HEINRICH HEINE (1797-1856): Fragen (1825-26)

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Gedichttext hinauf

Heinrich Heine
Fragen

Am Meer, am wüsten nächtlichen Meer
Steht ein Jüngling-Mann,
Die Brust voll Wehmut, das Haupt voll Zweifel,
Und mit düsteren Lippen fragt er die Wogen:

"O löst mir das Rätsel des Lebens,
Das qualvoll uralte Rätsel,
Worüber schon manche Häupter gegrübelt,
Häupter in Hieroglyphenmützen,
Häupter in Turban und nachtschwarzem Barett,
Perückenhäupter und tausend andere

Arme, schwitzende Menschenhäupter -
Sagt mir, was bedeutet der Mensch?
Woher ist er kommen? Wo geht er hin?
Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?"

Es murmeln die Wogen ihr ewiges Gemurmel,
Es wehet der Wind, es fließen die Wolken,
Es blinken die Sterne, gleichgültig und kalt,
Und ein Narr wartet auf Antwort.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Heine, Heinrich
Titel: Fragen
Thema: Philosophie
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1825-26
Zeilen: 18
Link: hier
Rezensent/in: Bahar Cakan
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht "Fragen" von Heinrich Heine wurde in Jahren1825-26 als zweiter Teil des Zyklus "Nordsee" geschrieben. Heine (1797-1856) war ein deutscher Dichter der Zeitepoche Romantik.
Bei diesem Heines Werk geht es um die Konflikte eines Jünglings mit sich selber während der Übergangszeit vom Jüngling- zum Erwachsenensein, bei der er zwischen den Religionen verzweifelt und unsicher ist.
Das Gedicht hat ungleichmässige Strophen- und Zeilenlängen. Es ist aus drei Strophen, wobei die erste und die letzte aus vier und diejenige in der Mitte aus acht Versen bestehen. Es ist im Blankvers geschrieben, aber die vorkommende Wiederholungen von Wörtern erzeugen eine Melodie.
Bei der ersten Strophe wird die gedrückte Stimmung eines Jünglings durch die Beschreibung der Natur und seinem Körperzustand erklärt. Sein Inneres entspricht der Natur und er ist von dunklen Gedanken beschäftigt.
Die zweite Strophe ist das Gespräch dieses Jünglings mit sich selber. Das Gespräch wird durch Fragen - wie der Titel auch lautet- über Religionen, die mit ihren charakteristischen Kleidung dargestellt werden, geführt. Auch der Mensch wird in Frage gestellt. Der Jüngling sucht den Sinn des Lebens.
Die dritte Strophe wird mit dem Ausgangspunkt (erste Strophe) gleichgestellt. Das heisst, der Jüngling befindet sich im gleichen Zustand wie früher und hat diese Fragen nicht beantworten können. Als Merkmal dieser romantischen Epochen trifft man hier die offene Form: In diesem Gedicht werden die Religionswissenschaft, die Philosophie des Mensch und die Poesie miteinander verbunden. Der Autor spottet schliessendlich das lyrische Er, da er am Schluss immer noch hilflos und zwischen den verschiedenen Religionen verzweifelt und unentschlossen ist. Das Konflikt mit den Religionen kann man in der Biografie des Autors finden. Hier wird die Phase zwischen Pubertät und Erwachsen gewählt, weil erst dann ist man fähig kritisch zu denken.

Verfasser/in hinauf

Bahar Cakan , Neue Kantonsschule Aarau (4a), hat drei weitere Favoriten:

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