ERICH FRIED (1921-1988): Durcheinander (1979)

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Gedichttext hinauf

Erich Fried

Durcheinander

Sich lieben
in einer Zeit
in der Menschen einander töten
mit immer besseren Waffen
und einander verhungern lassen
Und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
und versuchen
nicht stumpf zu werden
Und doch
sich lieben

Sich lieben
und einander verhungern lassen
Sich lieben und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
Sich lieben
und versuchen nicht stumpf zu werden
Sich lieben
und mit der Zeit
einander töten
Und doch sich lieben
mit immer besseren Waffen

Quelle:
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Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Fried, Erich
Titel: Durcheinander
Thema: Liebe
Gedichtform: keine
Erscheinungsjahr: 1979
Zeilen: 22
Link: hier
Rezensent/in: Lena Bänziger
Schwierigkeit: z.B. mittelschwer

Interpretation hinauf

Angaben zu Autor/in und Entstehung
„Durcheinander“ ist ein Gedicht aus Erich Frieds Lyrikband „Liebesgedichte“ das 1979, also gegen Ende des Vietnamkriegs, veröffentlicht wurde.
Erich Fried war einer der wichtigsten politischen Lyriker der Nachkriegszeit und lebte in England, Deutschland und Österreich. Er war dreimal verheiratet und hatte insgesamt sechs Kinder.

Beschreibung
a) Form
Das Gedicht besteht aus zwei Strophen mit je elf Versen. Die Verse haben keinerlei Reimschema und auch keine Satzzeichen. In beiden Strophen liegt beinahe die gleiche Wortwahl vor. Die Verse der ersten Strophe wiederholen sich in identischer oder leicht abgeänderter Form in der zweiten Strophe, jedoch mit einer völlig anderer Aussage. Allgemein beschäftigt sich das Gedicht in der ersten Strophe mit der Liebe trotz Krieg und die zweiten Strophe mit (Beziehungs)krieg trotz Liebe.
b) Inhalt
Die erste Strophe handelt von Liebe („sich lieben“ V.1) trotz der Tatsache, dass woanders Krieg herrscht („in der Menschen einander töten/ mit immer besseren Waffen“, V.2/3). Auch wenn man nichts gegen die Not unternehmen kann („und einander verhungern lassen“ V. 5, „Und zu wissen/dass man wenig dagegen tun kann“ V6/7) solle man nicht gefühlskalt zu werden(„und versuchen/nicht stumpf zu werden“, V8/9) und Liebe in diesen Zeiten wichtiger denn je ist. („und doch/sich lieben“ V.10/11) Die zweite Strophe steht in völlig anderem Kontext. Hier geht es um die alltägliche Liebe die voller Sehnsucht(„und einander verhungern lassen“, V.13) und nicht kontrollier oder steuerbar ist („und zu wissen/dass man wenig dagegen tun kann“ V14/15). Trotzdem besteht stets die Gefahr dass sie verloren geht („und versuchen nicht stumpf zu werden“ V17) oder dass trotz Liebe die Beziehung auch in einem Krieg enden kann („ einander töten/und doch sich lieben/mit immer besseren Waffen“ V20/21/22)
Deutung
Das Gedicht wurde gegen Ende des Vietnamkriegs geschrieben und die erste Strophe des Gedichtes nimmt deutlich Bezug darauf. Die Wörter werden in dieser Strophe mit ihrer direkten Bedeutung verwendet. Die zweite Strophe besteht aus praktisch den gleichen Versen, jedoch diesmal in anderer Reihenfolge und auf ihre metaphorische Bedeutung bezogen. Dies mag im ersten Augenblick verwirren oder das Gefühl eines „Durcheinanders“ (Titel) erwecken. In Wirklichkeit hat aber jede der Strophen ihre eigene Aussage.

Verfasser/in (mit 3 Favoriten)
max. 2500 Zeichen inkl. Leerzeichen

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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