Autor (1875-1926): Titel (1902)

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Gedichttext hinauf

Josef von Eichendorff
Zwielicht

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Eichendorff, Joseph von
Titel: Zwielicht
Thema: Natur
Erscheinungsjahr: 1902
Zeilen: 12
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Rezensent/in: CinziaCatania
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Joseph Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 in Oberschlesien geboren. Nach seinem Jurastudium trat er 1816 in den preussischen Staatsdienst ein. Eichendorff wurde als geheimer Regierungsrat in Berlin 1844 pensioniert. Er starb am 26. November 1857 in Neisse. Er war ein bedeutender Lyriker und Prosaautor der deutschen Romantik.

Die formale Gestaltung des Gedichts ist eher einfach aufgebaut. Sprachlich ist das Gedicht eher auf hohem Niveau, jedoch gut verständlich. Das Gedicht umfasst vier Strophen mit je vier Zeilen und der Dichter verwendetete Blockreime. Das Gedicht hat eine weibliche Kadenz und das Versmass ist ein vierfüssiger Trochäus.
Im Gedicht „Zwielicht“ beschreibt Eichendorff eine Dämmerung am Abend. Wenn es dämmert herrscht Zwielicht und Zwielicht bedeutet Undurchschaubarkeit und Zweifel.

In der ersten Strophe wird eben dieser natürliche Vorgang beschrieben. Es ist eine unheimliche und seltsame Situation, welche das lyrische Ich beunruhigt. Die zweite Strophe handelt von der wachsenden Bedrohung, die das lyrische Ich spürt. Der sonst schutzgebende Wald wird auf einmal zur Gefahr für das schutzbedürftige Reh. Die Jäger und Treiber kommen ins Spiel, welche erneut Furcht und Unsicherheit auslösen. Die Begegnung, Jäger und Reh löst ein Gefühl der Machtlosigkeit und der Bedrängnis aus. Er warnt den Leser davor, einem Freund in diesem Zwielicht zu trauen. Auch ein guter Freund kann einen im Stich lassen, also soll man nur auf sich selbst vertrauen. Eichendorff arbeitet erneut mit starken Gegensätzen und zwar mit Freund und Krieg, also mit Liebe und Hass. Ein sehr pessimistisches Weltbild wird deutlich. Doch flacht diese Sicht in der letzten Strophe wieder etwas ab. Beschrieben wird die Tatsache, dass auf den Untergang ein Wiederanfang folgt. Jede Nacht wird wieder zum Tag und doch gibt es Dinge, die verloren gehen können, die sich nicht wie die Natur ständig regenerieren..

Der Inhalt des Gedichts soll den Leser auf die Gefahren des Lebens aufmerksam machen. Eichendorff thematisiert die Machtlosigkeit des Menschen. Die Welt, in der wir leben, ist bedrohlich und unberechenbar wie die Natur auch. Man solle wachsam bleiben und auf alles acht geben..

In der Epoche der Romantik wurde die Bedrohung durch das Unbegreifliche und Unheimliche von vielen Lyrikern thematisiert. Es gibt Naturvorgänge, welche für den Menschen nicht greifbar sind, welche naturwissenschaftlich nicht erklärt werden können. Alles was der Mensch nicht begreifen kann, stellt für ihn eine Bedrohung seiner Existenz dar. Zudem wird die Epoche der Romantik um die Jahrhundertwende datiert. Der Beginn des 19.Jahrhunderts war eine unruhige Übergangszeit, welche sicherlich von Ängsten begleitet wurde. Die Leute wussten nicht, was die Zukunft ihnen bringen wird und die Vergangenheit war unwiederbringlich. Ein Zwielicht also, in welchem die Menschen ihre Sicherheit und Vertrautheit verloren..

Verfasser/in hinauf

Vorname Name , Neue Kantonsschule Aarau (4c), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- PascalFrey - 22 Apr 2007

-- CinziaCatania - 07 Jun 2007