besteht jedoch die Möglichkeit, diesen Strick wieder zu knoten, das heisst die Verbindung dieser Personen wieder neu zu entfachen, doch diese wäre nicht mehr so stark wie vor dem Bruch. Es wäre für beide immer spürbar, dass es diesen Punkt in ihrer Beziehung gegeben hat. Die zweite Strophe macht deutlich, dass das Lyrische Ich sich seit dem Ende der Beziehung weiterentwickelt hat. Dies zeigt sich insbesondere in den Versen 8-10. „Aber da, wo du mich verlassen hast triffst du mich nicht wieder“. Die zwei Strophen sind sehr gegensätzlich. In der ersten besteht noch die Hoffnung die Beziehung zu retten, doch dies ändert sich in der zweiten Strophe. Das Lyrische Ich hat nun das Ende der Beziehung akzeptiert. Er weiss, dass er an einem anderen Punkt in seinem Leben angekommen ist und dass es nie wieder so sein wird wie zuvor.

Verfasser/in hinauf

Quellen & Links hinauf

.

-- PascalFrey - 22 Apr 2007