MARIE LUISE KASCHNITZ (1901-1974): AmStrande (1935)

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Gedichttext hinauf

MARIE LUISE KASCHNITZ
Am Strande

Heute sah ich wieder dich am Strand
Schaum der Wellen dir zu Füßen trieb
Mit dem Finger grubst du in den Sand
Zeichen ein, von denen keines blieb.

Ganz versunken warst du in dein Spiel
Mit der ewigen Vergänglichkeit
Welle kam und Stern und Kreis zerfiel
Welle ging und du warst neu bereit.

Lachend hast du dich zu mir gewandt
Ahntest nicht den Schmerz, den ich erfuhr
Denn die schönste Welle zog zum Strand
Und sie löschte deiner Füße Spur.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Kaschnitz, Marie Luise
Titel: Am Strande
Thema: Vergänglichkeit
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr:  
Zeilen: 12
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Rezensent/in: StephanieNussbaumer
Schwierigkeit: z.B. mittelschwer

Interpretation hinauf

Marie Luise Kaschnitz
Am Strande

„Am Strande“ ist eher ein unbekanntes Gedicht von Marie Luise Kaschnitz (1901-1974). Das Entstehungsjahr ist nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es in der Nachkriegszeit entstanden. Diese Aussage stütze ich darauf, dass die meisten ihrer Werke in der Nachkriegszeit entstanden sind, wie z.B. ihr wohl berühmtestes Gedicht „Hiroshima“, welches 1951 entstanden ist.
Das Gedicht handelt von der Vergänglichkeit. Im Gedicht begegnen wir zwei Personen, die sich an einem Strand aufhalten. Das lyrische Ich beschreibt, wie sein Gegenüber Zeichen in den Sand schreibt, welche jedoch vergänglich sind, weil sie von den Wellen weggespült werden. Nichts hat Bestand. Das lyrische Ich bleibt während des ganzen Gedichts in einem sicheren Abstand zu seinem Gegenüber.
Das Gedicht ist in drei Strophen mit je 4 Zeilen gegliedert. Jede Strophe ist ein Kreuzreim. Das Metrum von einem
5-hebigen Trochäus zieht sich durch das ganze Gedicht. Interessanterweise enden alle Verse mit einer männlichen Kadenz obwohl trochäische Verse in der Regel weiblich enden. Die Zeilen wirken bzw. klingen eher abgehakt jedoch wird durch den Kreuzreim eine Art Regelmässigkeit und Ruhe erzeugt. Es entsteht somit eine starke Mischung von Unruhe und Ruhe zugleich. Diese gleichzeitige Unruhe und Ruhe wird mit gezielt eingesetzten rhetorischen Figuren, wie Parallelismus, Anapher, Ellipse und Antithese vor allem in Zeilen 7 und 8 verstärkt. Auf der einen Seite verstärken der Parallelismus sowie die Anapher die ruhigen Bewegungen der Welle. Auf der anderen Seite verstärken die Ellipse und die Antithese das Vergängliche, das Kommen und Gehen, sowie das plötzliche Abschied nehmen.
Das Gedicht macht deutlich, dass nichts von Dauer ist. Die Welle ist das Bild für die Vergänglichkeit. Wie die Wellen kommen und gehen, so kommen und gehen die Dinge im Leben (Z. 7/8). Die Autorin hat mit den beiden Weltkriegen miterlebt, wie Kriege kommen und gehen. Sie hat sowohl die Zerstörung als auch den Wiederaufbau, das Ende wie auch das Neubeginnen erlebt. In diesem Gedicht schreibt sie von Zeichen im Sand, welche von der Welle zerstört werden (Z. 4). Aber sie schreibt auch, wie das lyrische Du immer wieder für eine neue Welle bereit ist (Z. 8). Diese Haltung zeigt, dass man die Hoffnung nicht verlieren darf. Man soll im Leben bereit sein etwas Neues zu wagen. Dies ist auch mit schmerzhaftem Abschied nehmen verbunden. „Und sie löschte deiner Füsse Spur“ (Z.12).

Verfasser/in hinauf

Stephanie Nussbaumer, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:http://www.deutsche-liebeslyrik.de/kasch3.htm
  • Quelle 2:http://www.kaschnitz.de/sites/biofr.html
  • Quelle 3:http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Luise_Kaschnitz

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