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Gedichttext hinauf

Matthias Claudius

Kriegslied

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Claudius, Matthias
Titel: Kriegslied
Thema: Krieg
Gedichtform: Lied
Erscheinungsjahr: 1779
Zeilen: 24
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Rezensent/in: IvanIndraccolo
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Matthias Claudius (1740-1815), ein deutscher Lyriker und Journalist, war für seine kritische Einstellung gegenüber den Autoritäten bekannt. Er erhielt viele Zensuren während seiner Arbeit als Redakteur der Zeitung „der Wandsbecker Bothe“ und wurde schliesslich entlassen. 1779 in der „Sturm und Drang“-Zeit, einer Epoche, in der gefühlvolle und kritische Texte entstanden, verfasste er anlässlich des Bayerischen Erbfolgekrieges dieses Kriegslied.

Das Gedicht fängt gleich mit dem lyrischen Ich an. Wie schon im Titel erwähnt, macht das lyrische Ich auf einen Krieg aufmerksam. Es versucht mit einem Engel, Vertreter Gottes, in Kontakt zu kommen. Es sucht einen Grund um sein schlechtes Gewissen zu reinigen und es hofft, dass seine Sünden vergeben werden. Verstümmelte Männer und Geister der Erschlagenen suchen ihn heim und verfluchen ihn. Das Volk ist unglücklich, arm und elend. Seuchen und Hungersnöten plagen die Menschen. Das lyrische Ich ist hilf- und ratlos. Es befürchtet einen Aufstand, der mit seinem Tod enden könnte. Die Krone und der Reichtum nützen auch nichts mehr, wenn keine einzige Person mehr hinter ihm steht. Das lyrische hat erst, nachdem es einen Krieg begonnen hat, begriffen, dass nichts gut daran ist und dass nur Schlechtes daraus hervorgeht.

Das Gedicht ist in der Form eines Liedes geschrieben. Es ist in einer verständlichen und klaren Sprache gehalten. Es ist in sechs Strophen aufgeteilt, mit je vier Versen. Das Metrum ist ein fünffüssiger- und dreifüssiger-Jambus alternierend mit den Ausnahmen in den Zeilen 3 und 23. Diese beiden sind vierfüssige Jamben. Sie leiten jeweils den sehnsüchtigen Wunsch des lyrischen Ichs unschuldig zu sein ein. Der Reim wird durch das ganze Gedicht als Kreuzreim (abba) gehalten. In der vierten und sechsten Strophe kommt jeweils ein unreiner Reim vor, welcher aber nicht sehr hervorsticht. Das Gedicht ist von mehreren Trikolons durchzogen. Diese rhetorische Figur bewirkt, dass einfache Dinge verstärkt und wichtiger erscheinen. Claudius versucht durch einfache Sprache , klare Struktur und hervorgehobenen Versen dieses Gedicht allgemeinheitstauglich zu machen. Jede Person, vom Akademiker zum Bauern, kann es nachvollziehen. Zur Deutung lässt sich somit sagen, dass Claudius versucht die Situation während eines Krieges zu beschreiben. Er macht die Autorität, folglich den König, für alles Elend verantwortlich. Er treibt die Reform von der Monarchie zur Demokratie heran. Er fordert jeden indirekt auf sich zu wehren, damit nicht nochmals dasselbe geschehen kann.

Verfasser/in hinauf

IvanIndraccolo, Neue Kantonsschule Aarau (3D), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

-- IvanIndraccolo - 06 Nov 2006