ErichFried(1921-1988): Wegweiser

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Gedichttext hinauf
Fried,Erich
Wegweiser

Was mich mutlos macht
ist daß es so schwer ist
zu sehen wohin ein Weg geht
zum Recht und zur sicheren Zukunft
aber was mir dann wieder Mut macht
ist daß es so leicht ist
zu sehen wo Unrecht geschieht
und das Unrecht zu hassen

Und auch wenn es nicht leicht ist
gegen das Unrecht zu kämpfen
so verliert man dabei
doch nicht so leicht seine Richtung
denn das Unrecht leuchtet so grell
und verbreitet so starken Geruch
daß keiner die Spur des Unrechts verlieren muß

Wenn der Weg zum Recht und zur Zukunft
dunkel ist und verborgen
dann halte ich mich an das Unrecht
das liegt sichtbar mitten im Weg
und vielleicht wenn ich noch da bin
nach meinem Kampf mit dem Unrecht
werde ich dann ein Stück
vom Weg zum Recht erkennen

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Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Fried,Erich
Titel: Wegweiser
Thema: Recht,Unrecht
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr:  
Zeilen: 23
Link: hier
Rezensent/in: IsabelleReding
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Erich Fried
Der Wegweiser

Das Gedicht „Der Wegweiser“ ist ein eher unbekanntes Werk des österreichischen Lyrikers Erich Fried (1921-1988), der als einer der „Hauptvertreter der politischen Lyrik in Deutschland gilt“(1). Erich Fried war jüdischer Abstammung, verlor seinen Vater an den Folgen eines Gestapo-Verhörs und musste nach England emigrieren. Er schloss sich während seiner Jugend kommunistischen Widerstandsorganisationen an und „vertrat öffentlich kritische linke Positionen“(1). „Seine Kritik an der Politik und der damaligen Situation spiegelt sich in vielen seiner Gedichte wieder“(2), so auch im Gedicht „Der Wegweiser“. Nebst politischer Lyrik verfasste Erich Fried auch zahlreiche Liebesgedichte, dank welchen er sich in der Nachkriegszeit einen Namen zu machen vermochte.

Das Gedicht „Der Wegweiser“ entstammt den Gesammelten Schriften von 1993. Wahrscheinlich ist es jedoch schon früher in den Siebzigerjahren entstanden. Das Gedicht setzt sich mit der Problematik von Recht und Unrecht auseinander. Für ein besseres Verständnis beschreibt Erich Fried das Recht als einen dunkeln, verborgenen und unerforschten Weg und der des Unrechts als grell leuchtend. Die damaligen politischen und sozialen Begebenheiten werden vom lyrischen Ich hinterfragt und kritisiert. Diese Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen offenbart dem Leser einen Einblick in die Gefühlswelt und Denkweise des lyrischen Ichs.

Das Gedicht zeigt keine erkennbare formale Struktur auf. Das Metrum ist nicht bestimmbar, ebenso reimt sich keiner der Verse. Das Gedicht ist in 3 Strophen unterteilt, die dem Gedicht eine inhaltliche Gliederung geben. Alliterationen werden vor allem in der ersten Strophe verwendet, sodass man von einem Stabreim sprechen kann.
Eine Beziehung zwischen Inhalt und Form besteht insofern, als dass „Der Wegweiser“ ein politisches Gedicht ist und Erich Fried darauf bedacht war, zum Punkt zu kommen. Dies ist an der Wortwahl zu erkennen und auch an der Tatsache, dass er das Gedicht kurz hielt.

Das Gedicht spricht die Tatsache an, dass es oft schwer ist, den Weg zum Recht zu erkennen, das Unrecht jedoch offensichtlich ist. Im Gedicht wird das menschliche Verhalten dieser Tatsache gegenüber kritisiert. Denn die Menschen verschwenden oft zu viel Energie, statt Unrecht zu bekämpfen, als den noch unerforschten Weg des Rechtes zu gehen und ihn zu erhellen, indem sie sich für das Gute einsetzen. Ebenso macht das Gedicht auf die Problematik der Gewichtung von Recht und Unrecht aufmerksam. Die Menschen sehen den Weg des Unrechts klar vor sich und beschreiten ihn, im Glauben, etwas Gutes zu tun, indem sie gegen das Unrecht ankämpfen. Anstatt den schweren Weg des Rechts zu wählen, der viel Mut und Kraft erfordert, kämpfen die Menschen zu lange gegen das Böse an. So lange, dass sie schlussendlich vielleicht nicht einmal mehr in der Lage sind, sich für das Gute einzusetzen. Diesen Gedanken gibt Erich Fried den Lesern zum Schluss mit den folgenden Zeilen seines Gedichtes auf den Weg: „... und vielleicht, wenn ich noch da bin nach meinem Kampf mit dem Unrecht, werde ich dann ein Stück vom Weg zum Recht erkennen“.



Verfasser/in hinauf

Isabelle Reding, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fried
  • Quelle 2:http://www.erichfried.de/ueberFried.htm
  • Quelle 3:

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