Joseph von Eichendorff (1788-1857): der frohe Wandersmann (1822)

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Gedichttext hinauf

JOSEPH VON EICHENDORFF
Der frohe Wandersmann

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was soll ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?

Den lieben Gott laß ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Joseph von Eichendorff
Titel: Der frohe Wandersmann
Thema: Natur
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1822
Zeilen: 16
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Rezensent/in: StephanWespi
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

„Der frohe Wandersmann“ geschrieben von Joseph von Eichendorff (1788-1857) im Alter von ca. 42 Jahren, stammt aus der für die Romantik typischen Novelle: “Aus dem Leben eines Taugenichts.“ Protagonist ist ein heiterer Wandersmann, welcher loszieht in die weite Welt und dabei die Natur in vollen Zügen zu geniessen scheint. Wer zuhause bleibt, dem entgehen die prachtvollen Morgenröten, die Tänze der Lerchen und das lustvolle Springen der Bächlein dem Tale zu. Der Wandersmann ist dem Alltag entflohen und lässt sich nun ganz von Gott leiten, in die Schönheiten der Natur.

Der Jambus bestimmt als Versmaß einen melodischen Rhythmus und bewirkt ein leichtes Lesen. Durch diese Regelmässigkeit, die sich durch alle vier Strophen zieht, klingt das Gedicht wie ein Lied, welches das lyrische Ich während dem Wandern fröhlich in die Welt hinaus singt. Der unkomplizierte, leicht durchschaubare Bau wird von einem durchgehenden Kreuzreim (nach dem Reimschema abab, cdcd, efef, ghgh) unterstützt. Mit Hilfe von Alliterationen wird der Blick gleichzeitig auf Schlagwörter wie: weite Welt, Bächlein, Lust und Lerchen oder Wald und Feld gelenkt.
Entstanden ist das Gedicht nach der Zeit der napoleonischen Kriege anfangs des 19. Jahrhundert und ist als ein typisches Gedicht in die Epoche der Romantik einzuordnen. Das rationale Denken soll zurückgelassen und durch Gefühlserlebnisse abgelöst werden. Das Glück und die Liebe liegt in der Natur und Gott steht als Bindeglied zur Freude, Lust und der Entfaltung der Sinne. Das Zuhauseliegen, wie in Strophe 2 beschrieben, bringt keinen Fortschritt mit sich.

Verfasser/in hinauf

StephanWespi, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten: