JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749–1832): Dem aufgehenden Vollmonde (1828)

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JOHANN WOLFGANG GOETHE

Dem aufgehenden Vollmonde

Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen,
Und nun bist du gar nicht da.

Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, daß ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.

So hinan denn! Hell und heller,
Reiner Bahn in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Goethe, Johann Wolfgang
Titel: Dem aufgehenden Vollmonde
Thema: Natur, Liebe
Gedichtform: Sonett
Erscheinungsjahr: 1828
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Corinne Hasler
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Dem aufgehenden Vollmonde“ von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) entstand 1828 in Dornburg bei Weimar.

Der Inhalt beschreibt die Liebesgefühle des lyrischen Ich. Wie es von seinem Liebes-partner unerwartet getrennt wird, jedoch aber Verbundenheit und Trost im An-blick des Vollmondes empfindet.

Die erste Strophe zeigt zunächst nur die äusserliche, objektive Erscheinung der Situation. „Verlassen“(1), „nicht da“(4) verstärken das Bild der „umfinsternden Wolkenmassen“ (3) und lassen das betrübte Gefühl der Verlassenheit deutlich spüren. Doch dann besinnt sich das lyrische Ich durch den Vollmond an das Versprechen geliebt zu sein, obgleich jeglicher Distanzen (7,8) und schöpft daraus neue Hoffnung. In der dritten und letzten Strophe gewinnt das Gedicht, trotz Trochäus, dem Versmass mit fallendem Charakter, an Geschwindigkeit und gelangt an seinen Höhepunkt. „Hell und heller“ (11), „schneller“ (13), „rein“(11), „volle Pracht“ (12) weisen auf die Vollkommenheit und Einzigartigkeit der Liebe hin. Doch mit diesen wachsenden, erregten Gefühlen nimmt auch der Schmerz zu. In der Nacht fühlt sich das lyrische Ich deshalb „überselig“ (14), da es nur zu jener Zeit dem Partner besonders nahe sein, und die schmerzliche Sehnsucht ertragen kann.

Goethe lässt das lyrische Ich sprechen, welches von seiner persönlichen Situation erzählt. Denn er richtet sich in diesem Gedicht an Marianne von Willemer, eine damalige Geliebte, mit der er vereinbart hatte, immer bei Vollmond aneinander zu denken.

Faszinierend scheint neben der Symbolik der Natur vor allem der Aufbau des Gedichts, ebenso wie Goethe seine Empfindungen in Worte zu kleiden vermochte. Obwohl die Wortwahl einfach gehalten wird, ist sie sehr präzise und ausdrucksstark. Interessant ist dabei, dass jeweils die letzten Wörter der Kreuzreime eine Ergänzung („Stern“ – „fern“ (6,8)) oder ein Gegenteil („so nah“ – „nicht da“ (2,4)) ergeben. Gerade dadurch kann der einheitlichen Form entgegengewirkt werden.

Verfasser/in hinauf

Main.Corinne Hasler, Neue Kantonsschule Aarau (4B), hat drei weitere Favoriten:

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