Charlotte Von Ahlefeld (Geburtsjahr-Todesjahr): Glück der Liebe (Entstehungsjahr)

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Gedichttext hinauf

Charlotte von Ahlefeld
Glück der Liebe

Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.

Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.

Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.

Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und genießend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Von Ahlefeld, Charlotte
Titel: Glück der Liebe
Thema: Liebe
Gedichtform: Ballade
Erscheinungsjahr:  
Zeilen: 16
Link: hier
Rezensent/in: Tina Ruchti
Schwierigkeit: mittel

Interpretation hinauf

Charlotte von Ahlefelds Gedicht „Glück der Liebe“ stammt aus der Zeit zwischen 1781 und 1849, in der „wahre“ Liebe wenig Platz hatte im realen Leben. Bis ins 19. Jahrhundert waren die meisten Ehen arrangiert. Nur in seltenen Fällen liebte sich das Ehepaar. Meistens bestand das Verhältnis aus Achtung oder auch aus Gleichgültigkeit. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Eheschliessungen aus Liebe und auch Scheidungen häufiger. Die deutsche Schriftstellerin, die ihre Werke meist unter Pseudonymen oder sogar anonym veröffentlichte, liess sich 1807 aufgrund einer Affäre von ihrem Mann scheiden. Das war wohl damals ziemlich skandalös, denn sie zog sich bis an ihr Lebensende zurück und hatte nur noch brieflichen Kontakt mit Freunden und Verlegern. In fast all ihren Werke thematisiert Charlotte von Ahlefeld die Liebe und unterhielt dadurch ein grösstenteils weibliches Publikum.

In diesem Gedicht steht der Schmetterling für die Liebe und wird mit ihr verglichen. Durch diese Allegorie bekommt das Gefühl „Liebe“ und auch der Zustand „verliebt sein“ eine Gestalt und es fällt einem leicht es zu verstehen und sich in diesen Zustand hineinzuversetzen. „Wie er flatternd über Blumen schwebt, so entflieht sie oft auf leichten Schwingen“ (Z.2/3) Hier kann man den allegorischen Charakter des Gedichtes gut erkennen, da eigentlich der Schmetterling beschrieben wird, obwohl man weiss, dass mit „er“ die Liebe gemeint ist. Eine Inversion gleich am Anfang des Satzes lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers sofort auf den Schmetterling und man identifiziert sich von Beginn an mit dem Schmetterling. Das Gedicht schliesst mit einer Apostrophe ab: „Trauere dann - doch halt es nicht zurück!“(Z.16) Mit diesem Ausruf wird der Leser direkt angesprochen und wird ins Geschehen einbezogen, was dazu führt, dass man sich mit dem Thema besser auseinandersetzen kann. Dem Gedicht entspricht keine feste Form und es enthält auch keinen Reim. Ein implizites lyrisches Ich führt durch das Gedicht. Alle Zeilen, die einem fünffüssigen Trochäus entsprechen, sind fast gleich lang. Allerdings wird durch eine alternierende Kadenz eine Monotonie vermieden.

Charlotte von Ahlefeld hat es geschafft, mit nur wenig rhetorischen Figuren und einfacher Form, die Problematik in der Liebe auf den Punkt zu bringen. Nach ihrer Ansicht ist die Liebe wie ein Schmetterling. Er kommt und geht ohne dass man ihn zum Bleiben überreden könnte. Liebe ist flüchtig und vergänglich. Man kann sie nicht gegen ihren Willen festhalten. Sie würde sterben wie ein Schmetterling in Gefangenschaft.

Verfasser/in hinauf

Tina Ruchti, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:Wikipedia.org
  • Quelle 2:http://www.deutsche-liebeslyrik.de/frauenliebe/frauenliebe35.htm

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