Erich Fried(06.05.1921- 22.11.1988): Totschlagen (um 1979)

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Gedichttext hinauf

Erich Fried

Totschlagen

Erst die Zeit
dann eine Fliege
vielleicht eine Maus
dann möglichst viele
Menschen
dann wieder die Zeit

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Fried, Erich
Titel: Totschlagen
Thema: Tot, Zeit
Erscheinungsjahr: um 1979
Zeilen: 6
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Rezensent/in: LorenaBettin
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Totschlagen“ von Erich Fried hat nur sechs Verse, die sich auf eine Strophe begrenzen. Es besitzt kein Reimschema und hat keinen bestimmten Versfuss. Es ist durchzogen von Anaphern, was in der ersten und letzten Zeile sehr gut ersichtlich ist (Wiederholung von „die Zeit“, (dabei merkt man, was man wirklich totschlagen möchte)). Durch das Wiederholen des Wortes „dann“ (V. 2; 4; 6) erkennt man, dass die Handlung im Gedicht fortschreitet und sich „entwickelt“. Diese Präpositionen sind sehr wichtig, da das Gedicht ganz ohne Verben auskommt (ausser im Titel) und somit keine Vergangenheit oder Zukunft ausgedrückt werden könnte. Durch das „dann“ wird gut ersichtlich, dass es sich um etwas handelt, dass auf etwas anderes folgt, und nicht gleichzeitig geschieht. Eine Assonanz auf den Vokal –i- zieht sich durchs ganze Gedicht (Bsp.: V. 4 „möglichst viele“), wodurch das Gedicht etwas sarkastisch wirkt. Am Ende dieses Verses hat es ein Enjambement, das aber, denke ich, nicht zwingend eines sein muss. Denn das Wort in Vers Fünf („Menschen“) könnte eben so gut auch alleine da stehen, als ein weiterer Punkt der Aufzählung. Dabei würde „dann möglichst viele“ für sich stehen und sich auf die „Maus“ in Vers Drei beziehen. Das Gedicht handelt vom Tod (im Titel zu erkennen („Totschlagen“), ansonsten nicht weiter erwähnt) und von der Zeit. Am Anfang hat man genügend Zeit (V.1 „erst die Zeit“) und weiss nicht wirklich was man damit anfangen soll (die Zeit totschlagen). Dann sieht man eine Fliege und schlägt sie, aus lauter Langeweile und um die Zeit totzuschlagen, tot. (Titel: Totschlagen; V.2,eine Fliege). Da einem aber immer noch langweilig ist, schlägt man eine Maus, die vielleicht gerade zufällig vorbeihuscht, tot. (V.3 „vielleicht eine Maus“). Denn, was ist schon dabei? Die Fliege musste ja auch bereits daran glauben. Doch auch das bringt nichts, denn die Zeit scheint deswegen nicht schneller vorbeizugehen. Daher tötet man möglichst viele, um möglichst viel Zeit zu überbrücken (V.4 „möglichst viele“). Die eigenen Grenzen werden immer höher geschraubt, man schreckt aus lauter Gewohnheit nicht mehr vor dem Totschlagen zurück, denn es überbrückt die Zeit. Vielleicht schlägt man dann irgendwann einmal einen Menschen tot, aus lauter Gewohnheit und Langeweile, nur um noch mehr Zeit totzuschlagen (V.5 „Menschen“). Spätestens dann hat man wieder genügend Zeit, die man totschlagen kann(V.6 „dann wieder die Zeit“), denn man wird eine ganze Weile im Gefängnis verbringen dürfen und sich ein halbes Leben damit beschäftigen, die Zeit totzuschlagen.

Themen/ Schlagworte hinauf
Tod
Zeit
Grenzen

Verfasser/in hinauf

Main.Lorena Bettin Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat zwei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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