ERICH FRIED (1921-1988): Links rechts links rechts (unbekannt)

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Gedichttext hinauf

Erich Fried

Links rechts links rechts

Wenn ein Linker denkt
dass ein Linker
bloß weil er links ist
besser ist als ein Rechter
dann ist er so selbstgerecht
dass er schon wieder rechts ist
Wenn ein Rechter denkt
dass ein Rechter
bloß weil er rechts ist
besser ist als ein Linker
dann ist er so selbstgerecht
dass er schon rechtsradikal ist

Und weil ich
gegen die Rechten
und Rechtsradikalen bin
bin ich gegen
Linke
die denken
dass sie besser sind
als die Rechten
Und weil ich gegen sie bin
denke ich manchmal
ich habe ein Recht zu denken
dass ich doch besser als sie bin

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Fried, Erich
Titel: Links rechts links rechts
Thema: Extremismus
Gedichtform: frei
Erscheinungsjahr: unbekannt
Zeilen: 24
Link: hier
Rezensent/in: Patric Sigrist
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Dieses Gedicht Links rechts links rechts wurde von Erich Fried (1921-1988) verfasst. Er wurde in Wien geboren und ist jüdischer Herkunft. Er gilt als einer der bedeutendsten Autoren der Nachkriegszeit, und vertrat öffentlich die kritische linke Position mit Vorträgen und der Teilnahme an Demonstrationen. Nachdem sein Vater an den Folgen eines Verhörs der Gestapo im Jahr 1938 gestorben war, emigrierte er mit seiner Mutter nach London. Erst 1962 kehrte er wieder nach Wien zurück.

In diesem Gedicht kritisiert er die Einstellungen vieler Rechten und Linken. Er schreibt klar und verständlich, dass der Gedanke, besser zu sein als die anderen, einem selbst schlechter macht. Er sagt jedoch über sich selbst, dass er denkt, besser als diese Falschdenker zu sein, und gerät somit in ein Dilemma. Doch seine Einsicht über dieses Dilemma, lässt ihn nicht in dieselbe Schublade stecken. Die Anzahl Vokale pro Vers scheint keinen Zusammenhang zum Inhalt zu haben, sondern gibt dem Gedicht lediglich eine schöne Form. Das Gedicht ist in zwei Strophen an je zwölf Versen aufgeteilt. Die erste Strophe erläutert den Sachverhalt, und verschafft Klarheit über den Denkfehler den Linken und Rechten. In der zweiten Strophe gibt er seine eigene Einstellung preis, nämlich dass er gegen diese genannten Personen eingestellt ist. Er gibt jedoch auch zu, dass ihn dies selbst denken lässt, dass er besser sei. Somit hat er sich selbst wieder in ein Dilemma gesteckt, und überlässt die Interpretation dem Leser. Er lässt offen, ob er durch seine Denkweise nun selbst zum Rechten, Linken oder gar Rechtsradikalen wird. Seine Hintergründen zeigen jedoch, dass er selbst zu den Linken zählt. Somit zeigt er in dem Gedicht ein Fehler seiner selbst auf. Diese Einsicht jedoch ist wichtig, denn sobald er diesen Fehler einsieht, ist seine Eigenliebe zur Schau gestellt und kann kaum mehr als einen Fehler eingestuft werden.

Das Gedicht erlangt durch seine zahlreichen Wortwiederholungen (z.B. „Rechts“) und ähnlich bleibenden Sätzen eine komische Wirkung, und macht das Gedicht ansprechend. Das ist vermutlich auch sein Ziel, diese Rechten und Linken zum denken anzuregen, und dies gelingt nur durch die Verbreitung des Gedichtes. Auffallend ist die freie Form des Gedichtes, die es von jeglichen Einklassierungen fernhält. So bleibt das Gedicht als ein Unikat stehen und bleibt zeitlos interessant.

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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