BERTOLT BRECHT (1898 - 1956): Der Pflaumenbaum (1934)

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Gedichttext hinauf

BERTOLT BRECHT
Der Pflaumenbaum

Im Hofe steht ein Pflaumenbaum
Der ist klein, man glaubt es kaum.
Er hat ein Gitter drum
So tritt ihn keiner um.

Der Kleine kann nicht grösser wer'n.
Ja grösser wer'n, das möcht er gern.
's ist keine Red davon
Er hat zuwenig Sonn.

Den Pflaumenbaum glaubt man ihm kaum
Weil er nie eine Pflaume hat
Doch er ist ein Pflaumenbaum
Man kennt es an dem Blatt.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Brecht, Bertolt
Titel: Der Pflaumenbaum
Thema: Baum/Natur
Gedichtform: -
Erscheinungsjahr: 1934
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Anika Helfer
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Eugen Berthold Friedrich Brecht wurde im Februar 1898 in Augsburg geboren. Er zählt zu den einflussreichsten deutschen Dramatiker und Lyriker. Brecht gilt auch als Begründer des Epischen Theaters. Er studierte Naturwissenschaften, Medizin und Literatur. Brecht entwickelte sich mehr und mehr zum überzeugten Kommunisten. Dies wurde in seinen Werken sichtbar, denn er verfolgte mit ihnen immer mehr politische Ziele. Besonders geprägt wurde er durch seine Flucht ins Exil. Die politischen Umstände verunmöglichten es ihm weiterhin in Deutschland zu leben. Bis zu seiner Rückkehr in die Heimat hielt er sich unter anderem in Zürich, Wien und Prag auf. Bertolt Brecht starb am 14. August 1956 an einem Herzinfarkt.

Im Gedicht "Der Pflaumenbaum", geschrieben von Bertolt Brecht im Jahre 1934, handelt es sich um einen Pflaumenbaum in einem (Innen-)Hof.

Das Gedicht besteht aus 12 Zeilen, welche in drei Strophen aufgeteilt sind. Die ersten beiden Strophen reimen sich im sogenannten Paarreim, wobei die letzte Strophe einem Kreuzreim entspricht. Rhetorische Mittel werden nur wenige angewandt, so zum Beispiel in den Zeilen 1, 3, 5,6,7,8 und 13 die Apokope. In Zeile 9 besteht die Andeutung auf eine Personifikation des Pflaumenbaumes. Beim Lesen erhält man den Eindruck, als wäre es dem Baum möglich seine Existenz nur zu spielen und in Wahrheit kein Baum zu sein. Einerseits wird der Baum im Gedicht äusserlich beschrieben, andererseits wird auch sein Problem behandelt, nämlich dass er keine Früchte trägt und nicht wachsen kann.

Bertolt Brecht lebte ab 1933 eine gewisse Zeit lang im Exil. Er wollte mit seinen Werken gesellschaftliche Strukturen durchschaubar machen, vor allem in Hinsicht auf ihre Veränderbarkeit. Literarische Texte mussten für ihn einen Gebrauchswert bzw. einen Nutzen haben.

Deshalb symbolisiert für mich der Pflaumenbaum die Gesellschaft in der Zeit um 1934. Der Baum befindet sich am Anfang seines Lebens, er ist klein und verwundbar, weshalb er sich auch vor der Bedrohung durch die Aussenwelt schützen muss. Dies geschieht durch das Gitter um ihn herum. Doch durch diese Abwehr ist der Pflaumenbaum eingesperrt und entwickelt eine gewisse Sehnsucht, sozusagen einen inneren Wunsch nach Freiheit und Veränderung. Aber er hat keine Chance zu wachsen oder in irgendeiner Form zu agieren, da er keine Sonne bekommt. In Bezug auf die Gesellschaft lässt sich sagen, dass diese wohl anstatt der Sonne nicht genug Positves erhält. Etwas Grundlegendes fehlt, was zur Folge hat, dass sich weder Baum noch Gesellschaft weiterentwickeln können. Man tritt immer an derselben Stelle. Und der Pflaumenbaum schlägt im wahrsten Sinne des Wortes seine Wurzeln im Innenhof. Doch obwohl keine Entwicklung in Sicht ist, bleibt der Baum ein Baum so wie der Mensch ein Mensch bleibt. Beim Baum kennzeichnet sich diese Tatsache anhand des grünen Blattes. Bei der Gesellschaft anhand der unterschiedlichen Schichten. So versagt vielleicht die höhere Macht der Politiker, doch die Menschen in den weniger wohlhabenden Strukturen haben dennoch Ziele und Träume. Das soll heissen, dass zwar ein typische Merkmal von Fortschritt fehlen kann, dass aber auf Umwegen trotzdem eine Lösung gefunden werden kann. Am Beispiel des Pflaumenbaumes lässt sich dies noch so erklären: Der Baum trägt zwar nicht seine üblichen Früchte, dennoch kommt er durch die grünen Blätter auf einen grünen Zweig.

Verfasser/in hinauf

Anika Helfer, Neue Kantonsschule Aarau (3D), hat drei weitere Favoriten:

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