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Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Der Gesang des Meeres (1891)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Wolken, meine Kinder, wandern gehen
Wollt ihr? Fahret wohl! Auf Wiedersehen!
Eure wandellustigen Gestalten
Kann ich nicht in Mutterbanden halten.

Ihr langweilet euch auf meinen Wogen,
Dort die Erde hat euch angezogen:
Küsten, Klippen und des Leuchtturms Feuer!
Ziehet, Kinder! Geht auf Abenteuer!

Segelt, kühne Schiffer, in den Lüften!
Sucht die Gipfel! Ruhet über Klüften!
Brauet Stürme! Blitzet! Liefert Schlachten!
Traget glühnden Kampfes Purpurtrachten!

Rauscht im Regen! Murmelt in den Quellen!
Füllt die Brunnen! Rieselt in den Wellen!
Braust in Strömen durch die Lande nieder -
Kommet, meine Kinder, kommet wieder!

Quelle:
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Vorgelesen:
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Meyer, Conrad Ferdinand
Titel: Der Gesang des Meeres
Thema: Natur
Erscheinungsjahr: 1891
Zeilen: 16
Link: hier
Rezensent/in: Alessandro Beck
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

C. F. Meyer (1825-1898) wurde in Zürich geboren und zählt nebst Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf als einer der bedeutensten Schweizer Dichter des 19. Jahrhunderts. Nach einer eher schwierigen Jugendzeit, bei der er erstmals in Depressionen verfällt, gehört seine Italienreise in den 60er-Jahren zu einem seiner Lebenshöhepunkte. Ab 1887 bekommen ihm wieder Depressionen, was schliesslich dazu führt, dass er ein Jahr nach Erscheinen seines Gedichtes „Der Gesang des Meeres“ (1891), in eine psychiatrische Heilanstalt eingeliefert wird.
„Der Gesang des Meeres“ ist ein Gedicht aus der Epoche des Realismus und beschreibt in einer küstlerischen, wenn nicht gewissermassen humorvollen Art, den Lauf der Wolken, wobei es sich bei der Ich-Person um das Meer als Mutter der Wolken handelt.
Das aus vier Strophen à vier Verse bestehende Gedicht zeichnet sich durch seine durchgehende Regelmässigkeit im Metrum und im Reimschema aus. Letzteres wird durch, in Paarreimen vereinte, weibliche Reime am Ende jedes Verses wiedergegeben, während das Metrum aus jeweils fünf Trochäen mit weiblicher Kadenz je Vers besteht.
Wirkt das Gedicht durch seine teilweise bildhaftige Sprache und seiner vielen Ausrufe Anfangs voller Elan, so führt doch der abfallende Rhythmus fast gegensätzlich zu einer schlussendlich eher depressiven, aber dennoch stets bewegten Stimmung. Dadruch wird, wie der Titel schon vermuten lässt, auf den Leidensgesang des Meeres hingewiesen. Das Meer verfolgt, ähnlich einer Abschiedsszene, den Abgang der Wolken, und wartet auf ihre Rückkehr. Es ist durchaus möglich, dass Meyers Depressionen zu dieser Zeit im Gedicht ihre Spuren hinterlassen haben; bespielsweise könnte sich Meyer in Anbetracht des Themas „Meer“ auf seine Italienreise zurückgesinnt haben und im Gedicht seine Sehnsucht nach der guten Zeit seines Lebens zum Ausdruck gebracht haben.
Im Grossen und Ganzen haben wir hier also ein klar gegliedertes, unterhaltsames und in der Sprache durchaus verständliches Gedicht, welches Interpretationsansätze zulässt.

Verfasser/in hinauf

Alessandro Beck , Neue Kantonsschule Aarau (2004b), hat ein weiterer Favorit:

Quellen & Links hinauf

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=298&kapitel=74&cHash=d0fe2e0b4egesan1#gb_found
http://de.wikipedia.org/wiki/Conrad_Ferdinand_Meyer

-- AlessandroBeck - 25 October 2007