Andreas Gryphius (1616-1664): Abend (1650)

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Gedichttext hinauf

Abend

Andreas Gryphius




Der schnelle Tag ist hin. Die Nacht schwingt ihre Fahn
Und führt die Sternen auf. Der Menschen müde Scharen
Verlassen Feld und Werk. Wo Tier und Vögel waren,
Trauert itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit vertan!

Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glieder Kahn.
Gleich wie dies Licht verfiel, so wird in wenig Jahren
Ich, du, und was man hat, und was man sieht, hinfahren.
Dies Leben kömmt mir vor als eine Renne Bahn.

Lass, höchster Gott, mich doch nicht auf dem Laufplatz gleiten!
Lass mich nicht Ach, nicht Pracht, nicht Lust, nicht Angst verleiten!
Dein ewig heller Glanz sei vor und neben mir!

Lass, wenn der müde Leib entschläft, die Seele wachen,
Und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen,
So reiss mich aus dem Tal der Finsternis zu dir.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Gryphius, Andreas
Titel: Abend
Thema: Lebensabend
Erscheinungsjahr: 1650
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Florian Fankhauser
Schwierigkeit: leicht

Rezension hinauf

Zuerst scheint es, Andreas Gryphius wolle die Dämmerung beschreiben. Dieser Irrtum klärt sich aber spätestens im 4ten Vers auf mit der Aussage "Wie ist die Zeit vertan". Von da an wird klar, dass das Hauptthema der Tod bzw. Lebensabend ist. Das Gedicht ist einfach zu lesen. Zum Einen ist die Sprache sehr einfach und der Satzbau leicht verständlich. Zum Andern ist das ganze Gedicht in Jamben geschrieben welche das Gemüht des lyrischen Ichs gut widerspiegeln. Das Gedicht ist ein klassisches Sonett bestehen aus 4 Strophen zu 4 bzw. 3 Versen. Die Strophen zu 4 Versen sind in Klammerreim geschrieben, die anderen beiden nach dem Schema aab ccb.

Themen:

- Tod
- Lebensabend
- Sinn des Lebens
- Einsamkeit

Schlagworte:

- trauert itz die Einsamkeit
- Wie ist die Zeit vertan
- müde Glieder
- hinfahren
- entschläft
- der letzte Tag

Interpretation hinauf

Das Gedicht weist, als ein Werk von Andreas Gryphius, die typischen Merkmale seiner Epoche, des Barocks auf. Ganz nach dem Merksatz „Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden“ spricht es die Vergänglichkeit von allem was wir kennen an. Gryphius spricht darin speziell über den bevorstehenden Tod. Man bekommt beim lesen das Gefühl einer Art Entzeit-Vorstellung (Strophe 1) die sich erhärtet wenn man das Gedicht genauer zu interpretieren Versucht. Ins Gesamt könnte man das Gedicht als das letzte Gebet einer Person anschauen, die merkt dass sie sich an ihrem Lebensabend (Vers.1 „Der schnelle Tag ist hin. Die Nacht schwingt ihre Fahn“) befindet und jetzt noch mit sich Gott und der Welt abschliessen will.

Die erste Strophe beginnt mit der Einsicht, dass das Leben jetzt vorbei ist und der Tod naht (Vers 1 + 2). Dann scheint der Autor aber beinahe das Gefühl zu haben mit ihm gehe langsam die ganze Welt unter (Vers 2-4 „Der Menschen müde Scharen Verlassen feld und werck Wo Thier und Vögel waren Trawert itzt die Einsamkeit“). Auch trauert er darüber nach, sein Leben nicht so verwirklicht zu haben wir er es hätte sollen und nichts erreicht zu haben (Vers 4 „Wie ist die Zeit vertan!“)

In der zweiten Strophe scheint er beinahe etwas ängstlich zu bemerken wie sein tod nun langsam in greifbare Nähe kommt (Vers 5 Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glieder Kahn“). Er realisiert, dass nun bald er entschwinden wird, wie er es früher von anderem gekannt hat (Vers 6 + 7 „ Gleich wie dies Licht verfiel, so wird in wenig Jahren, Ich, du und was man hat, und was man sieht hinfahren.) Auch hat er das Gefühl, dass sein Leben rückblickend viel zu schnell abgelaufen sei (Vers 8 „Dies Leben kommt mir vor als eine Renne Bahn.

Verfasser hinauf

Andreas Gryphius der eigentlich Andreas Greif hiess(* 2. Oktober 1616 in Glogau, Schlesien; † 16. Juli 1664 in Glogau) war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Barock. Er war der bedeutendste deutsche Sonettdichter des 17. Jahrhunderts.

Florian Fankhauser , Neue Kantonsschule Aarau (3a), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

-- FlorianFankhauser - 11 May 2007