Lessing, Gotthold Ephraim (1729-1781): Lob der Faulheit (1902)

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Gedichttext hinauf

Gotthold Ephraim Lessing
Lob der Faulheit

Faulheit, endlich muß ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen!
O!. . . Wie. . . sauer. . . wird es mir
Dich nach Würde zu besingen!
Doch ich will mein Bestes tun:
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut, wer dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben. . .
Ach!. . . ich gähn!. . . ich. . . werde matt.
Nun, so magst du mir's vergeben,
Daß ich dich nicht singen kann:
Du verhinderst mich ja dran.

Quelle:
hier

Vorgelesen:
http://www.vorleser.net/html/lessing.html
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Lessing, Gotthold Ephraim
Titel: Lob der Faulheit
Thema: Faulheit
Erscheinungsjahr: 1771
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: François Meier
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Gotthold Ephraim Lessing wurde im Jahre 1729 in Kamenz, als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Er ist ein bedeutender Dichter der Aufklärung. Unter anderem dichtete er folgende bekannte Werke: "Nathan der Weise" und "Emilia Galotti". Gotthold Ephraim Lessings Gedicht "Lob der Faulheit" handelt von der Unmöglichkeit die Faulheit zu loben, während man selber faul ist. Das Gedicht besteht aus zwei Strophen à sechs Versen. Bei beiden Strophen sind die ersten vier Verse im Kreuzreim mit abwechselnder männlicher und weiblicher Kadenz und die letzten zwei Verse im Paarreim mit männlicher Kadenz gereimt (ababcc). Der durch das ganze Gedicht fallende Rhythmus des Trochäus bewirkt eine nachdenkliche Stimmung. Zum Teil sind Enjambements vorhanden, so dass an manchem Versende keine Pause entstehen. Auffallend ist die Allegorie der Faulheit ("dir", V.1), die sich durch das ganze Gedicht zieht. Diese Personifikation ermöglicht dem lyrischen Ich die Faulheit direkt anzusprechen. Der zweite und vierte Vers sind Ausrufe. In der ersten Strophe findet das lyrische Ich es sei an der Zeit die Faulheit zu loben ("Loblied", V.2), jedoch bereitet dies dem lyrischen Ich Mühe ("sauer...wird es mir", V.3). Es findet nämlich man solle nur ruhen, nachdem man gearbeitet hat ("Nach der Arbeit", V.6). In der zweiten Strophe beginnt es mit dem Loblied für die Faulheit ("Höchstes Gut", V.7), aber wird jetzt selber müde und faul ("ich gähn", V.9) und bittet die Faulheit um Vergebung ("du mir's vergeben,", V.10), dass es das Loblied nicht dichten kann. Ironischerweise verunmöglicht die Faulheit selbst dem lyrischen Ich ("Du verhinderst", V.12) ein Loblied zu Gunsten der Faulheit zu singen. Aus der Ironie des Gedichtes geht hervor, dass Gotthold Ephraim Lessing ein vernünftiges Mass für Ausruhen verlangt. Sobald die Erholung mehr als bloss Ausruhen nach der Arbeit ist und den Menschen am Arbeiten hindert, wird sie zur lästigen Faulheit. Das Gedicht überzeugt mich dank der Einfachheit und dem witzigen und ironischem Stil Lessings. Ich bin auch der Meinung, dass zu viel Ausruhen kontraproduktiv ist, allerdings im richtigen Mass als Erholung nach der Arbeit geeignet ist.

Das Gedicht „Lob der Faulheit“ von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), geschrieben 1771, kann der Aufklärung zugeordnet werden.

Verfasser/in hinauf

François Meier , Neue Kantonsschule Aarau (4B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- PascalFrey - 22 Apr 2007

-- NicolasMeier - 09 Sep 2007