Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): Gefunden (1813)

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Gedichttext hinauf

Johann Wolgang von Goethe
Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Goethe, Johann Wolfgang
Titel: Gefunden
Thema: Natur, Abhängigkeit
Gedichtform: Ballade
Erscheinungsjahr: 1813
Zeilen: 20
Link: hier
Rezensent/in: ShawnGregory
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Angaben zu Autor/in und Entstehung
Das Gedicht "Gefunden" wurde im Jahre 1813 von Johann Wolfgang von Goethe als Geschenk für seine Frau Christiane Vulpius zum 25 jährigen Jubiläum verfasst. Dieses Werk entstand, so wie die Mehrheit der von Goethe geschriebenen Werke, unter dem Einfluss der Klassik-Epoche. Das harmonische Ideal dieses zeitgenössischen Gedichts wird durch die Darstellung des Wesens der Dinge, hier der Natur, und nicht der Abbildung, zum Vorzeigeexempell für diese Ära.

Beschreibung
a) Inhalt
Strophe 1: Ein nichts suchender, sorgloser Mensch bahnt sich seinen Weg auf einem friedlichen Spaziergang durch den Wald.
Strophe 2: Nahezu zu plötzlich entdeckt er eine Blume, dessen Schönheit ihn überwältigt.
Strophe 3: Intuitiv will er, ohne wirklichen Beweggrund dafür oder dagegen, das Blümchen knicken. Jedoch ändert er seine Absicht genauso blitzartig bei näherem hinhören.
Strophe 4: Sorgfältig gräbt er es aus, und trägts zu sich nach Haus.
Strophe 5: Und in seiner Obhut pflanz er es wieder.

Die Ich-Perspektive verstärkt zusammen mit dem erzählenden Charakter die Präsenz des "lyrischen Ichs" enorm.

b) Form
Es handelt sich bei diesem Klassikgedicht um eine vollendete Ballade, welche mit einem durchgehenden Jambus glänzt, sowie mit einer fest eingehaltenen Kadenz-Alternation. Dieses sehr stark erzählende Ballade ist von der Grundform in Kreuzreime aufgebaut, jedoch reimt sich immer nur das letzte Kreuzpaar jedes Verses.

rethorische Figuren
Personifikation / Z.6
Das Blümchen wird zum Mensch. Denn Blümchen wachsen nicht im Schatten, sie fühlen sich zur Sonne hingezogen. Menschen verstecken sich im Dunkeln. Am Ende des Verses kommt noch der Vergleich mit den Augen auf, welcher auch wieder eine Personifikation vermuten lässt.

doppelter Vergleich / Z.7+8
Hervorhebung und Betonung der Schönheit der Blume. Die Vergleiche lassen sich zusätzlich aufeinander anwenden.(„Deine Äuglein, so leuchtend wie die Sterne“)

Deutung
Zu diesem Gedicht gibt es unzählige Deutungsmöglichkeiten, wobei jedoch die biografische die Offensichtlichste darstellt. Christiane Vulpius, welcher er dieses Liebesgedicht schenkte, wuchs in einer niederen Gesellschaftsklasse auf, wurde jedoch dann durch die helfende Hand des liebevollen Gärtners Goethe in eine bessere Welt geführt. Aus dieser Ballade lassen sich ausserdem gewisse, für diese Zeitepoche typische Geschlechterrollen ableiten. Das Blümchen, die personifizierte Frau, welches das Schöne und Vollkommene darstellt, scheint hilflos im Schatten des Waldes unterzugehen. Weiter lässt sich der Einfluss der Klassik durch den auftauchenden Drang das Richtige zu tun beschreiben. Das "lyrische Ich" wird durch eine Kraft dazu bewogen das Blümchen sorgfältig auszugraben, mit nach Hause zu nehmen und dort weiter gedeihen zu lassen. So verschönert es seinen Garten und damit auch sein Leben.

Verfasser/in hinauf

Main.Shawn Gregory, Neue Kantonsschule Aarau (4C), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:www.deutschelyrik.de
  • Quelle 2:http://de.wikipedia.org/wiki/Christiane_von_Goethe