WILHELM BUSCH (1832-1908): Es sitzt ein Vogel (1874)

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Gedichttext hinauf

WILHELM BUSCH

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frisst,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Quelle:
http://www.wilhelm-busch-seiten.de/gedichte/kritik03.html

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Busch, Wilhelm
Titel: Es sitzt ein Vogel
Thema: Galgenhumor
Gedichtform: Ballade
Erscheinungsjahr: 1874
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: Maria Bucher
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Der Autor dieses Gedichtes, Wilhelm Busch, wurde am 15. April 1832 in der Nähe von Hannover geboren. Schon sehr früh war er begeistert vom Zeichnen und Malen. Busch absolvierte die Königliche Akademie der schönen Künste in Antwerpen. Er sammelte Volkslieder, Sagen und Märchen, die bis anhin mündlich überliefert worden waren, um sie aufzuzeichnen und zu veröffentlichen.1865 wurde Wilhelm Buschs erste Bildergeschichte veröffentlicht, die ihn berühmt machte: "Max und Moritz". Wilhelm Busch starb am 9. Januar 1908. In den Folgejahren erschienen noch unveröffentlichte Werke.

Dieses Gedicht entstand im Jahr 1874 und gehört damit zur Literaturepoche des Realismus/Naturalismus. Das Reimschema des Paarreims ist vorherrschend und beim Metrum handelt es sich um einen 4-füssigen Jambus mit männlicher und in Zeilen 5 und 6 weiblicher Kadenz.

Wilhelm Busch beschreibt eine simple Situation mit wenigen Worten und in gut verständlicher Sprache, eine Abfolge von Handlungen und die Gedanken des Protagonisten. Dabei handelt es sich um einen Vogel, der nicht wegfliegen kann. Ein Kater nähert sich seinem Opfer und dieses beginnt zu singen, denn es weiss, es hat sowieso keine Chance zu entfliehen. Busch verwendet einen speziellen Humor in seinem Gedicht, welcher auch gerade die Pointe ausmacht: den Galgenhumor. Dieser bezeichnet welcher Witze oder Humor, wenn sie über eigentlich schlimme Situationen gemacht werden. Er wird von den Betroffenen selbst zutage gelegt.

Auf der letzten Zeile des Gedichtes macht sich der Erzähler bemerkbar und äussert seine Meinung über das zuvor Geschilderte. Ansonsten wird die Geschichte im Gedicht von einem verdeckten Sprecher wiedergegeben.
Das Gedicht animiert zum Nachsinnen über eigene Einstellungen und Reaktionen auf unangenehme Situationen. Der Vogel legt in der beschriebenen Situation eine ebenso optimistische wie pessimistische Denkart zutage. Er versucht zwar, sich loszulösen und wegzufliegen, doch dann gibt er auf und schaut seinem kommenden Ende ins Auge. Doch dann, in einem Anflug von Optimismus beschliesst der Vogel, das Beste aus der ausweglosen Situation zu machen.
Das Gedicht kann auf verschiedene Arten gedeutet werden: Wir Menschen sollen das Beste aus der uns bleibenden Zeit auf Erden machen und auch in schwierigen Situationen nicht den Kopf hängen lassen.

Verfasser/in hinauf

Main. Maria Bucher, Neue Kantonsschule Aarau (3D), hat drei weitere Favoriten:

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