Friedrich Schiller (1759-1805): Die Worte des Glaubens (1800)

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Gedichttext hinauf

Friedrich Schiller
Die Worte des Glaubens

Drei Worte nenn' ich euch, inhaltschwer,
Sie gehen von Munde zu Munde,
Doch stammen sie nicht von außen her;
Das Herz nur gibt davon Kunde.
Dem Menschen ist aller Wert geraubt,
Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd' er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Toren!
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht!

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie üben im Leben,
Und sollt' er auch straucheln überall,
Er kann nach der göttlichen streben,
Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
Wie auch der menschliche wanke;
Hoch über der Zeit und dem Raume webt
Lebendig der höchste Gedanke,
Und ob alles in ewigem Wechsel kreist,
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer,
Sie pflanzet von Munde zu Munde,
Und stammen sie gleich nicht von außen her,
Euer Innres gibt davon Kunde.
Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt,
So lang er noch an die drei Worte glaubt.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Schiller, Friedrich
Titel: Drei Worte des Glaubens
Thema: Ästhetische Erziehung
Erscheinungsjahr: 1800
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: Stefi Karbacher
Schwierigkeit: anspruchsvoll

Interpretation hinauf

Friedrich Schiller ist 1759 in Marbach geboren und verstarb 1805. Sein erst gedrucktes Gedicht „Der Abend“ erschien 1776. Das Gedicht „Worte des Glaubens“ schrieb er im Jahre 1800. In dieser Zeit lebte Schiller am Weimarer Hof und es entstanden vor allem Werke, welche der Weimarer Klassik zugeordnet werden können. In ihnen setzte er den Gedanken der ästhetischen Erziehung des Menschen um. In diesem Gedicht „Die Worte des Glaubens“ gibt das lyrische Ich eine Weisheit, die aus drei Worten aufgebaut ist, weiter. In der ersten Strophe wird eine Einleitung dazu gemacht. Die zweite bis vierte Strophe behandelt diese Worte, Freiheit, Tugend und Gottheit. In der fünften Strophe wird das Gedicht abgerundet, indem noch einmal auf die Wichtigkeit der drei Worte hingedeutet wird.

In der ersten Strophe weist das lyrische Ich auf drei Worte hin, ohne die der Mensch keine Werte hätte (V. 5 und 6). Weiter sagt es auch, dass diese Worte zwar alle kennen, jedoch nur die Seele eines Menschen widerspiegelt, ob sie auch gelebt werden. (V. 2-4) Diese Aussage wird auch durch das chaotische Versmass, Jamben, Daktylen, Trochäen und Anapäst wechseln sich ab, der einem strikten Reimschema (ababcc) gegenübersteht, unterstrichen. Das ungeordnete Versmass symbolisiert das Durcheinander, welches entsteht wenn die Menschheit sich nicht nach dieser Weisheit richtet. Wenn jedoch alle probieren, so zu handeln führt es zu einer stabilen Gemeinschaft, deshalb das geordnete Reimschema.

In der nächsten Strophe wird nun das Erste der drei Worte „Freiheit“ erläutert. Es wird gesagt, dass der Mensch immer frei ist, weil er dazu geboren ist (V.7-8). In der dritten Strophe wir auf die zweite Komponente „Tugend“ eingegangen. Das lyrische Ich stellt dabei das Göttliche als Vorbild dar. Man sollte versuchen nach dieser Vollkommenheit zu streben (V.16). Das letzte der drei Worte „Gottheit“ wird in der darauf folgenden Strophe besprochen. Mit diesen Versen sagt das lyrische Ich, dass es ein höheres Wesen gibt, welches allzeit über uns steht und Ruhe und Gleichheit vermittelt (V.19-24). In diesen drei Strophen wird immer wieder betont, dass ein gelegentliches Straucheln menschlich ist und mit stetiger Übung wird es schliesslich gelingen. Die letzte Strophe ist der ersten sehr ähnlich und bestärkt noch einmal von welch grosser Bedeutung diese Worte sind, da der Mensch ohne sie keine inneren Werte hätte.

Verfasser/in hinauf

Stefi Karbacher , Neue Kantonsschule Aarau (4b), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- PascalFrey - 22 Apr 2007

-- StefiKarbacher - 08 May 2007