Johann Wolfang Goethe (1749-1832): Neue Liebe neues Leben (1776)

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Gedichttext hinauf

Johann Wolfgang Goethe
Neue Liebe neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh’ —
Ach wie kamst du nur dazu!

Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu’ und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach! mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen läßt,
Hält das liebe, lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung ach wie groß!
Liebe! Liebe! laß mich los!
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Tschung, Kathrin
Titel: Neue Liebe neues Leben
Thema: Liebeskummer
Gedichtform: Ballade
Erscheinungsjahr: 1776
Zeilen: 24
Link: hier
Rezensent/in: Kathrin Tschung
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Angaben zu Autor und Entstehung

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er starb am 22. März 1832 in Weimar. Auf Wunsch seines Vaters studierte Goethe Rechtswissenschaften und Philosophie. 1772 begann seine eigentliche schriftstellerische Laufbahn und arbeitete für die Frankfurter Gelehrten Anzeigen, eine der bedeutendsten publizistischen Zeitungen des Sturm und Drang. Seine Liebesbeziehung zur Bankierstochter Lili Schönemann verlief problematisch und floh in die Schweiz, wo er die Verlobung wieder löste. Diese Begegnung war der Auslöser für weitere dichterischen Werke, unter anderem auch „Neue Liebe neues Leben“.

Das lyrische Ich redet mit seinem Herz, welches einer Frau verfallen ist. Sein Verstand wehrt sich jedoch gegen diese Gefühle. Somit werden Herz und Verstand verglichen. Das Herz ist dem Verstand überlegen und er stellt fest, dass Liebe nicht über Logik und Kalkulation zu bestimmen ist. Das lyrische Ich versucht vergebens sich gegen seine Gefühle zu wehren und will den Schmerz nun endlich vergessen.

Das Gedicht gliedert sich in drei Strophen mit jeweils acht Zeilen. Diese drei Strophen bestehen aus Trochäen jeweils aus Vierhebern und immer abwechslungsweise weiblicher und männlicher Reim. Das Reimschema ist in den ersten vier Zeilen ein Kreuzreim und in den jeweils vier letzten Zeilen ein Paarreim. In der ersten Strophe setzte Goethe in der siebten Zeile einen Gedankenstrich, welche als Verschnaufpause hier steht und den Seufzer „ach“ betont. Die Interpunktion unterstreicht das Empfinden des lyrischen Ichs mit Gedankenstrich, Ausrufezeichen und vielen Kommas, welche immer wieder kleine Pausen zwischendurch geben und mit dem Rhythmus des Trochäus’ den Rhythmus verlangsamen und somit den Schmerz und die Sehnsucht zum Ausdruck bringen.

In der ersten Strophe fragt das lyrische Ich sein Herz warum es so traurig und verzweifelt ist. Sein Herz sei nicht mehr zu erkennen durch den Schmerz, das es erlitten hat. Er will diesen Schmerz vergessen und fragt in der achten Zeile, wie das dazu gekommen ist. Das „Ach“ ist ein kleiner Seufzer der Verzweiflung. In der zweiten Strophe fragt das lyrische Ich sein Herz nach den Gründen dieser unerklärlichen Liebe. Die Wörter „Jugendblüte“, „liebliche Gestalt“, „Blick voll Treu’ und Güte“ gibt uns ein Bild dieser Frau, welches sie so liebenswert erscheinen lässt. Schliesslich sieht er ein, dass er seinen Gefühlen ergeben ist und resigniert. Das „Ach“ in der achten Zeile ist mit einem Ausrufezeichen versehen, welches wie eine Aufforderung wirkt. In der dritten und letzten Strophe gibt das Gedicht eine Wendung. Das lyrische Ich ergibt sich unwillig der Liebe und der Frau. In der fünften Zeile braucht er das „Muss“, welches bestätigt, dass er gezwungen wird in ihren „Zauberkreise“, welche die positiven Seiten einer Liebe sind und er akzeptiert, zu leben. Im letzten Vers schreit das lyrische Ich nach Liebe und sagt dann doch, „lass mich los“. Dies ist die Angst, welche das lyrische Ich nicht unterdrücken konnte und sich deshalb doch nicht ganz der Liebe ergeben kann.

Angaben zu Autor/in und Entstehung
Beschreibung
a) Inhalt
b) Form
Deutung
Verfasser/in (mit 3 Favoriten)
max. 2500 Zeichen inkl. Leerzeichen

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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