FRIEDRICH HÖLDERLIN (1770-1843): Die Eichbäume (1797)

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Gedichttext hinauf

Friedrich Hölderlin
Die Eichbäume

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt` und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Hölderlin Friedrich
Titel: Die Eichbäume
Thema: Zivilisationskritik (Naturverlust)
Gedichtform: Ode
Erscheinungsjahr: 1797
Zeilen: 19
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Rezensent/in: Kristina Krempaska
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Friedrich Hölderlin (1770-1843) ist ein berühmter deutscher Lyriker. Er befasst sich bevorzugt und einfühlsam mit der Bestimmung des Menschen, der Natur, der Liebe und der göttlichen Macht, ähnlich wie Goethe. Schillers Haltung zu Hölderlin, (der Schiller bewunderte), war ambivalent. Hölderlins Verehrung galt der altgriechischen Kultur, auch hier eine Parallele zu Goethe und Schiller. Hölderlins Werk wurde bis lange nach Hölderlins Tod eher als angelehnt an Schiller betrachtet und weniger als eigenständiger Ausdruck von Hölderlins grossem poetischem Talent. Seine „Rehabilitation“, also Wiederentdeckung, erfolgte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Das Gedicht „Die Eichbäume“ ist im Jahre 1797, gegen Ende der Klassik und anfangs der Romantik, entstanden. Die romantischen Motive sind unverkennbar, doch auch der klassische Aspekt ist vorhanden. Die deutlichen romantischen Züge lassen sich in der „ Sehnsucht nach etwas Fernen, Unerfüllbaren und Unerreichbaren“ sehen. Eine Anapher zu Beginn des Gedichtes hebt hervor, dass sich das explizite lyrische Ich in einem Garten befindet, welcher von fleissigen Menschen gepflegt wird, und es wandert dann in die Berge, wo die Eichen wie Götter zusammen leben. Der Dichter empfindet den Garten als einen begrenzten Lebensraum. Die Berge jedoch, wo die Eichen nur dem „Himmel gehören“, stehen für die Sehnsucht nach der Weite der Aussenwelt.
Hölderlin sehnt sich nach einer Gesellschaft ohne Machtausübung, Zwänge und Unterdrückung, jedoch ist er an das gesellige Leben gebunden und kann nicht einfach gehen. Gleichzeitig wird auch der Gegensatz „Einsamkeit-Gesellschaft“ angesprochen. Ein weiteres romantisches Merkmal im Gedicht ist der Kontrast zwischen „ Kulturlandschaft und Naturlandschaft “. Die Natur in den Gärten lebt „geduldig und häuslich“ d.h. die Pflanzen werden von den Menschen gezüchtet und so behandelt/erzogen, wie es die Menschheit verlangt. Jedoch die Eichbäume in den Bergen, die ein Bild der Gemeinschaft darstellen, können unbeschwert und frei leben.
Das Verhältnis von Mensch und Natur ist ein sehr tiefes. Der Dichter, ein grosser Naturfreund, verwendet Apostrophen, wenn er die Bäume direkt anspricht, gleichzeitig beneidet er sie um ihre Freiheit. Hölderlins Ehrfurcht vor den mächtigen Eichen wird durch Vergleiche („wie ein Volk von Titanen“, „wie der Adler die Beute“) verstärkt.
Den klassischen Einfluss könnte man in der „ästhetischen Erziehung bzw. im Humanitätsideal “ sehen. Hölderlin geht in seinem Gedicht der Frage nach, warum sich ein Mensch anpassen und fügen muss, um in einer Gesellschaft überleben zu können. Weshalb kann die Menschheit nicht - wie die Eichen - „in freiem Bunde“ zusammenleben?

Die Sprache ist schlicht, das Gedicht gut verständlich und somit ist der Schwierigkeitsgrad gering. Die Ode hat keinen Reim und zeigt keine sichtbare äussere Gliederung. Trochäen und Daktylen sind gemischt und unregelmässig, jedoch mit Auftakt. Der Zeilenstil mit einigen Enjambements hat keinen markanten Einfluss auf das Gedicht.

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1: www.bücher-wiki.at
  • Quelle 2: www.cdrnet.net Knowledge --> Epochenübersicht
  • Quelle 3: www.sternenfall.de
  • Quelle 4: TSS, Notizen Deutschstunde 18.12

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