Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Der römische Brunnen (1883)

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Gedichttext hinauf

Conrad Ferdinand Meyer
Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Meyer, Conrad Ferdinand
Titel: Der römische Brunnen
Thema: Wasserbewegung
Erscheinungsjahr: 1883
Zeilen: 8
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Rezensent/in: Thushara Thekkottil
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Der römische Brunnen“ von Conrad Ferdinand Meyer (geb. 1825, Zürich) wurde um 1858 verfasst und erschien erst 1883 in der heute bekannten Form in der siebten Version. Aus seinem biografischen Hintergrund ist es zu verstehen, dass er sich auf seiner Italienreise zu diesem Gedicht interpretieren liess, wobei er die Brunnen auf dem Petersplatz beschreibt.

„Der römische Brunnen“ ist ein Dinggedicht, was in der betroffenen Epoche, dem Realismus, üblich war. Deshalb fehlt es in diesem Gedicht die Form des lyrischen Ichs. Er beschäftigte sich mit der Objektivität und trotz Mangel an persönlicher Atmosphäre gelingt es ihm, das Gedicht interessanter zu machen, indem er eine sehr private Stimmung zwischen den einzelnen Stufen des Brunnens (Marmorschalen, V.2) hervorruft.

Es beschreibt die Wasserbewegungen in einem Brunnen mit voller Lebendigkeit: Das Wasser steht niemals still. Der Autor C. F. Meyer gibt dem römischen Brunnen die Lebendigkeit, indem er viele Personifikationen verwendet. Er zeigt in leblosen Steingebilden die Schönheit von Kunstwerken. Die Marmorschalen sind wie drei Individuen, die sich zu einem Brunnen vereint haben und spielen mit dem Wasser in einer harmonievollen Stimmung. Die drei Individuen sind sozusagen wie eine Einheit.

Das Gedicht besteht aus einer Strophe mit acht Versen, welche aus einem einzigen Satz mit mehreren untergeordneten Sätzen aufgebaut sind. Der vierhebige Jambus wird im ganzen Gedicht angewandt, mit einer Ausnahme: den letzten Vers mit einem zweihebigen Jambus. Dieser Jambus gibt dem Gedicht eine harmonische Stimmung und einen passenden Rhythmus, welche das Fliessen des Wassers darstellt. Das gesamte Werk ist in Kreuzreimen geschrieben. Durch das Gedicht geht eine Wellenbewegung, die den aufsteigenden und fallenden (V. 1) Bewegungen des Wasserstrahls folgt.

Der Autor lässt eine Moral in seiner Beschreibung: „Und jede nimmt und gibt zugleich“ (V. 7) zeigt an, dass jeder wissen soll, dass, was er gibt, in gleicher Menge zurückkommt. Man soll keine Angst haben, etwas zu verlieren, wenn man „zu reich“ (V. 5) ist, denn jeder soll seinen Überschuss weitergeben.

Das Gedicht ist keine Unterhaltungslektüre. Seine ersten sechs Versionen zeigen, dass C. F. Meyer versuchte, mit immer weniger Worten möglichst viele Informationen zu geben. Kurz gesagt ist es ein kompaktes Gedicht, das den Leser zum Nachdenken anregen soll, so dass er dessen Moral versteht.

Verfasser/in hinauf

Thushara Thekkottil , Neue Kantonsschule Aarau (4B), hat drei weitere Favoriten:

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