Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): Lob der Faulheit (1771)

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Gedichttext hinauf

Gotthold Ephraim Lessing

Lob der Faulheit

Faulheit jezo will ich dir
Auch ein kleines Loblied schenken.
Käm es nur gleich aufs Papier,
Ohne lange nachzudenken.
Doch, ich will mein bestes thun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut! Wer dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben
Wird - - ich gähn - - ich werde matt - -
Nu - - So - - magst du mirs vergeben,
Dass ich dich nicht loben kann;
Du verhinderst mich ja dran.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Lessing Gotthold Ephraim
Titel: Lob der Faulheit
Thema: Faulheit
Gedichtform: Aphorismus
Erscheinungsjahr: 1771
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Esther Hommes
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Lob der Faulheit“ von Gotthold Ephraim Lessing, (1729-1781, Deutschland), erschien 1771 und wurde in der Zeit der Aufklärung geschrieben. Als führender Vertreter der deutschen Aufklärung wurde er zum Vordenker für das Selbstbewusstsein des Bürgertums. Aufklärung ist das Zeitalter der Kritik. In diesem Gedicht wird thematisiert, wie das lyrische Ich im Gespräch mit sich selber merkt, dass man die positiven Aspekte der Faulheit erst nach einer Anstrengung schätzen und geniessen kann. Dies wird in dem zweitletzten und letzten Vers der ersten Strophe dargestellt. Es drückt somit den Spruch: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ aus, wobei das Vergnügen in diesem Fall durch Faulheit ersetzt werden kann. Es beschreibt die Vernunftsreligion, da das lyrische Ich den Wert der Faulheit anerkennt, die mit dem Optimismus verbunden ist (Vers 5) und weil das lyrische Ich sagt, dass die Arbeit vor der Faulheit kommt. Beide Themen waren in der Zeit der Aufklärung sehr bedeutend. In der zweiten Strophe kommt die Realität nun aber zum Vorschein. Das lyrische Ich schätzt die Faulheit nach getaner Arbeit sehr. In Vers 9 und 10 wird das lyrische Ich nun mit der negativen Seite der Faulheit und dessen Nebenwirkungen konfrontiert. Es wird jetzt so faul, dass es sich zu nichts mehr motivieren kann. („Dass ich dich nicht loben kann; Du verhinderst mich ja dran“) Zu den Leitmotiven gehören die Faulheit, die Vernunftsreligion, das Lob der Faulheit mit seinen positiven und negativen Werten. Das Gedicht besteht aus zwei Strophen mit 12 Versen. Das Versmass ist ein 4-hebiger Trochäus, der die nachdenkliche Stimmung des lyrischen Ichs unterstreicht. Des Weiteren steht das Gedicht im Kreuzreim, wobei die letzten beiden Verse beider Strophen eine weitere männliche Kadenz aufweisen. Dadurch werden die Verse 5+6 und 11+12 stärker betont. Diese vier Verse verdeutlichen die Hauptaussage des Gedichtes. Das Gedicht ist in Form eines Monologes verfasst, das lyrische Ich spricht also mit sich selber. Dies erleichtert es dem Leser, sich mit dem lyrischen Ich zu identifizieren. Es gibt keine Anaphern und keine Epiphern. Eine Parenthese gibt es nur in den Versen 9 und 10. Wie es in der Zeit der Aufklärung üblich ist, wird auch hier das lyrische Ich als eine reale Person dargestellt, was als weiterer Faktor dazu führt, dass man sich gut in den Protagonisten hineinversetzen kann.

Thema / Schlagworte:
- Faulheit
- Optimismus
- Selbstkritik

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

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