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Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769): Der Kuckuck (um 1745)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Christian Fürchtegott Gellert
Der Kuckuck

Der Kuckuck sprach mit einem Star,
der aus der Stadt entflohen war.
"Was spricht man", fing er an zu schrein,
"was spricht man in der Stadt von unsern Melodein?
Was spricht man von der Nachtigall?"
"Die ganze Stadt lobt ihre Lieder." -
"Und von der Lerche?" rief er wieder.
"Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall."
"Und von der Amsel?" fuhr er fort.
"Auch diese lobt man hier und dort." -
"Ich muß dich doch noch etwas fragen:
Was", rief er, "spricht man denn von mir,"
"Das", sprach der Star, "das weiß ich nicht zu sagen;
denn keine Seele red't von dir." -
"So will ich", fuhr er fort, "mich an dem Undank rächen
und ewig von mir selber sprechen."

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Gellert, Christian Fürchtegott
Titel: Der Kuckuck
Thema: Natur
Erscheinungsjahr: 17 . .
Zeilen: 16
Link: hier
Rezensent/in: Miryam Ebneter
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Der Kuckuck“ von Christian Fürchtegott Gellert (1715 - 1769), geschrieben wahrscheinlich zwischen 1740 und 1750, in Gellerts kreativsten Phase, kann der Aufklärung zugeordnet werden. C. F. Gellert gilt als Moralphilosoph (ab 1745 hielt er in Leipzig Vorlesungen über Poesie, Beredsamkeit und Moral). Er stammte aus einer Priesterfamilie. Die Literatur in dieser Zeit hat vor allem eine erzieherische Funktion und fordert die „sittliche Besserung“ des Zuschauers. Auch fordert sie die „Emanzipation des Denkens“.

Das Gedicht ist in der Form eines Gesprächs zwischen einem Kuckuck und einem Star geschrieben, die als Fabelwesen miteinander sprechen. Der Kuckuck fragt den Star, wie man in der Stadt über die verschiedenen Vögel und deren Gesang denkt. Doch er kümmert sich nur vordergründig darum; eigentlich will er wissen, wie man seine Lieder in der Stadt lobt. Als der Star eine abweisende Antwort gibt, ist der Kuckuck beleidigt und will fortan „ewig von sich selber sprechen.“ (V.16). Das typische Merkmal von einer Fabel, nämlich die „Belehrung“, ist auch hier erfüllt: Zwei davon könnten sein, dass man nicht andere um ein Urteil über sich selbst fragt, oder, dass man nicht zu stolz oder eingebildet ist auf sich.

Aufgebaut ist das Gedicht aus 16 Versen, die sich immer reimen; entweder mit Paarreimen, umarmenden Reimen oder mit Kreuzreimen. Durch fast das ganze Gedicht hindurch zieht sich ein vierhebiger Jambus, mit Ausnahme des 4., 8., 13. und 15. Verses, die fünf- bzw. sechsfüssig sind. Der Jambus wirkt vorwärtsdrängend, was damit interpretiert werden kann, dass der Kuckuck auf die Antwort vom Star sehr gespannt ist. Darum will er die Fragen über die anderen Vögel möglichst schnell gestellt und beantwortet haben, bis er sich an die eigentliche Frage, nämlich wie die Stadt über ihn spricht, heranwagt. Wie schon gesagt, besteht nicht das ganze Gedicht aus vierhebigen Jamben; dies kann damit erklärt werden, dass Gellert so gewisse Verse betonen und gleichzeitig dem Gedicht eine Natürlichkeit geben wollte, sodass das Gespräch nicht nach Schema abläuft.

Verfasser/in hinauf

Miryam Ebneter, Neue Kantonsschule Aarau (4B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

-- MiryamEbneter - 06 Mai 2007