EDUARD MOERIKE (1804-1875): Frage und Antwort EDUARD MOERIKE

Frage und Antwort

Fragst du mich, woher die bange
Liebe mir zum Herzen kam,
Und warum ich ihr nicht lange
Schon den bittern Stachel nahm?

Sprich, warum mit Geisterschnelle
Wohl der Wind die Fluegel ruehrt,
Und woher die suesse Quelle
Die verborgnen Wasser fuehrt?

Banne du auf seiner Faehrte
Mir den Wind in vollem Lauf!
Halte mit der Zaubergerte
Du die suessen Quellen auf!

Quelle: http://www.gedichte-garten.de/forum/ftopic102.html
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Mörike, Eduard
Titel: Frage und Antwort
Thema: sehnsüchtig Liebe
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1828
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: CarinaSommer
Schwierigkeit: mittel

Interpretation hinauf

Gedicht sehnsüchtige Liebe
Eduard Mörike:
Frage und Antwort

„Frage und Antwort“ ist eines der weniger berühmten Gedichte Eduard Mörikes (1804-1875), aber dennoch ein künstlerisches Meisterwerk, das am 5. Juli 1828 geschrieben wurde.
Der Spirit der Biedermeier -Zeit, einer Epoche, die die Flucht ins Idyll und ins Private bestärkte und Wertschätzung des christ. Gottes, des Schöpfers hegte, fliesst durch das ganze Gedicht.
Das Werk handelt von schmerzlicher Sehnsucht nach Liebe und Harmonie. Das Streben nach Idylle in dieser Zeit hatte den Ursprung in der zunehmenden Industrialisierung und Urbanisierung des menschlichen Lebens und wirkte sich auf alle Stufen der Gesellschaft aus.
Das Wesen, welches im Gedicht stellvertretend für die Gesellschaft in dieser Epoche erscheint, ist das klagende lyrische Ich. Es steht im Konflikt mit sich selbst und ist einerseits geplagt von Liebeskummer („bange Liebe“) und tiefen Verletzungen („bittren Stachel“) und andererseits wird es von mächtigen und z.T. widersprüchlichen Bewegungen des Gemüts („Frage und Antwort“), von der inneren Begierde nach Rache und vom erzürnten, nach Tätigkeit strebenden Geiste („Und warum ich ihr nicht lange schon den bittren Stachel nahm?“) gequält.
In seiner Verzweiflung klagt und fleht es zu dem einen, dem es vertraut, nämlich zu Gott und bittet um Harmonie (3.Vers) und Antworten auf seine Fragen (2.Vers).
Da E.M. selbst christ. Pfarrer von Beruf war, ist anzunehmen, dass hier zum christ. Gott appelliert wird.
Des verzweifelten lyrischen Ichs tiefgründige Fragen über das Treiben seines Unterbewusstseins, warum schlechte und bösartige Einfälle so schnell entstehen und Schaden anrichten können („mit Geisterschnelle wohl der Wind die Flügel rührt“) und woher die heimtückischen und arglistigen Gedanken kommen, die nach aussen hin versteckt und mit falschem freundlichem Benehmen überdeckt werden („woher die süsse Quelle die verborgnen Wasser führt?“), werden von Gott nicht beantwortet.
Das Gedicht bekommt eine beachtenswerte und imponierende Wirkung durch die unzähligen Gegensätze. Das Werk lebt von den Polaritäten Frage-Antwort, freundlich-hinterlistig, süss-bitter, Liebe-Hass, Wasser-Wind und Harmonie-Fehde, welche zu Lebzeiten Mörikes brisant waren und auch heute noch sind.
Das äusserst komplex aufgebaute Gedicht bildet ein wahrhaft harmonisches Gefüge durch seine einfache, regelmässige und statische Form. Es ist geprägt durch den Kreuzreim mit alternierender Kadenz und das Metrum, welches aus einem 4-hebigen Trochäus besteht. Vollständige Trochäen und Trochäen, bei denen die letzte Senkung fehlt, wechseln sich zeilenweise ab und verleihen dem Gedicht dadurch eine besondere Spannung. Ebenfalls wird mit Zeilenstil und Enjambements abgewechselt.
Diese Regelmässigkeit zeigt den sehnsüchtigen Wunsch eines wohlproportionierten, geordneten und ausgeglichenen Lebens.

Verfasser/in hinauf

CarinaSommer, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten: Mörike: Im Frühling Mörike: Verborgenheit Mörike: Gesang Weylas

Quellen & Links hinauf

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