-- PatricSigrist - 09 Jun 2007

GÜNTHER EICH (1907-1972): INVENTUR (1945)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Günter Eich
Inventur

Dies ist meine Mütze,
Dies ist mein Mantel,
Hier mein Rasierzeug
Im Beutel aus Leinen.

Konservenbüchse:
Mein Teller, mein Becher,
Ich hab in das Weißblech,
Den Namen geritzt.

Geritzt hier mit diesem
Kostbaren Nagel,
Den vor begehrlichen
Augen ich berge.

Im Brotbeutel sind
Ein Paar wollene Socken
Und einiges, was ich
Niemand verrate.

So dient es als Kissen
Nachts meinem Kopf.
Die Pappe hier liegt
Zwischen mir und der Erde.

Die Bleistiftmine
Lieb ich am meisten:
Tags schreibt sie mir Verse,
Die nachts ich erdacht.

Dies ist mein Notizbuch,
Dies ist meine Zeltbahn,
Dies ist mein Handtuch,
Dies ist mein Zwirn.

Quelle:
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Vorgelesen:
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Eich, Günter
Titel: Inventur
Thema: Krieg
Erscheinungsjahr: 1945
Zeilen: 28
Link: hier
Rezensent/in: Patric Sigrist
Schwierigkeit: mittel

Interpretation hinauf

Dieses Gedicht Inventur wurde von Günther Eich ( DE, 1907-1972) gleich nach dem 2. Weltkrieg geschrieben. Da es sich auch auf diesen bezieht, gehört das Gedicht in die Gruppe der Nachkriegsliteratur (ca. 1945-1950, auch Trümmerliteratur oder Kahlschlagliteratur genannt). Das Gedicht unterscheidet sich stark von anderen Gedichten, welche von Eich verfasst wurden, sowie auch von anderer Nachkriegsliteratur. Es ist ein bekanntes Gedicht seiner Zeit, da es im Gegensatz zu anderen Gedichten sehr trocken und einfach gehalten ist. Dies gehörte auch zu seinem Ziel, mit diesem Gedicht eine möglichst betrübte Stimmung über den Krieg, sowie dessen Folgen dem Leser näher zu bringen.

In dem Gedicht geschieht nichts, es scheint eine reine Aufzählung zu sein. Es ist jedoch zu vermuten, dass man nicht zu viel hinein interpretieren sollte, sondern das Gedicht eher so nehmen sollte wie es ist. Inhaltlich ist es sehr kahl, es vermittelt lediglich einen Eindruck von einem trostlosen Dasein. Auch die Form des Gedichtes ist unspektakulär: sieben Strophen mit je vier kurzen, ungereimten Versen. Dieser einfache, beinahe formlose Aufbau unterstreicht die öde Haltung noch mehr.

Für die Ich-Person in dem Gedicht gibt es offenbar keine Zukunft oder Vergangenheit, er besitzt nur das, was er bei sich trägt. Das schönste in seinem Leben ist die Bleistiftmine. Dies ist vermutlich so zu verstehen, dass die Ich-Person seine Gedanken höchstens niederschreiben darf, statt mit jemandem darüber zu reden. Vermutlich kann die Ich-Person mit gar niemandem darüber reden, denn das Gedicht vermittelt den Eindruck, dass die Ich-Person völlig isoliert dasteht.

Verfasser/in hinauf

Vorname Name , Neue Kantonsschule Aarau (4c), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- PatricSigrist - 09 Jun 2007