Alfred Lichtenstein (1889-1914): Punkt (Entstehungsjahr)

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Gedichttext hinauf

Alfred Lichtenstein
Punkt

Die wüsten Straßen fließen lichterloh
durch den erloschnen Kopf. Und tun mir weh.
Ich fühle deutlich, daß ich bald vergeh -
Dornrosen meines Fleisches, stecht nicht so.

Die Nacht verschimmelt. Giftlaternenschein
Hat, kriechend, sie mit grünem Dreck beschmiert.
Das Herz ist wie ein Sack. Das Blut erfriert.
Die Welt fällt um. Die Augen stürzen ein.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Lichtenstein, Alfred
Titel: Punkt
Thema: z.B. Liebe
Gedichtform: z.B. Sonett
Erscheinungsjahr: 1914
Zeilen: 8
Link: hier
Rezensent/in: Ilva Gerber
Schwierigkeit: z.B. mittelschwer

Interpretation hinauf

Alfred Lichtenstein wurde 1889 in Berlin geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte und sein Studium der Rechtswissenschaften begann. Ab 1910 veröffentlichte er Gedichte in verschiedenen Zeitschriften. Nach Abschluss des Studiums nahm Lichtenstein am Ersten Weltkrieg teil, er verarbeitete seine Erlebnisse und Todesvorahnungen in Gedichten. 1914 fiel Alfred Lichtenstein bei Vermandovillers an der Westfront. Er verfasste groteske Lyrik und Prosa, in denen er sich oft über bekannte Zeitgenossen und sich selbst lustig macht. "Punkt" gehört zum Expressionismus, wie auch Lichtensteins berühmtestes Werk "Die Dämmerung".

Im Gedicht "Punkt" von Alfred Lichtenstein stellt das lyrische Ich seinen Bezug zur Umwelt dar. In den ersten zwei Versen beschreibt der Protagonist den Verkehr als "wüst" und "lichterloh", der im Gegensatz zu ihm selbst lebhaft und hektisch ist. Das lyrische Ich wirkt eher passiv, es heisst, der Verkehr fliesst ihm durch den Kopf und fügt ihm Schmerzen zu, durch diese Metapher drückt das Ich Furcht aus. Es spielt auch darauf an, dass die Welt an ihm vorbeizieht, er teilnahmslos daneben steht und sich isoliert fühlt. In den folgenden zwei Versen ist klar zu erkennen, dass der Protagonist sein Ende kommen sieht: "Ich fühle deutlich, dass ich bald vergeh".

Die zweite Strophe beginnt wieder mit einer Beschreibung der Stadt und zwar mit den Strassenlaternen. Der Sprecher beschreibt diese als "Giftlaternen", die die Nacht "mit grünem Dreck beschmieren". Das lyrische Ich zeigt klare Abneigung gegen diese neue Beleuchtung. Das grünliche Gaslaternenlicht wird als giftig empfunden und "verschimmelt" die Nacht. Die letzten zwei Verse zeigen das Ende des Protagonisten. Er wird von Kälte umgeben und sein Herz wird mit einem "Sack" verglichen. Zum Schluss kommt es zum Niedergang, den der Protagonist bereits vorhergesehen hat. Obwohl es heisst "die Welt fällt um", geht nicht die Welt unter, sondern das lyrische Ich. Von diesem Schlusspunkt stammt auch der Titel.

Dieses Gedicht hat zwei Strophen mit je vier Versen, welche aus umarmenden Reimen bestehen. In "Punkt" werden zwei typische expressionistische Themen aufgenommen. Zum einen wird das Thema der Grossstadt behandelt, zum andern ist das Gedicht auf den Protagonisten fixiert und schildert dessen subjektive Eindrücke. Deshalb "fällt" am Schluss die ganze Welt um und nicht nur er selber. In diesem Gedicht wird das lyrische Ich Opfer der industrialisierten Umwelt, es kann dieser Entwicklung, die auch zum Krieg hinführt, nicht folgen und bleibt deshalb alleine und isoliert. Zudem fürchtet es sich vor Veränderung, wie zum Beispiel die Einführung der Laternen, der Protagonist fühlt sich also von seiner Umwelt bedroht und fällt durch seinen seelischen Schmerz in sich zusammen.

Verfasser/in hinauf

Main.Ilva Gerber, Neue Kantonsschule Aarau (2004B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:http://midglied.lycos.de/spangengerb/gedichte/kaest01.html#Jahrgang%201899
  • Quelle 2:http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_k%C3%A4stner
  • Quelle 3:http://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/erich_kaestner.php

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