Heinrich Heine (1797-1856): Lass ab! (1829)

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Gedichttext hinauf

Laß ab!

Der Tag ist in die Nacht verliebt,
Der Frühling in den Winter,
Das Leben verliebt in den Tod -
Und du, du liebest mich!

Du liebst mich - schon erfassen dich
Die grauenhaften Schatten,
All deine Blüte welkt,
Und deine Seele verblutet.

Laß ab von mir, und liebe nur
Die heiteren Schmetterlinge,
Die da gaukeln im Sonnenlicht -
Laß ab von mir und dem Unglück.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Heine, Heinrich
Titel: Lass ab
Thema: Liebe
Erscheinungsjahr: 1829
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Lorena Bettin
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Lass ab“ von Heinrich Heine (einer der bedeutendsten deutschen Dichter), welcher am 13.12. 1797 in Düsseldorf geboren wurde und am 17.02 1856 in Paris verstarb, handelt von einer unglücklichen Liebe. Das lyrische Du ist in das lyrische Ich verliebt, das Ich aber möchte, dass das Du von ihm absieht und sich nicht ins Unglück stürzt. (V. 9) Das Ich scheint zu wissen, dass es nicht gut gehen würde, wenn das Du und das Ich zusammen wären. (V.12) Es weiss, dass der Tag genau so zur Nacht gehört wie der Frühling zum Winter und dass das Leben ohne den Tod nicht existieren könnte. (V.1-3) Das Ich gehört auf die gleiche Weise zum Du. Das Ich kann jedoch unmöglich mit dem Du zusammen sein, denn auch die Nacht kann nicht zugleich Tag sein und Frühling wird es nicht gleichzeitig wie Winter. Das Ich denkt von sich selbst nur schlechtes und dunkles. (V.6, „grauenhafte Schatten“) und hat Angst, dass es das noch unverdorbene, reine Du überschatten und zerstören könnte (V.7/8) Es möchte, dass das Du sein Leben geniesst und die schönen Seiten des Lebens schätzt. Es soll die Schattenseiten im Leben verdrängen. Aus diesem Grund soll das Du das Ich vergessen und sich von ihm abwenden, es soll die Liebe für die schönen Dinge aufheben und sich nicht ins Elend und Unglück stürzen, es soll nicht das Unrealistische versuchen sondern realistisch bleiben. (V.12)Das Du soll sich richtig verlieben können und mit dieser Liebe glücklich sein, es soll Schmetterlinge im Bauch haben und eine Lebensfreude ausstrahlen. (V. 10, „die heiteren Schmetterlinge“). Die Schmetterlinge sollen sich vom Ich distanzieren und sich auf die Suche nach einem neuen Ich machen. Das Gedicht ist in 3 Strophen eingeteilt. Die Strophen haben jeweils vier Verse. In der zweiten und dritten Strophe kommt ein Enjambement vor (Str.2, V6/7, Str.3, V10/11). Das Enjambement der zweiten Strophe verdeutlicht, dass es schlecht wäre, wenn das Du nicht vom Ich ablässt. Zudem zieht das Enjambement die Wirkung der zweiten Strophe etwas in die Länge, was bewirkt, dass man den Eindruck hat, dass das „Unheil“ zwischen dem Du und dem Ich schon lange andauert. Die Strophen des Gedichtes sind mit einem vierhebigen Jambus versehen, was vor allem die erste und dritte Strophe verträumt und idyllisch erscheinen lässt. Das Gedicht hat kein Reimschema, nur der vierte und fünfte Vers reimen sich. Es besitzt viele Anaphern (Bsp.: dritte Strophe, V.9/12, „lass ab“). Die Anaphern verdeutlichen und bekräftigen die Aussage des lyrischen Ich. Sie zeigen, dass das lyrische Ich wirklich möchte, dass das lyrische Du sich vom Ich abwendet.

Themen/ Schlagworte hinauf

Liebe
Verbundenheit
Unglück

Verfasser/in hinauf

Lorena Bettin, Neue Kantonsschule Aarau, hat drei weitere Favoriten:

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