Ferdinand von Saar (1833-1906): Alter

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Gedichttext hinauf

Ferdinand von Saar
Alter

Das aber ist des Alters Schöne,
Daß es die Saiten reiner stimmt,
Daß es der Lust die grellen Töne,
Dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt.

Ermessen läßt sich und verstehen
Die eigne mit der fremden Schuld,
Und wie auch rings die Dinge gehen,
Du lernst dich fassen in Geduld.

Die Ruhe kommt erfüllten Strebens,
Es schwindet des Verfehlten Pein –
Und also wird der Rest des Lebens
Ein sanftes Rückerinnern sein.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Von Saar, Ferdinand
Titel: Alter
Thema: Alter
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Tamara Jezler
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Alter“ von Ferdinand von Saar wurde zwischen 1871 und 1890 im Realismus geschrieben und veröffentlicht. Im Realismus wurde viel über Konflikte, die aus verschiedenen Lebenssituationen der Menschen, die durch die natürliche Veränderung entstanden sind, geschrieben. Zwei wichtige Menschen in Saars leben starben frühzeitig. Er wuchs ohne Mutter auf und seine Frau nahm sich frühzeitig das Leben, wie er selber später auch. Er beschreibt in diesem Gedicht das Schöne des Alters und ich könnte mir gut vorstellen, dass er dabei an diese zwei Menschen dachte, wie sie dieses Schöne nicht miterleben konnten. Die erste Strophe beschreibt die schönen Seiten des Alters. Die Saiten, ich denke damit meint er das Leben, wird klarer. Die grellen Töne, Dinge die nicht wirklich ins Leben passen und der Schmerz werden verschwinden. In der zweiten Strophe beschreibt Saar wieso alles schöner wird im Alter. Man bekommt Verständnis für alles und man wird geduldiger, muss geduldig warten, bis auch du gehen, sterben kannst. Obwohl das Alter als schön und schmerzlos beschrieben wird, ist das Sterben in der dritten Strophe doch eine Erlösung. Das Leben ist dann nur noch eine schöne Erinnerung, da es nicht länger Wirklichkeit ist. Dieses Gedicht hat einen regelmässigen Aufbau. Es ist in drei Strophen aufgeteilt, jede Strophe wiederum in 4 Verse. In allen Strophen wird der Kreuzreim (abab) angewendet. Die Verse bestehen aus 4-hebigen Jamben, welche abwechslungsweise auf männliche und weibliche Kadenz enden, beginnend mit der Weiblichen. Wörter wie „grell“, „Schmerz“, „Stachel“, „Schuld“, „Sterben“, „Pein“ stimmen das Gedicht traurig würden, werden immer ins gute gekehrt. Gewöhnlich hat man Angst vor dem Alter, man möchte so lange wie möglich jung bleiben oder zumindest jung aussehen. Das Gedicht beschreibt das genaue Gegenteil. Das Alter ist schön, denn mit der Lebenserfahrung kommt Ruhe und Geduld und im Alter gibt es viele gute Momente an die man sich zurückerinnern kann.

Verfasser/in hinauf

Tamara Jezler, Neue Kantonsschule Aarau (4b), hat einen weiteren Favoriten:

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