Janagan Thillainathan: Ecce homo (1888)

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Gedichttext hinauf

Friedrich Nietsche
Ecce homo

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird Alles, was ich fasse,
Kohle Alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Friedrich Nietzsche
Titel: Ecce Homo
Thema: Mensch
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1882
Zeilen: 6
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Rezensent/in: Janagan Thillainathan
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Von wem könnte dieser antike Titel „Ecce Homo“ schon stammen als vom einflussreichsten Denker des 19. Jahrhundert Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900) selbst. Sich selber bezeichnete der Philosoph als einen Nihilisten und zweifelte daher an die Werte des Moral und der Religion. Als klassischer Philologe fühlte er sich von der Antike angezogen und griff schon vergessene Diskussionen der Lebensphilosophien wieder auf.

Um dieses Gedicht überhaupt zu verstehen zu können, muss man die Leitgedanken des Dichters kennen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Nietzsches Stück von zwei wichtigen Grundgedanken ausgeht nämlich vom Apollinischen und Dionysischen. Das Apollinische sollte das Schöne und das Verträumte und Dionysische den Rausch und die Begierde verkörpern. Nach Nietzsche ist der Mensch ein Wesen, das ständig nach Perfektion giert. Dieses Bestreben nach Vollkommenheit stellt die Vereinigung der beiden oberen erwähnten Aspekte dar. Dieses Wissen auf den Text angewendet, kann man behaupten, dass der wissensreiche Mensch zum einen verträumt zum anderen berauscht und mit einem unermesslichen Wissensdurst eine Sache angeht. Er bemüht sich Herr dieser Sache zu werden, es zu kontrollieren und für sich zu nutzen. Doch scheitert er ab einem gewissen Punkt und muss aufgeben. Dennoch ist sein Forscherdrang nicht gestillt, wie eine lodernde Flamme, die immer nach mehr Nahrung verlangt, wird auch er nicht aufhören, bis sein Durst gestillt ist.

Das Werk fängt überraschend an, weckt die Interessen des Lesers mit Andeutungen und Vergleichen, fasst in kurzen Versen die Handlung zusammen und hört mit gleicher Entschlusskraft wie zu Beginn wieder auf. Der anfängliche Paarreim entwickelt sich zu einem umarmenden Reim, zusammen mit der alternierenden Kadenz verleiht er dem schön abklingenden Trochäus die Anmut und fasst die letzten Verse mit seiner Umarmung zusammen. Das Ganze verläuft dynamisch und selbstsicher, als wäre dies keine fiktive Erzählung, sondern eine Tatsache, an die man glauben muss.

Verfasser/in hinauf

Janagan Thillainthan, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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