Ernst Jandl (1925- 2000): lichtung (1966)

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Gedichttext hinauf

Ernst Jandl
lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht
velwechsern.
werch ein illtum!

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Rezensent/in: Sandra Gloor

Kurzinformation hinauf

Autor/in: Jandl, Ernst
Titel: lichtung
Thema: Verwechslung
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1966
Zeilen: 4
Link: hier
Rezensent/in: Sandra Gloor
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „lichtung“ von Ernst Jandl (1925-2000) ist eines der bekannteren Gedichte aus dem Gedichtband „Laut und Louise“ und stammt aus der experimentellen Lyrik. Dieses Genre zeichnet sich vor allem dadurch aus, das es sich vollkommen von der konventionellen Lyrik abhebt. Traditionelle Formen des Gedichts und der Wortbildung wurden durchbrochen, um zu provozieren.

Der Autor beschreibt in diesem Gedicht wie ein Teil der Weltbevölkerung (V.1) glaubt, dass man rechts und links (V.2) nicht verwechseln kann (V.3), doch dies ist eine Fehl-einschätzung (V.4) derer. Jandl beschreibt durch die konsequente Permutation von „l und r“ selbst eine Verwechslung. Er stellt dar, dass „rechts“ und „links“ immer zur Verwechslung anstehen. In diesem Gedicht findet weder eine Handlung statt noch spricht ein lyrisches Ich.

Die Strophe zu vier Versen weist kein regelmäßiges Versschema auf, was auch ein Zei-chen der experimentellen Lyrik ist. Genauso benutzt Jandl auch kein Reimschema, denn das wäre zu konventionell.

Beim ersten Lesen des Gedichts korrigiert der Leser automatisch die l-r-Permutation, dies kommt von selbst, da uns die Rechtschreibung regelrecht eingebrannt wurde. Erst beim weiteren Lesen fällt diese einem auf. Das Gedicht basiert auf dem Wort „Ver-wechslung“, nicht nur thematisch sondern auch formal. Jandl hat dieses Phänomen auf kleinstem Raum konzentriert. Schon im Titel beginnt er mit der Permutation, doch das Wort „Lichtung“ ist selbst schon ein richtiges Wort, das den Freiraum des Dichters symbolisiert. Bei der Umwandlung in das Wort „Richtung“ entsteht ein Zusammenhang zu Vers 2, denn bei „rechts“ und „links“ handelt es sich auch um Richtungen. Jederzeit kann man rechts mit links verwechseln, eine Entscheidung die jeder Mensch mehrere Male am Tag zu treffen hat. Doch „lichtung“ ist auch eine Reflexion über „richtig“ und „falsch“, denn die Korrektur der Permutation erzeugt eine richtige Sprache, die durch Regeln definiert ist, aber sie zerstört gleichzeitig die eigentliche Bedeutung, die sich im Falschen repräsentiert. Dadurch wird das Richtige zur Banalität, das Falsche aber wird zum Extraordinären.

Sandra Gloor hinauf

Main.Sandra Gloor, Neue Kantonsschule Aarau (2004B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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