Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): Mit einem gemalten Band (1771/1789)

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Gedichttext hinauf

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
Mit einem gemalten Band

Kleine Blumen, kleine Blätter
Streuen mir mit leichter Hand
Gute junge Frühlingsgötter
Tändelnd auf ein luftig Band.

Zephyr, nimm's auf deine Flügel,
Schling's um meiner Liebsten Kleid!
Und so tritt sie vor den Spiegel
All in ihrer Munterkeit.

Sieht mit Rosen sich umgeben,
Selbst wie eine Rose jung:
Einen Blick, geliebtes Leben!
Und ich bin belohnt genung.

Fühle, was dies Herz empfindet,
Reiche frei mir deine Hand,
Und das Band, das uns verbindet,
Sei kein schwaches Rosenband!

Quelle: Deutsche Lyrik, eine Anthologie, herausgegeben von Hanspeter Brode

Vorgelesen: keine Aufnahme

Kurzinformation hinauf

Autor/in: Goethe, Johann Wolfgang
Titel: Mit einem gemalten Band
Thema: Verliebtheit
Gedichtform: keine
Erscheinungsjahr: 1771/1789
Zeilen: 16
Link:  
Rezensent/in: HfidaElMouhibD
Schwierigkeit: mittelschwer


Interpretation hinauf

Es handelt sich um ein bekanntes Liebesgedicht von Goethe (1749-1832), das 1771/1789 entstanden ist. Das Gedicht wurde während der Sturm-und-Drang-Epoche geschrieben. Zu dieser Zeit war die prägende Kraft, seinen Gefühlen nachzugehen und sich selbst als Genie zu sehen.

Es handelt sich bei dem lyrischen Ich um einen Mann, der seine Verliebtheit und sein Verhältnis zu seiner Geliebten beschreibt. Er wünscht sich für immer mit seiner Geliebten zusammenzusein. Er bietet sogar den Windgott „Zephyr“ um Unterstützung beim Anlegen des Bandes, welches als Symbol für die Bindung des Paars und deren Liebe steht. Der Mann gesteht ihr seine Liebe und fordert sie auf, das Gleiche für ihn zu empfinden.

Der Titel betont den Inhalt des Gedichtes, nämlich das Band, das die Liebenden verbindet. Der Grund dafür, dass das Band gemalt ist, liegt daran, dass es in der Realität optisch nicht sichtbar ist. Das Liebesgedicht ist in vier Strophen mit jeweils vier Verszeilen gegliedert, in denen ein Kreuzreim (abab), sowie ein vier-hebiger Trochäus vorhanden ist. Dieser ist in jedem ersten und dritten Vers stumpf, in jedem zweiten und vierten Vers klingend. Die erste Strophe handelt vom lyrischen Ich, in der zweiten und dritten Strophe erzählt das lyrische Ich von seiner Geliebten. Die letzte Strophe handelt vom lyrischen Ich und seiner Geliebten. Darin kommt zum ersten Mal das Wort „uns“ vor und verstärkt die Bindung mit dem Rosenband. Die gewählte Sprache ist poetisch und mit vielen Metaphern versehen. Das Wort „Frühling“ in Vers drei steht für die blühende Liebe, die „Flügel“ in Vers 5 für die Leichtigkeit und die Rosen sind ein Zeichen der Schönheit und Liebe. In Vers 12 wurde, genug auf „genung“ umgeändert ( Neologismus), damit es sich auf „jung“ reimt. Die gesamte erste Strophe ist ein Enjambement, welches auch in Zeile 7 und 8 vorzufinden ist.

Die Aussage des Liebesgedichtes ist simple und lässt dadurch wenig Raum für Deutungen. Thematisiert werden die typischen Merkmale der Literaturepoche von Sturm und Drang. Genies und Liebende, die gegen die Wirklichkeit anrennen, sowie die Abkehr von der Regelpoetik. Zur Zeit, in der Goethe das Liebesgedicht schrieb, war er in Leipzig bei einer Gastfamilie zu Hause. Dort lernte er die schöne Anna Katharina Schönkopf kennen. Sie war die Tochter des Gastvaters Christian Gottlieb Schönkopf. Man könnte sich nun fragen, ob dieses Gedicht für die schöne Katharina bestimmt war und das lyrische Ich Goethe repräsentieren soll.

Verfasser/in hinauf

Hfida El Mouhib, Neue Kantonsschule Aarau (4C), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- HfidaElMouhib - 17 Oct 2006