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Gustav Falke (1853-1916): Zwei (1896)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Gustav Falke
Zwei

Drüben du, mir deine weiße
Rose übers Wasser zeigend,
Hüben ich, dir meine dunkle
Sehnsüchtig entgegen neigend.

In dem breiten Strome, der uns
Scheidet, zittern unsre blassen
Schatten, die vergebens suchen,
Sich zu finden, sich zu fassen.

Und so stehn wir, unser Stammeln
Stirbt im Wind, im Wellenrauschen,
Und wir können nichts als unsre
Stummen Sehnsuchtswinke tauschen.

Leis, gespenstig, zwischen unsern
Dunklen Ufern schwimmt ein wilder
Schwarzer Schwan, und seltsam schwanken
Unsre blassen Spiegelbilder.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Falke, Gustav
Titel: Zwei
Thema: Liebe
Erscheinungsjahr: 1896
Zeilen: 16
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Rezensent/in: Vera Hertig
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Gustav Falke (1853 – 1916), der vor allem für sein schriftstellerisches Werk bekannt ist, begann seine Karriere als impressionistischer Lyriker. Seine Novellen und Epen sind dem gemässigten Naturalismus zuzuordnen. Das Gedicht „Zwei“ verfasste Gustav Falke 1896 und es vermittelt ein düsteres und hoffnungsloses Bild: Zwei sich liebende Personen, die erfolglos versuchen, ihre Trennung zu überwinden.

Das Gedicht „Zwei“ von Gustav Falke besteht aus vier Strophen zu je vier Zeilen. Es liegt ein gleichmässiges Reimschema vor, da sich jeweils die zweite und die vierte Zeile reimen (x-b-x-b). Als Metrum wird der vier-hebige Trochäus verwendet, der mit seiner weiblichen Kadenz und dem fallenden Rhythmus die traurige und melancholische Stimmung des Gedichtes unterstützt. Die Satzmelodie wird vor allem durch die zahlreichen Enjambements und Alliterationen („Schwarzer Schwan“ und „schwanken“ (Z.15)) definiert.

Im ersten Vers wendet sich das lyrische Ich an ein „Du“, wobei klar wird, dass es sich in diesem Gedicht, wie auch schon der Titel besagt, um zwei Dinge und ihre Beziehung zueinander dreht. Die Symbole der weissen (Z.1) und der dunklen Rose (Z.3) für Frau und Mann und der Schwan (Z.15) als Symbol der Liebe deuten darauf hin, dass es sich bei den beiden um ein Liebespaar handelt. Wichtige Schlüsselwörter sind „Sehnsüchtig“ (Z.4) und „Sehnsuchtswinke“ (Z.12). Sie verdeutlichen die Verzweiflung Paares.

Diese Trennung des Paares erscheint im Laufe des Gedichtes immer unüberwindbarer, was die Steigerung der Wasser-Symbolik zeigt. Anfangs sind zwei Personen durch ein „Wasser“ (Z.2) getrennt, welches in der zweiten Strophe zu einem „breiten Strom“ (Z.5) wird und in der dritten Strophe durch das „Wellenrauschen“ erneut verstärkt wird. Als Höhepunkt erscheint In der letzten Strophe auch noch ein wilder, schwarzer Schwan (Z.14&15), der Unglück in Liebesdingen symbolisiert. Die Enjambements, die das ganze Gedicht beherrschen, lassen die Beziehung der Personen zusätzlich noch abgebrochener und die Trennung somit endgültiger erscheinen. Diese Aussichtslosigkeit der Situation lässt die Sehnsucht des Paares wachsen, die sie durch „Sehnsuchtswinke“ (Z.12) zum Ausdruck bringen. Je wilder und stärker die trennenden Elemente, desto blasser werden die Schatten (Z.6 & Z.16) der Liebenden.

Wenn man die verschlüsselte Symbolik und der Stil des Gedichtes genauer betrachtet, kommt man also zum Schluss, dass es sich um ein Liebespaar handelt, dass getrennt wurde und die kaum Hoffnung auf Wiedervereinigung haben. Unklar bleibt jedoch, wodurch diese Trennung verursacht wird. Eine mögliche Annahme wäre, dass der reissende Fluss für die Gesellschaft oder auch einzelne Personen (z.B. Eltern) steht, die es den Liebenden aufgrund von bestimmten Wertvorstellungen verbieten, zusammen zu sein.

Verfasser/in hinauf

Vera Hertig, Neue Kantonsschule Aarau (4A), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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