Friedrich Hebbel (1813-1863): Herbstbild (1852)

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Gedichttext hinauf

Friedrich Hebbel
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

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Vorgelesen:
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Hebbel, Friedrich
Titel: Herbstbild
Thema: Lebenszyklus
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1852
Zeilen: z.B. 8
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Rezensent/in: MatthiasSuter
Schwierigkeit: anspruchsvoll

Interpretation hinauf

Dies ist eines der weniger berühmten Gedichte Hebbels (1813-1863) und wurde im Oktober 1852 in Wien geschrieben. Bei dem Gedicht betrachtet das lyrische Ich einen Herbsttag wie ein Bild, das an einer Wand hängt. Deshalb bleibt das lyrische Ich auch stehen um die Eindrücke der Natur genau zu beschreiben.
Es ist ein spezieller Herbsttag wie das lyrische Ich ihn noch nie wahrgenommen hat, da es absolut Windstill ist. Dennoch wird beobachtet wie die Blätter und Früchte von den Bäumen fallen. Jedoch wird nicht eine grosse Kraft benötigt(z.B. ein Sturm), es reicht schon ein sanfter Strahl der Sonne.
Nun appelliert das lyrische Ich an die Menschen, sie sollen sich nicht einmischen. Die Natur weiss wann die Zeit gekommen ist die Blätter und Früchte fallen zu lassen ohne, dass man sie stört.
Das Gedicht enthält regelmässige 5-hebige Jamben, die Strophen sind jeweils 4 Zeilen lang mit dem Reimschema abab bez. cdcd (Kreuzreime). Durch die männlichen Kadenzen zusammen mit dem Präsens, lässt vermuten, dass das lyrische Ich den jetzigen Moment schildert.
Das Gedicht soll jedoch nicht einfach ein schönes Bild der Natur zeigen, sondern soll durch eine Allegorie den Zyklus des Werdens und Vergehens (Leben und Tod) zeigen. Am Beispiel dieses alljährlichen Naturphänomens, hat es Hebbel geschafft den Drang der Menschen länger zu leben, ohne Provokation darzulegen. Wie die Natur akzeptiert, wann sie ihre Blätter abwerfen muss, sollte auch der Mensch seinen Tod hinnehmen.
Durch die Medizin (im Gedicht angesprochen durch den Appell) würde der Zyklus des Lebens durcheinander gebracht werden. Hebbel hat jedoch verzichtet, irgend eine negative Folge zu nennen. Er weißt lediglich darauf hin, dass die Natur weiss, was sie wann zu tun hat und so sollte es auch der Mensch wissen. Somit lässt sich dieses Gedicht in die Biedermeierepoche einordnen.

Verfasser/in hinauf

MatthiasSuter, Neue Kantonsschule Aarau (3D), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:www.maraba.de/Dichter/hebbel1.htm
  • Quelle 2:www.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Hebbel
  • Quelle 3:

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-- MatthiasSuter - 01 Dec 2006