Hugo von Hofmannsthal (1874-1929): Die Beiden (1895)

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Gedichttext hinauf

Hugo von Hofmannsthal
Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand
-Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand-,
So leicht und sicher was ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, dass es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Dass keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: von Hofmannsthal, Hugo
Titel: Die Beiden
Thema: Liebe
Gedichtform: Sonett
Erscheinungsjahr: 1895
Zeilen: 14
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Rezensent/in: YasminBerglas
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

“Die Beiden” ist eines der unzähligen Werke Hugo von Hofmannsthals (1874-1929), welches er 1895 und somit zur Zeit des Impressionismus und Symbolismus verfasste. Das Gedicht ist vor allem durch den Symbolismus geprägt, welcher sich unter anderem durch die Thematisierung von Emotionen und die Verwendung von Symbolen auszeichnet.

Im Gedicht geht es um einen Mann und eine Frau, deren Liebe daran scheitert, dass sie ihre Gefühle, vor allem ihre innere Nervosität, verbergen und überspielen. Aus der Sicht eines neutralen Beobachters (implizites lyrisches Ich) wird geschildert, wie beide versuchen, möglichst selbstsicher und gelassen auf den anderen zu wirken. Diese Fassade fällt jedoch ab, als sie ihm einen Weinbecher geben will, wobei sie den Wein vor Nervosität verschütten.

Das Gedicht entspricht annähernd der Gedichtform eines Sonetts, weist jedoch einige Abweichungen auf. Die drei Strophen sind alle in einem 4-hebigen Jambus geschrieben, wobei die erste Strophe einen Paarreim, die Zweite einen umarmenden Reim und die Dritte einen von einem Kreuzreim umschlossenen Paarreim aufweist (aabb acca adeead). Die Reimformen der ersten beiden Strophen unterstreichen die Leichtigkeit, die von den beiden Liebenden erzwungen wird. Im Gegensatz dazu betont das kompliziertere Reimschema der dritten Strophe, dass diese Leichtigkeit abgefallen ist und sie nun nicht mehr mit der Situation zurechtkommen. Die Kadenz ist männlich, mit Ausnahme der Verse 6, 10 und 14. Das Gedicht ist im Zeilenstil mit einem einzigen Enjambement in Vers 8 verfasst, durch welches die Worte „erzwang er“ betont und somit ein paradoxer Gegensatz zur „nachlässigen Gebärde“ hervorgehoben wird.

Die eindeutige Aussage des Gedichts lässt wenig Interpretationsraum offen. Die Fassade der beiden Protagonisten widerspiegelt den Wunsch der beiden, ihre Liebe mit der jeweils anderen Person teilen zu können, hingegen auch die Angst vor Zurückweisung und dem damit verbundenen Schmerz. Der Gegensatz dieser Emotionen führt zu der Unsicherheit, welche die beiden den Becher verschütten lässt. Der Becher ist hierbei das Symbol für die Liebe der beiden, die „verschüttet“ wird und somit keine Chance hat zu existieren.

Verfasser/in hinauf

Yasmin Berglas, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

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