Eduard Mörike (1804-1875): Verborgenheit (1832)

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Gedichttext hinauf

Eduard Mörike

Verborgenheit

Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine haben Seine Wonne, seine Pein!

Was ich traure, weiß ich nicht, Es ist unbekanntes Wehe; Immerdar durch Tränen sehe Ich der Sonne liebes Licht.

Oft bin ich mir kaum bewußt, Und die helle Freude zücket Durch die Schwere, so mich drücket, Wonniglich in meiner Brust.

Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine haben Seine Wonne, seine Pein!

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Mörike, Eduard
Titel: Verborgenheit
Thema: Einsamkeit, Isolation
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1838
Zeilen: 16
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Rezensent/in: Luzius Mäder
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Es ist nicht das bekannteste, jedoch ein sehr epochentypisches Gedicht von Eduard Mörike (1804-1875). „Verborgenheit“ entstand im Jahre 1832, also in der Zeit des Biedermeiers. Diese Literaturepoche wurde durch mehrere Merkmale geprägt, die man in diesem Gedicht sehr gut erkennen kann. Es handelt sich hierbei unter anderem um den Rückzug ins Private, um Einsamkeit, um politische Inaktivität und eben um Verborgenheit. Zu erwähnen ist noch, dass Eduard Mörike in der Zeit, in der er das Gedicht verfasst hat, stark durch die Religion geprägt wurde. Er arbeitete in dieser Zeit als Vikar und danach als Pfarrer.

Inhaltlich geschieht nicht sehr viel, doch das Wenige, das passiert, verfehlt seine Wirkung nicht. Ein lyrisches Ich beschreibt seine eigene Situation. Es zeigt seine Abneigung gegenüber der Welt, es will alleine sein, es ist traurig. Dann sagt das lyrische Ich aber, dass es gar nicht weiss, warum es trauert. Das ist auch ein typisches Merkmal der Biedermeier-Zeit, die als „Spätromantik“ immer noch gefühlsbetonte Themen anspricht.

Die Sprache ist einfach, das Gedicht ist klar gegliedert, das Reimschema ist einheitlich und immer gleich. Jede der vier Strophen besteht jeweils aus vier Trochäen, die vierfüssig sind. Es handelt sich um ein Gedicht mit Endreimen und zwar sind es umarmende Reime (abba). Ein zusätzliches Merkmal ist die Wiederholung der ersten Strophe. Sie wird nochmals als letzte Strophe verwendet, um die Aussage des Gedichts zu verstärken.

Die wichtigsten rhetorischen Figuren in „Verborgenheit“ sind einmal eine Personifikation, und dann auch ein Oxymoron. Die Sonne und ihr liebes Licht werden „vermenschlicht“, und man hat eine „helle Freude, die zücket“. Diese beiden Sprachbesonderheiten zeigen, dass es trotz dieser Traurigkeit, dieser Isolation und dieser Einsamkeit auch noch eine andere, eine gute Seite gibt. Es gibt trotzallem Freude, Licht und Helligkeit.

Am besten deuten kann man das Gedicht mit der literaturhistorischen beziehungsweise der literatursoziologischen Methode. Das Gedicht spricht genau die Themen, die Problematik an, welche in dieser Zeit behandelt wurde(n). Es geht um die typischen Biedermeier-Merkmale wie oben schon erwähnt: Rückzug ins Private, pessimistische Grundhaltung, Zurückgezogenheit, Einsamkeit, unpolitische Haltung, Isolation, Weltflucht (Eskapismus).

Verfasser/in hinauf

Main.Luzius Mäder, Neue Kantonsschule Aarau (4C), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1: www.deutschelyrik.de
  • Quelle 2: www.wikipedia.ch

-- LuzMaeder - 13 Nov 2006