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C.F. Meyer (1825-1898): Zwei Segel (1882)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Conrad Ferdinand Meyer

Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

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Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Meyer, Conrad Ferdinand
Titel: Zwei Segel
Thema: Natur
Erscheinungsjahr: 1882
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Sandra Gloor
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Zwei Segel“ von Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) ist wohl eines der bekann-testen Gedichte aus seiner Sammlung und stammt aus dem poetischen Realismus. Das Gedicht wird von einem objektiven Betrachter beschrieben, der weder ein lyrisches Ich ist, noch direkt in die Handlung einbezogen ist. Er beschreibt zwei Segelboote die sich zuerst harmonisch in einer Bucht bewegen und plötzlich jagt das eine davon (V.5), das andere „erwacht“ und hetzt ihm nach. Wenn das erste wieder rasten will, so tut dies auch das zweite. In der ersten Strophe wird die Umgebung beschrieben, ein sonniger Tag (erhellend, V.1) der mit leichtem Wind (sich schwellend, V.) die Boote vorantreibt. Die tiefblaue Farbe der Bucht (V.2) bildet einen schönen Kontrast zu den hellen Segeln. In der zweiten und dritten Strophe findet die Handlung der bei-den Segelboote statt. Die drei Strophen, zu jeweils vier Versen, bestehen aus 2-füssigen Daktylen, was das Gedicht eher fröhlich und aufmunternd wirken lässt. Die Verse beginnen alle mit einem unbetonten Auf-takt und enden alternierend mit einer männlichen (ungerade V.) und weiblichen Kadenz (gerade V.). Die einheitlichen Kreuzreime in allen Strophen verbinden die Strophen sehr eng miteinan-der. Die ersten beiden Strophen sind eher ruhig und beschreiben die Umgebung und den Anstoß zu Handlung in der dritten Strophe. Die Worte „hasten, schnell, rasten und ruht“ in der letzten Strophe sind völlige Gegensätze und beschreiben die Handlung, die stattfindet während der Bet-rachter beschreibt. Die zwei Segel auf dem See symbolisieren eigentlich Freiheit und Losgelöstheit, doch schon in der zweiten Strophe bemerkt man, das eine gewisse Abhängigkeit zwischen ihnen besteht. Durch verschiedene Worte wie z.B. Empfinden, erregt, werden die Segel personifiziert und man beginnt sie mit einer Liebesbeziehung zu vergleichen. Jeder Liebender ist vom anderen abhän-gig, doch einer ist immer dominanter und nimmt die Zügel in die Hand. Die völlige Harmonie zwischen den Segeln ist in einer Liebesbeziehung die Liebe. Jeder geht Kompromisse ein und in diesem Gedicht wird die völlige Übereinstimmung als Ideal angsehen

Verfasser/in hinauf

Sandra Gloor , Neue Kantonsschule Aarau (2004B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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-- Main.Sandra Gloor - 07 Mai 2007