Johann Wolfgang von Goethe(1749-1832): Mignon (1782)

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Gedichttext hinauf

Goethe, Johann Wolfgang von
Mignon


Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, Kennst du es wohl? Dahin! Dahin Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!

Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach, Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach, Und Marmorbilder stehn und sehn mich an: Was hat man dir, du armes Kind, getan? Kennst du es wohl? Dahin! Dahin Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn!

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg? Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg, In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut, Es stürzt der Fels und über ihn die Flut: Kennst du ihn wohl? Dahin! Dahin Geht unser Weg! o Vater, laß uns ziehn!

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Goethe, Johann Wolfgang von
Titel: Mignon
Thema: Vater/Tochter Relation
Gedichtform: Lied
Erscheinungsjahr: 1782
Zeilen: 22
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Rezensent/in: Alain Schiffmann
Schwierigkeit: fordernd

Interpretation hinauf

Mignon ist eines der berühmteren Gedichte des Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Das Gedicht entstand 1782 und wurde später in sein Werk Wilhelm Meisters Lehrjahre integriert. Mignon, zu Deutsch: Das Liebchen, ist die Tochter eines Harfners der sie durch Inzest mit seiner Schwester gezeugt hat.

Das Gedicht ist schwierig einer Epoche zuzuordnen, denn es vereint Gefühle, wie auch Sehnsucht und doch eine Ordnung. Deshalb, kann das Gedicht sowohl dem Sturm und Drang als auch der Klassik und der Romantik zugewiesen werden.

Das Gedicht ist ein Dialog zwischen einem Kind (Mignon, also eine Tochter) und Ihrem Vater. Zunächst erzählt der Vater von der grossen und weiten Welt und danach antwortet das Mädchen mit den ähnlich bleibenden Worten: „ Dahin! Dahin! […] ziehn.“ Diese Worte des Kindes und der konstante fünfhebige Jambus geben dem Gedicht auch einen Zug; eine gewisse Dynamik.

1.Strophe: Beschreiben einer Idylle durch Metaphern und einfacher Symbolik. Die Erste Strophe ist ziemlich nach Sturm und Drang orientiert.

2.Strophe: Klassische, geordnete Darstellung eines Hauses. Die Säulen deuten auf eine Wiederaufnahme der Antike und auf eine Ordnung hin. Auch wirft sie dem Kind einige Ethische Fragen zu.

3.Strophe: Konsequenterweise sehr romantisch, mit Sehnsuchtsideen und den unendlichen Wolken, was sehr an den Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich erinnert.

Man braucht ein grosses Hintergrundwissen über den Text Wilhelm Meisters Lehrjahre und die Historischen umstände, und doch erkennt kann man das Gedicht nicht als ein typisches zeitgenössisches Qualifizieren. Man erkennt darin den Fluss und die unschärfe der Grenzen zwischen den verschiedenen Zeitepochen. Auch erkennt man relativ einfach den Dialog innerhalb der Strophen und die ihnaltliche dreiteilung der Strophen. Doch ist es schwierig, diesem vielseitigen Gedicht eine deutliche Deutung zuzuordnen, denn man kann es auf sehr viele Arten betrachten und endeckt immer eine neue Idee.

Verfasser/in hinauf

Alain Schiffmann, Neue Kantonsschule Aarau (2003C), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:Deutsche Lyrik: Eine Anthologie Haerausgegeben von Hanspeter Brode

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