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Autor (1875-1926): Titel (1902)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Joseph von Eichendorff
Heimweh

An meinen Bruder

Du weißt's, dort in den Bäumen
Schlummert ein Zauberbann,
Und nachts oft, wie in Träumen,
Fängt der Garten zu singen an.

Nachts durch die stille Runde
Weht's manchmal bis zu mir,
Da ruf ich aus Herzensgrunde,
O Bruderherz, nach dir.

So fremde sind die andern,
Mir graut im fremden Land,
Wir wollen zusammen wandern,
Reich treulich mir die Hand!

Wir wollen zusammen ziehen,
Bis daß wir wandermüd
Auf des Vaters Grabe knieen
Bei dem alten Zauberlied.

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Vorgelesen:
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Eichendorff, Joseph von
Titel: Heimweh
Thema: Gefühl
Erscheinungsjahr: 1826
Zeilen: 16
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Rezensent/in: Christoph Möhl
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Joseph von Eichendorff (1788-1857) war ein Lyriker und Prosaautor der deutschen Romantik. Er hatte einen zwei Jahre älteren Bruder, Wilhelm. Ihre Wege kreuzten sich nur selten nach 1918, als ihr Vater starb. 1926 lebte und arbeitete Joseph von Eichendorff in Danzig mehrere hundert Kilometer entfernt vom Ratibor, wo er aufwuchs. In seinem Gedicht Heimweh (1926) schildert das lyrische Ich, die Sehnsucht nach seinem Bruder, der (im Gegensatz zu ihm) zu Hause ist. Er spricht seinen Bruder auf einen Zauberbann und schreibt davon wie er nachts den Garten singen hört (1. Strophe). Manchmal berührt es ihn in der Nacht und sein Herz ruft nach dem Bruder (2. Strophe). Alles ist ihm fremd und ihm ist nicht wohl, er will mit seinem Bruder wandern (3.Strophe). Er will mit ihm umherziehen, bis sie müde sind und beim Grabe des Vaters ruhen beim alten Zauberlied (4.Strophe). Die so thematisierte Sehnsucht nach seinem Bruder (und seiner fernen Heimat) und die daraus zu schliessende Bruderliebe sind typisch für die Romantik, die sich stark mit der Welt der Gefühle beschäftigte. Das Gedicht ist in vier Strophen zu je vier Versen aufgebaut. In jeder Strophe liegen Kreuzreime vor und abwechslungsweise männliche und weibliche Kadenzen. Das dadurch entstandene Hin und Her weist auf die Unterschiede zwischen hier und dort, also zwischen dem ungeliebten fremden Land und der geliebten Heimat. Worte, Wortteile, Wortgruppen (Zauber-, nachts, Herz-, resp. -herz, fremd, wir wollen zusammen, wandern, resp. wandermüd) treten doppelt auf und werden so hervorgehoben. Durch das ganze Gedicht hinweg erhält der Autor eine nachdenkliche Stimmung und die Schwere in seinem Herzen beim Gedanken an seine Heimat und seinen Bruder bleibt spürbar.

Verfasser/in hinauf

Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (G4b), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- PascalFrey - 22 Apr 2007

-- ChristophMoehl - 31 May 2007